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BGU tritt auf die Sparbremse

Nachdem der BGU in den Jahren 2010 und 2009 Verluste schreiben musste, rechneten Geschäftsführung und Verwaltungsrat für 2011 erneut mit einem negativen Rechnungsergebnis. Dank Sparmassnahmen und trotz eines gesunkenen Betriebsertrags kommt es jetzt aber anders.

Patrick Furrer
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Geschäftsleiter Hans-Rudolf Zumstein hat die herausfordernde Aufgabe, den BGU auf Kurs zu halten.

Geschäftsleiter Hans-Rudolf Zumstein hat die herausfordernde Aufgabe, den BGU auf Kurs zu halten.

Felix Gerber

Geschäftsführer Hans-Rudolf Zumstein: «Ich bin mit dem vergangenen Jahr sehr zufrieden. Ich hätte nicht geglaubt, dass wir wieder in den schwarzen Zahlen landen.» Dem Busbetrieb Grenchen und Umgebung bleibt nach sämtlichen Abzügen und öffentlichen Zuwendungen unter dem Strich ein Jahresergebnis von knapp 7500 Franken. Im Vorjahr schrieb der BGU 32000 Franken Verlust. Für die Zukunft sieht Zumstein das Unternehmen gerüstet. Es sind wieder Gewinne zu erwarten, da der Verteilschlüssel der Tarifverbunde Libero und zigzag aufgrund des ausgebauten Angebotes des BGU zugunsten des Grenchner Betriebs auf 1. Januar 2012 angepasst worden ist.

Seit der BGU vor drei Jahren sein Angebot um 30 Prozent erweitert hat, nahmen vor allem auf dem Stadtnetz die Frequenzen stark zu. Wie aktuelle Hochrechnungen zeigen, hat die Zahl der Passagiere von 2009 auf 2011 um über 30 Prozent zugenommen. 1,8 Millionen Menschen stiegen 2011 in einen BGU-Bus ein, 2009 waren es noch 1,3 Mio. Eine Kundenumfrage im Herbst 2011 verlieh dem Betrieb zudem verbesserte Noten im Vergleich zu 2009.

Sparen und Preise anpassen

Nebst all diesen Zahlen ist es aber das Tagesgeschäft, dass für Zumstein und sein Team eine alltägliche Herausforderung bedeutet. «Die finanziell angespannte Situation beim Bund und den Kantonen Bern und Solothurn verlangt nach wie vor eine ständig effizientere Leistungserbringung zu tieferen Kosten», schreibt er dazu im Editorial zum druckfrischen Geschäftsbericht 2011.

Mit anderen Worten: Sparen ist angesagt. Eine konkrete Massnahme ist, dass der BGU sein Werbebudget reduziert. «Die beste Werbung sind ohnehin gute Chauffeure und ein funktionierender Betrieb», sagt der Geschäftsleiter. Mehr Möglichkeiten zum Sparen habe man kaum, da man gerade beim Service nicht runterfahren will. Derzeit leistet der BGU einen Extra-Effort, um seine Fahrzeuge noch stärker als «fahrende Werbesäule» zu vermarkten. Viel Spielraum hat man nicht, nichtsdestotrotz sollen künftig noch mehr Werbeflächen verkauft werden.

Nicht zuletzt haben die wachsenden Anforderungen an die Rentabilität und der geplante Zusammenschluss mit dem Tarifverbund Libero auch Auswirkungen auf die Fahrpreise: In einer ersten Phase werden die Abo-Preise leicht steigen; sie wurden bereits auf den letzten Fahrplanwechsel angepasst. Ob später auch die Einzelfahrtbillette teurer werden, ist denkbar, laut Hans-Rudolf Zumstein derzeit aber nicht geplant.

Schwarzfahrer bleiben Ärgernis

Noch immer ist die Zahl der Schwarzfahrer in Grenchen deutlich höher als in anderen Gemeinden – und daher weiterhin bedenklich und ärgerlich. Im Berichtsjahr 2011 wurden bei 42 Fahrausweiskontrollen total 5719 Personen kontrolliert. 302 davon hatten keinen gültigen Fahrschein, woraus ganze 116 Betreibungen folgten. 5,28 Prozent der kontrollierten Fahrgäste fuhren schwarz. Zwar lag dieser Anteil 2010 mit 5,73 Prozent höher, Zumstein gibt aber zu bedenken, dass die Dunkelziffer sehr hoch und nicht abzuschätzen ist. «Wir haben die Kontrolltätigkeit intensiviert, was bereits Früchte trägt, denn tendenziell geht die Schwarzfahrerzahl seit drei, vier Monaten zurück. Eindeutig ist aber, dass wir einfach immer noch viel zu viele davon haben.»

Ein Dauerbrenner-Thema beim Fahrdienst bleiben die teilweise prekären Strassenverhältnisse in Grenchen, die durch verkehrsberuhigende Massnahmen, Inseln, Verengungen et cetera weiter zunehmen. Besonders im Winter könne es heikel werden, räumt Zumstein ein. Auch die «Baustelleritis» verlangt den Chauffeuren einiges an Geduld und Geschick ab. Deshalb ist für Geschäftsleiter Hans-Rudolf Zumstein die Lobbyarbeit weiterhin wichtig. Eines sei klar: «Der Job des Buschauffeurs ist heute härter und anstrengender als noch vor wenigen Jahren.»