Schwarzfahrer
BGU hat Schwarzfahrern den Kampf angesagt

Immer mehr Personen benutzen den Bus, ohne ein Billett zu lösen. Dies ergaben Stichproben der BGU Busbetriebe Grenchen AG in den letzten Tagen. Bei nur gerade drei Kontrollen wurden insgesamt 115 Personen beim Schwarzfahren erwischt.

Merken
Drucken
Teilen
Nicht alle Fahrgäste lösen ein Billet am Automaten.

Nicht alle Fahrgäste lösen ein Billet am Automaten.

Hanspeter Bärtschi

«Schwarzfahren ist ein bekanntes Problem, mit welchem alle Betriebe des öffentlichen Verkehrs zu kämpfen haben», stellt Hans Rudolf Zumstein, Betriebsleiter der BGU Busbetriebe Grenchen AG, fest. «In Grenchen hat Schwarzfahren aber eine Dimension angenommen, die nicht mehr toleriert werden kann.»

Zu diesen Erkenntnissen ist die BGU bei den letzten Kontrollen gekommen. An insgesamt drei Abenden an gewöhnlichen Wochentagen wurden auf den Grenchner Buslinien Billettkontrollen durchgeführt, das Resultat ist erschreckend. Allein bei diesen drei Kontrollen wurden jeweils 32, danach 28 und schliesslich 53, total also 115 Personen ohne gültigen Fahrausweis erwischt. Das ist ein neuer Rekord für Grenchen. In den vergangenen Jahren bewegten sich die Schwarzfahrer im Bereich von rund 3,5 bis 4 Prozent – 2010 ist die Rate auf über 5 Prozent angestiegen. «Und die Tendenz ist steigend», glaubt Hans Rudolf Zumstein.

Ungefähr 220 000 Franken Verlust durch Schwarzfahren

Das Angebot der BGU sei um fast 30 Prozent vergrössert worden, man komme auf ungefähr 1,8 Mio. Fahrgäste pro Jahr. Der Verlust, der durch Schwarzfahrer entsteht, könne folglich ungefähr hochgerechnet werden: 220000 Franken pro Jahr, eine ansehnliche Summe. Wer ohne gültigen Fahrausweis im Bus erwischt wird, muss mit einem Zuschlag rechnen.

«Wenn jemand sein Abonnement vergessen hat, kann dieses in den darauf folgenden zehn Tagen auf der BGU-Geschäftsstelle am Postplatz vorgewiesen werden», erklärt Zumstein. «Dann muss zusätzlich ein Verwaltungskostenzuschlag bezahlt werden und die Angelegenheit ist vergessen.»

Keine Gnade für Schwarzfahrer

Anders sieht es natürlich mit Personen aus, die kein Abonnement respektive gültigen Fahrausweis besitzen. Diese Personen bezahlen einen Zuschlag von 80 Franken, wenn sie vor Ort bezahlen. Erfolgt die Bezahlung per Rechnung, kommt zu den 80 Franken ein Verwaltungskostenzuschlag von 20 Franken hinzu. Wenn diese Kosten nicht innerhalb von 30 Tagen beglichen werden, wird die Person zur Anzeige gebracht.

Doch damit kommt ein neues Problem auf die BGU zu. Etliche der Personen, die beim Schwarzfahren erwischt werden, sind Sozialhilfeempfänger/innen und somit meist gar nicht in der Lage, die Zuschläge zu bezahlen.

Keine Zweiklassengesellschaft

Für Zumstein ist klar: «Wer schwarz fährt, muss einen Zuschlag, bezahlen, wenn der nicht bezahlt wird, wird die Person angezeigt.» Und so kommt es vor, dass das Sozialamt diese bezahlt und schliesslich den Fehlbaren die Zuschläge mit dem Bezug verrechnen muss.

Er ist überzeugt: «Greifen wir nicht durch und bleiben wir nicht hart, dann fühlen sich doch die ehrlichen Leute verschaukelt, die einen gültigen Fahrausweis lösen.» Und genau dies will Zumstein nicht. «Wir können nicht eine Zweiklassengesellschaft bei unseren Fahrgästen schaffen», ist er überzeugt, «deshalb werden wir auch weiterhin Kontrollen durchführen und Fehlbare büssen.»

Zukünftig Schwerpunktkontrollen

Man habe festgestellt, dass man mit Schwerpunktkontrollen den besten Effekt erziele. Vier bis fünf Kontrolleure würden dann jeweils an zentralen Haltestellen, an denen mehrere Buslinien eintreffen, postiert und würden konzentriert Kontrollen durchführen. Personen ohne gültigen Fahrschein würden rausgenommen. «Die Polizei Stadt Grenchen ist jeweils vorinformiert und die Zusammenarbeit klappt hervorragend», betont Zumstein. Das sei auch nötig, bei den durchgeführten Kontrollen sei man in zwei Fällen auf die Hilfe der Polizei angewiesen gewesen, denn den Kontrolleuren sei es nicht erlaubt, Personenkontrollen durchzuführen. Die BGU werde ihr Kontroll-Konzept im nächsten Jahr anpassen. Es sollen auch mehr Kontrollen durchgeführt werden. «Wir werden Schwarzfahren auch weiterhin nicht dulden.» (mgt/om)