Bettlacher Fasnacht
«Bettle-Gwösch» begeistert mit vielen witzigen Einfällen und einer Zaubershow

Die magische Jahrzahl 13 erwies sich fürs Gwösch als unerwartet harter Brocken. Das Publikum erschien so zahlreich, als wenn es in Bettlach keine Sportferien gäbe.

Daniela Deck
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Reini Seeberger
26 Bilder
Reini Seeberger
Philipp Schluep führte durch den Abend
v.l. Philipp Schluep, Reini Seeberger
v.l. Philipp Schluep, Reini Seeberger
Moderation mit Philipp Schluep
Evelyne Christen
Evelyne Christen
Evelyne Christen
Die Zuschauer sind fasziniert
Zaubershow mit Ron Bertolla
Zaubershow mit Ron Bertolla
Zaubershow mit Ron Bertolla
Bettle-Gwösch 2013
Zaubershow mit Ron Bertolla
Krachwanzen
Krachwanzen
Krachwanzen
Krachwanzen
Applaus für die Auftritte
Roman Weber
Roman Weber
Marco Christen, eine Klasse für sich
Philipp Schluep erzählt eine "schweinische" Geschichte
Das Gwösch-Team 2013 bedankt sich.
Das wars!

Reini Seeberger

Hanspeter Bärtschi

Der fasnächtliche Sketchabend legte einen verhaltenen Start hin, steigerte sich im Lauf des Abends dann aber zur gewohnten Hochform.

Wer hätte gedacht, dass Gemeinderat Thomas Steiner ein Lockenkopf derart gut steht? Oder dass George Clooney die Frisur von Vizegemeindepräsi Joël Mussilier abgekupfert hat? Reini Seeberger alias Agentur Zwahlen - spezialisiert auf Wahlen und Qualen - bewies das anhand der Leinwand. Diese ist seit dem Neustart des Gwöschs vor sieben Jahren fast zur Hauptdarstellerin avanciert. Wenn Seeberger die Leinwand nicht gerade dazu benützte, um Angela Merkel ein opulentes Decolleté anzuhängen, wurde darauf das Geschehen auf der Bühne live übertragen. Dagegen musste das Publikum diesmal auf traditionelle Fasnachtsvergnügen wie Schnitzelbänke verzichten.

Zum Ausgleich verfügt das Bettle Gwösch über geschätzte Traditionen, die an der Fasnacht nirgendwo sonst zu finden sind. Dazu gehört Ron Bertollas Zaubershow. Er liess Biergläser verschwinden, Kerzen wandern und trickste dem Gemeindepräsidenten das Foto von dessen Erzrivalen an. Nach seiner zerknirschten Beichte über den spitalreifen Absturz einer schwebenden Jungfrau an einer Talentshow, holte Bertolla ein Bettlacher Fasnachtsurgestein aus dem Publikum auf die Bühne. Noldi Messmer sollte verschiedene Getränke zu sich nehmen, die der Zauberer mithilfe von Telepathie identifizieren wollte - und konnte.

Vom Hundemagen zur Märchentante

Evelyne Christen erwies sich keineswegs als die "Quotenfrau", als die sie sich vorstellte. Ihr Sketch über das Leben eines Hundebabys kam gut an. Künftig wird sich kein Gwösch-Besucher mehr wundern, sollte sich ein Ikea-Schrank beim Zusammenbauen widerborstig zeigen. Denn schliesslich könnte das gesamte Inventar des schwedischen Möbelgeschäfts durch den Hundemagen gewandert sein... Roman Weber hatte sich als Alleinunterhalter hingegen ein bisschen viel vorgenommen. Seine Bemerkung, dass jeder in der Büelenhalle die Tour de France gleich oft gewonnen hat wie Lance Armstrong, nämlich gar nicht, fand zwar ein Echo, aber nicht genug für die erfolgsgewohnte fünfköpfige Gwösch-Leitung (Marco "Copin" und Thomas Christen, Reini Seeberger, Philipp Schluep und Ramon Zumstein). Weber machte das Beste aus der schwierigen Situation und beglückwünschte die Zuschauer zum umweltschonenden Energiesparen beim Applaus.

Philipp Schluep holte für die dritte Auflage als Moderator seine Erfolgsfigur der ersten Stunde aus der Trickkiste: Trudi Gerster. Auf einem Stuhl an der Kante der Bühne balancierend, erzählte er das Märchen vom Sauhund, und alles war begeistert. Ebenso gekonnt zog Schluep als gebrechlicher Oberländer Bauer einen Staubsaugervertreter durch die Gülle und bewarb sich trotz Sprachfehler als Radiomoderator. Die Krachwanzä kamen als Schotten und passend zu ihrer prächtigen Hallendekoration, der Woodstock-Kulisse, ungewohnt friedlich. Das heisst aber nicht, dass ihre Höllefuer Freitagnacht eine zahme Sache ist.

Carlo Janka muss auf dem Grenchenberg in die Skischule

Spasstalent Copin hatte das Publikum mit seinem Benissimo vom ersten Moment an fest in der Hand. Er verpasste Christoph Mörgeli einen Zürcher Museumspass als Losgewinn und schickte Fussballtrainer Latour bei den Gastgebern des Gwöschs, dem FC Bettlach, in den Kochkurs, nachdem dieser die Schweizer Nati mit den Deutschen verwechselt hatte. Dem Gemeindepräsidenten liess Copin die Wahl zwischen der Million und dem Hockeyplatz, worauf dieser schlau den Fünfer und das Weggli verlangte, um mit der Million den Hockeyplatz aufzubessern. Carlo Janka schickte Copin auf den Grenchenberg in die Skischule, zur Strafe dafür, dass er beim Super-G erst nach Einbruch der Dunkelheit ins Tal gekommen war. Walti aus dem Publikum erhielt schliesslich unter allgemeinem Jubel eine CD von Vreni Schneider.

Auch die Werkhofangestellten Thomas Christen und Ramon Zumstein machten als "Müllionäre" zwei witzige Figuren. Gekonnt unappetitlich analysierten sie den Inhalt von Ghüdersäcken. Als sie aber vom Fund einer Parkscheibe auf eine intelligente, wenn auch des Parkierens nicht mächtige Singlefrau schlossen, gab es Protest. Die Spötter wurden vom weiblichen Publikum mit einem Hagel von Unterwäsche eingedeckt. Die Bühnenhelfer fanden dafür durchaus Verwendung: zum Finale zeigten sie wie gut ihnen die Dessous standen. Zuvor aber ging die militärische Schlussnummer fulminant über die Bühne. Kommandant Copin inspizierte das vertrottelte Muttersöhnchen Philipp Schluep und den versoffenen, frechen Walliser Reini Seeberger.

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