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Billiger gehts nicht: Hier geht «Black Friday» einmal anders

Ein Pakistani mischt in Grenchen die Kleiderbranche auf – ein Augenschein an der Maienstrasse.

Daniela Deck
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Lagerverkauf eines pakistanischen Textilhändlers im Luxory Grenchen, das er für eine Woche gemietet hat.

Lagerverkauf eines pakistanischen Textilhändlers im Luxory Grenchen, das er für eine Woche gemietet hat.

Oliver Menge

Die Maienstrasse ist die Billig-Einkaufsmeile von Grenchen. Fast alles, was die Grenchner seit der Schliessung der EPA vor über zehn Jahren vermissen, ist dort längst bei Otto’s & Co. erhältlich. Und falls nicht, wird man spätestens in der Landi fündig.

Wers wirklich ganz billig möchte, der kann auch noch ins Migros-Outlet, ebenfalls an der Maienstrasse. Die ganze letzte Woche hindurch fand zudem im Luxory-Saal gleich nebenan ein riesiger Lagerverkauf von Kleidern und Bettwäsche statt. Manchen dürfte der pinke Flyer im A4-Format aufgefallen sein, der zuvor in die Haushaltungen verteilt wurde. Ein Augenschein.

Billiger gehts nicht

Die schwache Beleuchtung im Saal ist mit dem gepflegten Ambiente eines Warenhauses nicht zu vergleichen. Dasselbe gilt für die nüchternen langen Tischreihen, auf denen sich Kleider für Kinder und Erwachsene neben Bettwäsche aller Grössen und Farben türmen. Dafür beschränken sich die Preise auf ein paar Franken pro Stück – selbst der grösste Geiz-ist-geil-Discounter wird hier unterboten. Akzeptiert wird nur Barzahlung. Entsprechend ist der Kassier im Hintergrund des Saals lediglich mit einer Geldkassette voller Wechselgeld und einem Taschenrechner ausgestattet.

Was geht hier vor? Hat ein fliegender Händler seine spezifisch grenchnerische Auffassung des amerikanischen Black-Friday-Weihnachtsverkaufs zelebriert? Wir haben nachgefragt.

Schon seit fünf Jahren

Azam Mohammed heisst der Veranstalter der Verkaufsorgie. Am Telefon auf die Aktion angesprochen, lacht er zuerst einmal. Dann erklärt er: «Ich habe eine Kleiderfabrik in Pakistan. Deshalb kann ich die Waren aus Direktimport zu diesen günstigen Preisen verkaufen. Ausserdem kaufe ich in der Schweiz jeweils noch Lagerbestände von Markenkleidern dazu, die auch mitverkauft werden.» Was er an den Mann und die Frau bringt, sind nicht etwas Restposten, sondern komplette Serien.

Der Verkauf war übrigens nicht der erste dieser Art. Azam Mohammed: «Ich kenne den Besitzer des Luxory. Deshalb finden die Verkäufe dort statt.» Dreimal pro Jahr, einmal im Sommer- und zweimal im Winterhalbjahr, miete Azam Mohammed den Saal für jeweils eine Woche, und dies seit fünf Jahren. «Ich führe diese Verkäufe von Markenkleidern auch in anderen Schweizer Städten durch, überall dort, wo ich zu vernünftigen Konditionen einen Saal bekomme.»

Mundpropaganda

Der Erfolg sei unterschiedlich. Dieses Jahr sei die Bilanz durchzogen. Das gelte allerdings nicht nur für Grenchen, sondern für die ganze Schweiz. «Oft läuft es am Montag der Verkaufswoche verhalten. Mit der Mundpropaganda kommen dann bis zum Samstag immer mehr Kunden. Sowohl Schweizer als auch Ausländer kaufen bei mir ein», sagt Azam Mohammed stolz. Für die nächsten Verkäufe plant er, die Flyer neben Grenchen in den umliegenden Dörfern zu verteilen. Auch über Werbung in den Medien macht er sich Gedanken.

Das Auge für Schnäppchen

Wer zum Auftakt der Verkaufswoche hereinschaute, konnte feststellen, dass nicht etwa Neuzuzüger als Eisbrecher fungieren. Als erste waren Italienerinnen und vereinzelt Italiener der zweiten und dritten Generation vor Ort. Alt eingesessene Grenchner also, die das Rückgrat der hiesigen Industriearbeiterschaft bilden. Mit einem scharfen Auge für Schnäppchen deckten sie sich und ihre Familien im grossen Stil mit Textilien ein.