Grenchen

«Bewährtes pflegen, Neues wagen» — Das Kleintheater feiert 40-Jahr-Jubiläum

Rolf Beyeler ist seit der Gründung Vorstandsmitglied, Marisa Thöni ist die aktuelle Präsidentin des Vereins.

Rolf Beyeler ist seit der Gründung Vorstandsmitglied, Marisa Thöni ist die aktuelle Präsidentin des Vereins.

Der Verein Kleintheater begeht am Sonntag das 40-Jahr-Jubiläum. Gefeiert wird das Ereignis mit diversen Events.

Am kommenden Sonntag startet das Kleintheater ins Jubiläumsjahr. Gefeiert wird das 40-jährige Bestehen des Vereins. Um 17.00 Uhr tritt das Duo Les Diptik mit dem Programm «Hang up» auf, einem absurden Gedicht, das irgendwo zwischen der Welt der Clowns und der Welt des Theaters anzusiedeln ist. Präsidentin Marisa Thöni zum ungewohnten Vorstellungstermin: «Zuerst einmal sind wir total überzeugt von den Künstlern. Sie bieten ein 70-minütiges Spektakel ohne Pause. Uns schien deshalb der frühe Sonntagabend passend für diese Vorführung.» Die Reaktionen darauf seien auch durchaus positiv ausgefallen.

Das Kleintheater würzt dieses Jubiläumsjahr mit weiteren Darbietungen. So wird man am Grenchner-Fest mit einer «Fahr-Bar» – natürlich im Stil der 50er- Jahre – präsent sein. Dabei werden nicht nur Getränke kredenzt, sondern mit «Mattermania» tritt eine Gruppe auf dem Marktplatz (31. August und 1. September) mit originellen Versionen von Liedern des unvergessenen Troubadours auf. Das eigentliche Jubiläumsfest wird am 22. September (ab 17.00 Uhr) über die Bühne gehen. Gleich vier Produktionen (Flurin Caviezel, fe-m@il, Gilbert und Oleg, Vera Bauer) werden zu bestaunen sein. Der Clou dabei: Das ganze Paket gibt es zum normalen Eintrittspreis (25 Franken), ausser man will von sich aus mehr bezahlen. «Wir wollen uns mit diesem Fest auch bei unserem treuen Publikum und der Stadt, die uns unterstützt, bedanken.

Es begann vor 43 Jahren

Die Geschichte des Kleintheaters beginnt schon 1975. Im Untergeschoss des alten Migros am Marktplatz in Grenchen begannen einige junge engagierte Grenchner der alternativen Theaterszene erste Produktionen zu zeigen. Initiator Werner Gusset wurde von der örtlichen Kulturkommission (KUKO) in diesem Bestreben voll unterstützt. Zur ersten Vorstellung mussten die Zuschauer die Stühle selbst mitbringen, die gleichzeitig auch als Eintrittspreis angesehen wurden, falls sie dem Theater als Geschenk übergeben wurden. Später konnten die alten Kinosessel vom «Palace» übernommen werden, als dieses umgebaut wurde.

Das Gerangel um eine teils von der Gemeinde subventionierte Halbtagsstelle führte dann zur Gründung eines Trägervereins. Dieser wurde am 17.8.1978 ins Leben gerufen. Als erste Präsidentin amtete Brigitte Stettler. Die Gemeinde unterstützte das Projekt von Beginn weg, allerdings hegte der bürgerlich dominierte Gemeinderat gewisse Befürchtungen, das Programm könnte etwas «linkslastig» sein, weshalb im Vorstand des Vereins jeweils auch ein FDP-Parlamentarier Einsitz nahm. Rolf Beyeler, Urgestein des Vereins und in den Jahren 1985 bis 2001 auch dessen Präsident, relativiert: «Das Programm war durchaus ausgewogen. Namen wie Swiss Dixie Stompers, Bill Ramsey, Fredy Lienhard, Trudi Gerster oder Andreas Vollenweider sprachen eine breite Bevölkerungsschicht an.»

Das Kleintheater ist in seiner 40-jährigen Geschichte ein paar Mal umgezogen. Vom alten Migros in den Keller des Restaurants Mazzini in den Eusebiushof und schliesslich 1993 in die Aula des Schulhauses IV. Zu Beginn des Jahrtausends stand das Weiterbestehen des Vereins auf der Kippe. Susanne Hofer und Yvonne Kieliger sorgten aber für neuen Schwung, der von den Nachfolgenden im Präsidentenamt, Christian Frey und Marisa Thöni (seit 2012), erfolgreich aufgenommen wurde.

Man hatte irgendwie den Riecher

Der Verein machte in all den Jahren auch immer wieder ausserhalb des eigentlichen Programms auf sich aufmerksam. So wurde auf dem Marktplatz 1987 ein Kleintheaterfest zelebriert, der Schweizerische Kleintheatertag (13. September) wurde mit verschiedenen Events gefeiert; eine fruchtbare Zusammenarbeit ergab sich auch mit der Triennale (Rigolo, Pedro Lenz), Kindernachmittage standen auf dem Programm. Zudem wurden lokale Künstler in den Spielplan eingebaut: Bettlach Singers, Orsani, Adele Ghezzi, Helga van Riet, Barfusszone, Tabea Wullimann.

Schliesslich hatten die Verantwortlichen oft auch den Riecher für kommende Publikumsrenner. So trat der unverwüstliche Konstantin Wecker bereits 1980 in Grenchen auf, Dodo Hug 1982, Gardi Hutter 1985, Lorenz Keiser 1989, Ursus und Nadeschkin 1994 oder Massimo Rocchi 1996.

Der Verein Kleintheater, der 2008 mit dem Anerkennungspreis der Stadt geehrt wurde, kann also auf eine bewegte Geschichte zurückschauen, und die Vorzeichen stehen gut, dass eine der Konstanten in Grenchens kulturellem Leben auch weitere Jubiläen wird begehen können.

Infos und Ticketing: www.kleintheatergrenchen.ch

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