«Es läuft einfach nicht so gut, wie auf richtigem Eis, wir sind schon etwas enttäuscht», erklären zwei Mädchen im Primarschulalter nach einem Versuch auf der Kunststoff-Schlittschuhbahn unter dem Stadtdach. Einen Tag später versucht sich ein Dreikäsehoch mithilfe der Mutter erstmals auf den Schlittschuhen und hat Riesenspass dabei. «Bei richtigem Eis wären wir wohl schon oft gestürzt. Für Anfänger ist das hier ideal», lobt diese die Qualitäten Pseudo-Eisbahn.

Kein Publikumsmagnet

So oder so: Die Anlage, die zwei Wochen in Betrieb war, lockte keine Menschenmassen unter das Stadtdach. Doch immer wieder, vor allem nachmittags, waren kleinere Kinder in Begleitung bei ihrem ersten Versuchen zu beobachten. Gegen Abend wurde es allerdings ruhig auf der Anlage.

«Am Abend war nichts mehr los, den Grill haben wir erst gar nicht angelassen», zeigt sich Baracoa-Betreiber Mehmet Polat enttäuscht. Zusammen mit Daniel Wisard vom Internetradio «Blitz» war Polat verantwortlich für das Rahmenprogramm. Man hoffte, auch nach Feierabend noch ein paar Grenchnerinnen und Grenchner ins Stadtzentrum bewegen zu können.

DJ meistens überflüssig

Dafür hatte man zwei Verpflegungsstände und ein Party-Programm mit DJs zusammengestellt. Doch meistens reichte es nur für einen Feierabend-Glühwein im Vorbeigehen. «Mit Ausnahme des Live-Konzerts und der Autogramm-Aktion mit dem EHC Biel war die Besucherzahl äusserst schwach», meint auch Daniel Wisard. «Den DJ hätte man sich sparen können, etwas Hintergrundmusik hätte genügt.»

Konkurrenz von richtigen Eisbahnen in Biel und Solothurn könnte ein Grund für den Misserfolg am Abend sein, vermutet Wisard. Auch Mehmet Polat vermutet, dass eine richtige Eisbahn sicher mehr Erfolg gehabt hätte.

Mike Brotschi, der verantwortliche seitens der Stadt, meint hingegen, dass man für eine erste Durchführung nicht allzu viel Erwartungen gehabt habe und die Nachmittage durchaus etwas Publikum angezogen hätten. Primäres Ziel der Stadt sei die Belebung des Marktplatzes zu Geschäftszeiten gewesen . In diesem Sinne könne man nicht von einem Misserfolg sprechen.

Brotschi erinnert daran, dass in der ersten Woche auch das Wetter nicht optimal war.
«Die Organisatoren des Rahmenprogramms haben sich jedenfalls sehr engagiert und dafür gebührt ihnen ein grosses Kompliment», mein Brotschi weiter. Auch wenn man bei einer weiteren Durchführung dieses vielleicht anpassen könne. Jedenfalls sei in den nächsten Tagen noch ein Debriefing geplant, versichert er.

Richtiges Eis viel teurer?

Sind so gesehen die etwa 15'000 Franken Miete für die paar Kunststoffplatten mit Abschrankung nicht etwas teuer? Brotschi betont, dass die Anlage die Stadt nichts gekostet habe, da die Kosten von den Sponsoren getragen wurden. Eine richtige Eisanlage komme ungleich teurer, insbesondere weil man einen Eismeister anstellen müsste.

Mehmet Polat hofft dennoch, dass einmal richtiges Eis möglich wird, wie in den Nachbarstädten. «Wenn die SWG, die ohnehin Sponsor ist, die Energiekosten zahlt, könnte ich mir ein erneutes Engagement meinerseits jedenfalls vorstellen», lässt der Baracoa-Wirt durchblicken. Es gelte jetzt, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, meint auch Brotschi. Ein «Anfang mit Entwicklungspotenzial» sei gemacht.