Leuzigen

Bevölkerung übergibt 2670 Unterschriften für den Erhalt der Post

Auch die Post in Leuzigen soll geschlossen werden, doch die Bevölkerung wehrt sich.

Auch die Post in Leuzigen soll geschlossen werden, doch die Bevölkerung wehrt sich.

Die Poststelle in Leuzigen soll geschlossen, eine Agentur oder ein Hausservice soll stattdessen eingeführt werden. Dagegen wehrt sich die Bevölkerung. An der Budgetgemeindeversammlung kämpften die Einwohner für ihre Post.

204 Personen nahmen in Leuzigen an der Budgetgemeindeversammlung teil, denn es waren Informationen über die geplante Schliessung der Poststelle angekündigt. Auch in Leuzigen wird von der Post mit der Wirtschaftlichkeit argumentiert. Die Nachfrage in der Seeländer Gemeinde sei schlicht nicht gross genug.

Für Leuzigen sind daher zwei mögliche Szenarien vorgesehen. Entweder wird die Poststelle in ein bestehendes Geschäft integriert. Das bedeutet, dass die Post mit dem lokalen Gewerbe eine Partnerschaft eingeht. In Leuzigen käme hierfür die Landi, die «Chäsi» oder eventuell die Gemeindeverwaltung infrage. Sollte keine Einigung mit einer sogenannten Partneragentur zustande kommen, bleibt noch die Möglichkeit des Hausservice. Dieser sieht vor, dass der Briefträger als eine Art mobile Poststelle agieren soll.

«Wichtiger Treffpunkt»

Auf Gegenliebe stiess bei den Leuzigern keine der beiden Varianten. Denn man ist gewillt für die Postfiliale - und für das Team rund um Posthalter Martin Gerber - bis zum Schluss zu kämpfen. Stefan Schulz und Marcel Bollhalder hatten als Vertreter der Post somit einen schweren Stand bei der Bevölkerung. Matthias Hochhut von der «IG für üsi Post» betonte, dass die Poststelle ein wichtiger sozialer Treffpunkt für das Dorf sei und daher über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus geschaut werden müsse.

Ausserdem monierten vor allem ältere Bürger, dass sie auf eine kompetente Unterstützung bei der Abwicklung der Postgeschäfte angewiesen seien. Was mit Blick auf eine Auslagerung in Detailhandelsbetriebe stark angezweifelt wurde. Hochhut überreichte den Postvertretern am Ende eine Petition zur Erhaltung der Post, welche von 2670 Personen unterschrieben worden war – weit mehr als Leuzigen Einwohner hat - was die überregionale Bedeutung der Filialen verdeutlichen soll.

Selbst der Gemeinderat von Lüsslingen-Nennigkofen schaltete sich in die laufende Debatte ein, indem er sich mittels eines offenen Briefs an die Leuziger wandte und diese bat sich für ihre Poststelle einzusetzen. Momentan befindet sich die Post noch im Dialog mit dem Gemeinderat sowie möglichen Partneragenturen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Sollte das Resultat nicht den Erwartungen der Gemeinde entsprechen, kann der Gemeinderat als letzte Möglichkeit eine Rekurskommission anrufen. Ein verschwindet kleiner Hoffnungsschimmer verbleibt den Leuzigern also noch, denn auf die Frage ob eine Rekursmassnahme jemals erfolgreich verlaufen sei erklärte Schulz: «Ja, es gab schon welche.»

Defizitäres Budget

Das Budget von Leuzigen weist einen Aufwandüberschuss von rund 495 000 Franken auf. Somit schrumpft das Eigenkapital – zusammen mit dem Aufwandüberschuss gemäss Budget 2016- von aktuell 3,44 Mio. Franken auf noch 2,71 Mio. Franken. Der Handlungsspielraum für die Gemeinde sei sehr eng, denn die meisten Ausgaben seien gebundene Kosten, sagte Gemeinderat Marc Dincer an der Budgetversammlung vom Donnerstag.

Zwar bestehe in gewissen Bereichen theoretisch noch etwas Luft nach oben - doch zu welchem Preis? «Wenn wir das ausnützen, dann können wir uns nach und nach von Dienstleistungen wie der Jungbürgerfeier, der Bundesfeier und der Leuziger Zytig verabschieden», erklärte Dincer.

Steuererhöhungen seien für das kommende Jahr zwar keine vorgesehen, aber um eine Gebührenerhöhung beim Abfall werde man in absehbarer Zukunft kaum herumkommen. Andernfalls werde die Spezialfinanzierung Abfall gemäss Finanzplanung im Jahre 2021 mit einem Minus von rund 53 000 Franken zu Buche schlagen.

Willy Affolter unterstellte dem Gemeinderat, die Bevölkerung zu täuschen. «Jedes Jahr heisst es wieder, dass die Gebühren erhöht werden müssen, im Endeffekt sind das Steuererhöhungen.» Er werde daher im kommenden Jahr eine Senkung des Steuerfusses beantragen, so Affolter weiter. Fragen warf zudem ein Betrag von 86'500 Franken bei der Spezialfinanzierung Elektrizität auf.

Dieser kommt infolge der Kündigung des Pachtvertrages mit der Gebnet AG zustande. Denn zwischen den Vertragsparteien laufen Verhandlungen betreffend die Austrittsleistungen. «Wir sind der Überzeugung, dass alles korrekt abgelaufen ist und wir der Gebnet AG keinen Rappen schulden», sagte Dincer. Der Betrag wurde daher in einer Risikoeinschätzung berechnet und als Rückstellung für allfällige Prozessverhandlungen berücksichtigt. Das Budget wurde mit nur einer Gegenstimme genehmigt.

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