Schutzedikt
Bettlacher und Grenchner Kirche stehen neu unter Denkmalschutz

Der Regierungsrat hat die beiden reformierten Kirchen von Grenchen (Zwinglikirche) und Bettlach (Markuskirche) unter Denkmalschutz gestellt. Die Unterschutzstellung bedeutet, dass die Eigentümer verpflichtet sind, die Baudenkmäler zu unterhalten.

Andreas Toggweiler
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Stehen beide unter Denkmalschutz: Die Markuskirche in Bettlach und die Zwinglikirche in Grenchen.

Stehen beide unter Denkmalschutz: Die Markuskirche in Bettlach und die Zwinglikirche in Grenchen.

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Die reformierte Markuskirche wurde 1958/59 im oberen Dorfteil von Bettlach erbaut. Entworfen hatte sie der Architekt Charles Kleiber jun. aus Moutier, der bereits 1950 ein erstes Projekt für Bettlach verfasst hatte. Dies ist dem Regierungsratsbeschluss zur Unterschutzstellung zu entnehmen, der seinerseits den Architekturhistoriker Michael Hanak, («Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980») zitiert. Die Kirche fällt mit ihrer dreieckigen Gestalt auf: Das hohe Satteldach mit vortretendem Dachrand, das nahe an den Erdboden heranreicht, erinnert an ein Zelt – nicht unähnlich der später gebauten «Eismeer-Kathedrale» in Tromsö (Nor).

An der Westseite schliesst der eingeschossige Trakt mit dem Pfarrsaal an. Aussergewöhnlich seien auch die Materialien: Das Dach ist mit roten, spitzen Biberschwanzziegeln bedeckt, der breite Dachabschluss aber mit Holzschindeln verkleidet, das Giebelfeld und der Sockelbereich sind in Sichtbeton gehalten. Die «stimmige Raumatmosphäre» basiere zudem auf der Materialisierung mit Sichtbetonwänden und Holzdecke, die durch den Bodenbelag aus Jurakalksteinplatten und die von Max Brunner gestalteten Glasfensterflächen ergänzt werden.

Wie es zur Unterschutzstellung der beiden, doch recht unterschiedlichen Gebäude kam

«Wir sind nach dem Verschönerungsprojekt für den Innenraum der Zwinglikirche mit einer entsprechenden Anfrage an den Kanton gelangt und sind dabei auf offene Ohren gestossen», erklärt Rolf Enggist, Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach.

Dies bestätigt der kantonale Denkmalpfleger Benno Mutter. «Die Kirchgemeinde fand bei uns offene Türen, denn beide Kirchen sind gute zeittypische Vertreterinnen für Gebäude ihrer Epoche». So sei der Schutz der Gebäude in der Denkmalpflegekommission nicht bestritten worden. (ato)

Weiterer künstlerischer Schmuck findet sich an der Eingangsfassade in Form von Betonreliefs von Max von Mülenen. Sowohl aussen wie innen kann der konstruktive Aufbau abgelesen werden. Von hoher Qualität sei auch die unmittelbare Umgebung mit dem freistehenden Glockenturm. Der Architekt Kleiber hat auch die reformierte Kirche in Welschenrohr gebaut. Die ebenfalls moderne St. Klemenz-Kirche in Bettlach (1966–69) steht bereits unter Denkmalschutz.

«Anspruchsvoller Kirchenbau»

Die neuklassizistische Grenchner Zwinglikirche wurde nach kriegsbedingter Verzögerung 1922–1923 nach dem Entwurf von Karl Indermühle erbaut. Der renommierte Berner Architekt hatte bereits 1914 den engeren Wettbewerb gewonnen. «Die Zwinglikirche gehört – neben der reformierten Kirche in Solothurn und der Friedenskirche in Olten – zu den anspruchsvollsten Kirchenneubauten aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen», schreibt der Regierungsrat. Sie ist in ihrer ursprünglichen Bausubstanz sehr gut erhalten. Spätere Veränderungen betrafen das ursprünglich mit Ziegeln und heute mit Eternitschiefer gedeckte Dach. Dazu kommen spätere Annexbauten (z. B. Zwinglihaus), die allerdings architektonisch weniger bedeutsam seien.

Im Inneren teilen Rundbogenarkaden über kolossalen toskanischen Säulen die Halle in drei Schiffe. «Der lichtdurchflutete Raum wird von den qualitätvollen, in Holz konstruierten Emporen, der offenen Balkendecke und der sich im Osten befindenden Predigerkanzel und Orgel (1926) geprägt.» Kunstmaler Max Brunner (1910–2007) schuf in den 1960er-Jahren die qualitätvollen Glasmalereien für die drei Rundfenster der Westfassade.

Zum Unterhalt verpflichtet

Mit dem Schutzedikt geht die Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach auch Verpflichtungen ein. «Die Eigentümer sind verpflichtet, das Gebäude so zu unterhalten, dass der Bestand gewahrt bleibt», zitiert Denkmalpfleger Benno Mutter aus der Kulturgüterverordnung. Auch müssen bauliche Veränderungen von der Denkmalpflege genehmigt werden. Im Gegenzug fliessen bei Restaurierungsarbeiten finanzielle Beiträge des Kantons.

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