Am 21. August 1986 fand in Bern die Gründungsversammlung der Genossenschaft VSRT-Berufsbildungszentrum statt. Die Abkürzung steht bis heute für Verband Schweizerischer Radio-, TV- und Multimedia-Fachgeschäfte, eine Branche also, in der rasanter technischer Wandel zum Alltag gehört. Nach Anfängen in Biel wurde vor gut 20 Jahren ein eigenes Ausbildungszentrum für die überbetrieblichen Kurse an der Niklaus-Wengi-Strasse in Grenchen in einem Neubau eröffnet.

Dieses kombinierte Jubiläum feierten die Genossenschaftsvertreter heute anlässlich ihrer Generalversammlung. Es sei nicht einfach, immer technisch up to date zu sein, räumte Verwaltungsratspräsident Peter Mattiello ein. «Die Durchführung unserer überbetrieblichen Kurse vermittelt aber Kompetenzen, die neue Erträge generieren können.» Deshalb halte man das Gebäude und die Einrichtungen auf dem aktuellen Stand. Zum Betrieb mit rund 25 Mitarbeitern (davon fünf Vollzeiter vor Ort) gehört auch eine Mensa und ein Internatsbetrieb.

Geschäftsführer Claude Weinstock konnte vermelden, dass nach mehreren Jahren mit rückläufigen Lehrlingszahlen 2016 eine Trendwende zu verzeichnen war. Die Branche habe 100 Lernende mehr als im Vorjahr. Anderseits stiegen aber auch die Zahl der Lehrabbrüche – nicht wenige wegen Lehrlingen, die fristlos entlassen werden, weil sie etwas mitlaufen lassen. «Das gibt mir schon etwas zu denken», meinte Weinstock.

Grussworte zum Jubiläum überbrachten Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger, Stefan Ruchti, der Chef des Kantonalen Amtes für Berufsbildung und Sven Sievi, Geschäftsleiter von Bildung Detailhandel Schweiz. Dieser rief die volkswirtschaftliche Bedeutung des Detailhandels in Erinnerung, wo heute 370'000 Personen arbeiten, was 270'000 Vollzeitstellen entspreche. «Als Branchen sind wir damit bedeutender als Pharma oder die Banken.»

Als Gastreferent entführte Roger Spindler, Trendforscher und Leiter Höhere Berufsbildung und Weiterbildung der Schule für Gestaltung Bern und Biel die Zuhörer in die «digitale Zukunft». Mit Lesetipps, Videoclips und provokanten Aussagen sensibilisierte Spindler für die gesellschaftlichen und technischen Trends und zeigte die «Evolutionsfaktoren» auf.

Die grösste Herausforderung sei, dass die Lehrer Schritt halten mit der Digitalisierung, in einer Zeit, in der Youtube die wichtigste Aufgabenhilfe sei. «Es gibt inzwischen sogar Online-Plattformen, um bewusster offline zu sein.», meinte er mit Augenzwinkern Richtung «digitale Prothesen», welche den Menschen auch vom realen Leben abhalten könnten.