Fahrplanwechsel BGU
BGU-Chef: «Man muss wissen, wo man sparen kann»

Der Busbetrieb Grenchen und Umgebung (BGU) ist ab Sonntag neu im Libero-Tarifverbund. BGU-Chef Hansruedi Zumstein sagt, was das bringt.

Oliver Menge
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So sieht der neue Bildschirm aus. BGU-Chef Hansruedi Zumstein präsentiert den neuen Automaten.

So sieht der neue Bildschirm aus. BGU-Chef Hansruedi Zumstein präsentiert den neuen Automaten.

Oliver Menge

Der 14. Dezember 2014 ist für den BGU ein bedeutendes Datum: Ab diesem Tag ist nicht nur der neue Fahrplan gültig, der für Grenchen einige kleine Änderungen mit sich bringt. Der Tarifverbund Abo Zigzag wird per 14. Dezember 2014 in den Tarifverbund Libero integriert. Insgesamt 16 Transportunternehmungen des öffentlichen Verkehrs decken ab Sonntag somit das Gebiet von Eggiwil im Emmental bis ins Schwarzenburgerland, vom Berner Jura über den Grenchenberg und Balmberg bis nach Murgenthal ab.

Billettpreise: Abos werden teurer, Einzelfahrten billiger

Für Grenchen und Bettlach ändert sich einiges. Das ganze Gebiet ist in Zonen eingeteilt, Grenchen, Bettlach, Selzach und Arch sind in der Zone 250, die nördlichen Quartiere in der Zone 251, der Stierenberg und der Untere Grenchenberg in Zone 252 bzw. 253.

Wie im gesamten Libero-Gebiet werden die Abopreise leicht teurer. Zumstein dazu: «Der Druck von Bund und Kantonen diesbezüglich war gross. Man forderte eine Preiserhöhung insgesamt von rund 3% über alles.» Das Monatsabonnement für zwei Zonen erhöht sich um 2 Franken, von 69 Fr. auf 71 Franken. Ein Jahresabonnement kostet nun 675 Franken statt wie bisher 656 Fr., ebenfalls für zwei Zonen.

Günstiger weg kommt der Fahrgast in vielen Fällen mit Einzelbilletten. So kann von jeder Haltestelle des Stadtnetzes für eine Fahrt zum Postplatz, dem Bahnhof Süd oder Nord eine Kurzstrecke ohne Umsteigen gewählt werden. Dieses Billett ist 30 Minuten gültig und kostet Fr. 2.50, ermässigt 2 Fr., 10 Rappen günstiger als beim bisherigen BGU-Haustarif. Will also jemand beispielsweise von der Schmelzi zum Bahnhof Süd, kostet ihn das hin und zurück 5 Franken. Er kann neu aber auch ein 2-Zonen-Billett lösen, welches 60 Minuten gültig ist, das Umsteigen – folglich auch die Rückfahrt – erlaubt, und das nur Fr. 4.40 kostet.

Bettlacher, die rasch in Grenchen etwas erledigen wollen, fahren noch günstiger: Früher bezahlten sie hin und zurück Fr. 7.40, also zweimal eine Einzelfahrt à Fr. 3.70. Neu können sie ebenfalls ein Billett für Fr. 4.40 lösen, das 60 Minuten gültig ist.

Leicht teurer wird die Fahrt von Grenchen nach Solothurn. Statt wie bisher Fr. 6.40, bezahlt man neu Fr. 6.70. Allerdings ist jetzt der Bus in Grenchen in diesem Billett enthalten, früher musste man noch zusätzlich Fr. 2.50 dafür berappen. Die Strecke von Grenchen nach Biel wird mit Fr. 8.80 ebenfalls etwas teurer. Aber alle öffentlichen Verkehrsmittel, sowohl in Grenchen als auch in Biel, können mit demselben Billett benutzt werden. «Man muss wissen, wo man sparen kann und man muss das massgeschneiderte Billett kaufen», sagt Zumstein. Klar ist: Da alleine im letzten Jahr rund 1,6 Millionen Fahrgäste mit Abos und nur knapp 300 000 mit Einzelbilletten unterwegs waren, werden die Preissteigerungen zu Buche schlagen.

Nichts ändert sich hingegen für Schwarzfahrer: Wer ohne gültigen Fahrschein erwischt wird, bezahlt nach wie vor einen Zuschlag von 90 Franken und eine Fahrpreispauschale von 10 Franken. (om)

Zu den bisher bestehenden Kernzonen Bern und Solothurn kommen neu Biel, das Seeland, der Berner Jura und und Grenchen hinzu. Fahrgäste benötigen im gesamten Gebiet künftig nur noch einen einzigen Fahrausweis, mit dem sie bei allen Transportpartnern ein- und aussteigen können.

Eine Herausforderung für BGU-Chef Hansruedi Zumstein in vielerlei Hinsicht. Denn es galt nicht nur, die Zonen und Tarife zu übernehmen und in der Tarifstruktur das Optimum für Grenchen und Umgebung herauszuholen. Auch technisch musste auf- und umgerüstet werden: Neue Billettautomaten in den Fahrzeugen und an den Stationen Bahnhof Süd und Postplatz waren erforderlich, welche die Möglichkeit bieten, mit elektronischen Zahlungsmitteln – auch kontaktlos – zu bezahlen.

Und schon hier gab es Probleme, wie Zumstein erklärt: «Wir haben den Auftrag für die neuen Automaten zusammen mit den Verkehrsbetrieben Biel schon letztes Jahr ausgeschrieben. Der Anbieter, der das günstigste Angebot machte, erhielt zwar den Auftrag, aber wir erkannten schon bei der Ausarbeitungen der Verträge, dass dieser die Anforderungen niemals erfüllen konnte. Folglich musste ihm der Auftrag entzogen und freihändig vergeben werden, an denselben Lieferanten, der schon die Libero-Partner RBS, BSU, BLS, Bernmobil und andere beliefert hatte.»

Nachdem eine Einsprache des ersten Lieferanten beim Regierungsstatthalteramt Biel abgelehnt wurde, konnte man die Verträge Ende Januar 2014 unterzeichnen und ab August begann man mit dem Umbau der Fahrzeuge. Dieser ist nun abgeschlossen, auch die beiden Automaten an den Stationen Bahnhof Süd und Postplatz wurde in den letzten Tagen montiert und getestet.

Von langer Hand geplant

Der Beitritt zum Libero-Tarifverbund war schon seit 2011 in Planung, die Kantone Solothurn und Bern machten entsprechenden Druck. Für den BGU war der Beitritt rasch beschlossene Sache, die Verkehrsbetriebe Biel waren sich der Sache nicht so sicher, Libero beizutreten. Erst das Zugeständnis, eine eigene Stadtzone zu erhalten, brachte den Erfolg. «Die Kunden sind die Gewinner», sagt Zumstein. Denn noch nie war die Benutzung des öffentlichen Verkehrs in einem so grossen Raum so einfach. «Jetzt kann man beispielsweise ein Billett vom Grenchenberg bis auf den Gurten lösen, egal, welche öffentlichen Verkehrsmittel man dazu benutzt.»

«Klare Vorteile für Grenchen»

Und für Grenchen bringe die neue Tarifstruktur klare Vorteile (siehe separater Artikel). Aber es gebe auch Verlierer: Für Fahrgäste aus Pieterlen, Magglingen oder anderen Gemeinden, welchen eine zusätzliche Zone verpasst wurde, wird die Fahrt in die nächste Stadt teurer.

Änderungen beim BGU: Was gibt es sonst noch Neues?

Eine Taktlücke wird geschlossen: Die Linie 21 Lingeriz– Grenchen Süd–Gummenweg wird von Montag bis Freitag zwischen 6 Uhr und 19 Uhr im Viertelstundentakt geführt.

Ein neues Informationssystem mit Doppelbildschirmen wurde in allen Bussen installiert und ist ab Montag in Betrieb.

Neu werden auch alle Haltestellen akustisch angekündigt.

Der Grenchenberg ist neu ebenfalls im Libero-Tarif enthalten: Zwischen Weihnachten und Neujahr, in den zwei Wochen Sportferien, fünf Wochen Sommerferien und drei Wochen Herbstferien besteht ein tägliches Angebot nach Fahrplan. Der Fahrpreis erhöht sich wegen der zusätzlichen Zone von 8 Franken auf Fr. 8.80. (om)

Aber spült das auch mehr Geld in die Kasse? «Wir werden auch in Zukunft als öffentlich rechtliches Unternehmen keinen Gewinn und keinen Verlust einfahren», erklärt der BGU-Chef. Aber: «Wenn es in Bern eine ‹Krise› gibt, beispielsweise der SCB früh aus den Playoffs ausscheidet oder YB schlechte Besucherzahlen verzeichnet, dann spüren wir das.» Denn die gesamten Einnahmen gehen in den grossen Libero-Topf und wird dann prozentual an die 16 Partner ausgeschüttet.

Unter dem Strich erwartet Hansruedi Zumstein etwas mehr Aufwand und etwas mehr Ertrag. Und da die Passagierzahlen des BGU stetig steigen, braucht es auch neues Material, neue Busse, um den Anforderungen zu genügen.

Am Montag werden Mitarbeiter des BGU beim Bahnhof Süd und beim Postplatz Flyer mit Infos zu Libero und kleine Aufmerksamkeiten verteilen.