Barbara Pestalozzi Kohler, Leiterin Standortmarketing, Kultur und Sport, begrüsste die Gäste, unter ihnen Ständerat Roberto Zanetti. Dieser wollte für einmal in seiner 1. Augustrede ganz bewusst nicht auf die Probleme eingehen, die die Schweiz momentan beschäftigen, sondern hatte sich ursprünglich vorgenommen, ein bisschen zu rühmen und Optimismus zu verbreiten. Er hatte sich vorgestellt, all das zu loben, was den Menschen optimale Voraussetzungen für persönliches Glück und Wohlergehen bietet. «Denn eigentlich wohnen wir im Paradies», sagte Zanetti. Man müsse zu Landschaft und Umwelt Sorge tragen, aber auch zu den Errungenschaften wie Stabilität, Sicherheit und sozialem Ausgleich.

Aber bei den Vorbereitungen zu seiner Rede hätten ihn die Ereignisse in Oslo nicht mehr losgelassen und er habe sich die Frage gestellt, wie die Schweizer Bevölkerung in so einem Fall reagiert hätte. Auch bei uns sei so etwas möglich. Aber wie das norwegische Volk und die verantwortlichen Politiker damit umgingen, sei für ihn beispielhaft und solle als Vorbild dienen. «In tiefster Trauer widerstehen die Norweger dem Hass, statt Vergeltung wollen sie jetzt noch mehr Humanität und Demokratie». Er hoffe von ganzem Herzen, dass uns die Beantwortung der Frage erspart bleibt, dass wir von solch schrecklichen Ereignissen verschont bleiben. Für Zanetti sei die diesjährige Bundesfeier auch ein bisschen norwegischer Nationalfeiertag.

Suche nach der Identität

Stadtpräsident Boris Banga wies in seiner Rede auf die grossen Veränderungen hin, denen wir unterworfen sind, sei es durch Globalisierung, zunehmender Mobilität oder dem Verlust von Traditionen. Dadurch entstehe Verunsicherung, und die Suche nach den eigenen Wurzeln und der eigenen Identität gewinne an Bedeutung. «Was zeichnet uns Schweizerinnen und Schweizer aus? Sind es Bescheidenheit, Gründlichkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit?» fragte Banga. Oder sei es die Schweiz als Willensnation. «Was vor über 700 Jahren begann, hat immer noch Bestand. Der Wille von Menschen unterschiedlichster Kultur und unterschiedlicher Sprache, auf gemeinsam und demokratisch geschaffener Grundlage eine staatliche Ordnung der direkten Demokratie zu verwirklichen und weiter zu entwickeln, dieser Wille besteht bis heute.» Er forderte die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich über ihr eigenes Bild der Schweiz auszutauschen. Denn die Suche nach den Wurzeln lohne sich.

Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi hatte sich eigentlich vorgenommen, etwas Lockeres in seiner Rede zu bieten. Aber nach einer lockeren Einleitung kam auch er nicht darum herum, bei seiner Analyse von «richtig» und «falsch» seine Sicht von Patriotismus zu beschreiben und auf die Wichtigkeit von Sport und dessen Parallelen zur Politik hinzuweisen. Er forderte zum Dialog auf: «Entscheidend scheint mir, dass man kontroverse Meinungen nicht ausblendet, sondern sie auf faire Art und Weise ausdiskutiert.»

Bei Risotto und Bratwurst wurden anschliessend noch manche Gespräche zum Geburtstag der Schweiz geführt, bevor ein Lampionumzug vieler Kinder, und ein schönes Feuerwerk den Abend beschloss.