Grenchen
Bettlacher Uhrenhersteller Jowissa lässt neuen Hauptsitz entstehen

Die Firma Jowissa plant einen Neubau für ihren Hauptsitz. Produktion, Lager und Administration werden dorthin verlegt. VOI Migros Partner wird sich ebenfalls im Gebäude einmieten.

Oliver Menge
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Illustration des geplanten Jowissa-Neubaus in Bettlach.

Illustration des geplanten Jowissa-Neubaus in Bettlach.

zvg

Der Uhrenhersteller Jowissa erstellt auf dem Gelände direkt neben dem aktuellen Standort ein neues Gebäude. Und ein Wunsch der Bettlacher Bevölkerung geht in Erfüllung, denn im neuen Gebäude wird auch ein VOI-Partner Laden der MigrosPlatz finden.

Jowissa, die ihren Hauptsitz im neuen Gebäude im ersten Obergeschoss unterbringen will, wurde von der Migros Aare kontaktiert, die ihre Ladenkette in der Region ausbauen möchte. Geplant ist im Erdgeschoss im Süden ein Laden mit rund 700 Quadratmetern Bruttofläche, davon 450 Quadratmeter Verkaufsfläche und 20 Parkplätzen. Die Genossenschaft Migros Aare wird ein langfristiges Mietverhältnis eingehen.

Nicht das erste Projekt

Jowissa hatte bereits früher einen Neubau auf dem Gelände geplant. «2007/2008 machte uns die Krise aber einen Strich durch die Rechnung und wir mussten das Vorhaben verschieben», erklärt Simon Wyss, der Sohn von CEO Leander Wyss, der die Firma in zweiter Generation leitet. 2010 begann man dann mit der Planung des vorliegenden Bauvorhabens.

Geschichte: Vom Atelier zur Uhrenfabrik

Josef Wyss gründete Jowissa als junger Uhrmacher im Jahre 1951. Geboren und aufgewachsen in Bettlach gelangte er bereits früh mit der Uhrmacherei in Kontakt. Er erlernte den Uhrmacherberuf in den frühen 40er Jahren. Ihre Anfänge nahm Jowissa an der Hasenmattstrasse 29 in Bettlach Josef Wyss Ehefrau Mathilde und die fünf gemeinsamen Kinder waren von Beginn weg eine Stütze im Betrieb. Das Unternehmen wuchs schnell heran. Dadurch wurde bereits Ende der 50er Jahre die Errichtung eines Fabrikationsgebäudes an der Hasenmattstrasse 31 nötig. 20 Jahre später wurde ein noch grösserer Geschäftssitz an der heutigen Adresse bezogen. In der Zwischenzeit wuchsen die Kinder von Josef Wyss in die zentralen Rollen des Betriebs hinein, während er sich selber vermehrt auf seinee Passion, die Lokalpolitik, zu konzentrieren begann. Wyss war während 25 Jahren Präsident der Gemeinde Bettlach. Sein Sohn Leander Wyss übernahm Anfang der 80er Jahre die Geschäfte und führt den Betrieb noch heute.Jowissa führt rund 450 verschiedene Uhren in der aktuellen Kollektion, die meisten davon mit Quarzwerken, preislich zwischen 100 Franken und 1000 Franken. Der grösste Teil der Uhren kostet weniger als 500 Franken. 50% der Uhren werden im Ausland verkauft, insbesondere Russland, im asiatischen und arabischen Raum. In der Schweiz konzentriert sich Jowissa insbesondere auf Touristenzentren wie zum Beispiel Luzern und Interlaken, wo die Firma strategische Präsenzen etabliert hat, um die dortigen Touristenströme abzufangen. 60-65% der Modelle sind Damenuhren, einen Grossteil bezeichnet man als sogenannte «Dress-Watches», man wechselt die Uhr entsprechend passend zum Kleid. (om)

Allerdings musste das Projekt zuerst einige Hürden nehmen, bevor es nun im Frühling zur Realisierung kommt: Für den Neubau mussten zuerst zwei Landparzellen zusammengelegt werden, die sich in unterschiedlichen Bauzonen befanden. In der einen waren 40% Grünfläche vorgeschrieben. Der Bettlacher Gemeinderat räumte diese Hürde bereits Anfang Jahr aus dem Weg und stimmte einer Umzonung zu, die vom Kanton ebenfalls bewilligt wurde.

Weiter hatte man festgestellt, dass der Baugrund nicht sehr stabil ist und änderte das Bauprojekt entsprechend: Statt eines Untergeschosses gibt es neu deren zwei. «Wir müssen dadurch weniger pfählen und haben ein stabileres Fundament», so Wyss.

Nun steht dem Neubau nichts mehr im Weg, bis dato sind auch keine Einsprachen gegen das Projekt eingegangen, wie Bauverwalter Titus Moser auf Anfrage bestätigt. Die Baukommission erteilte gestern denn auch die definitive Baubewilligung.

Neue Arbeitsabläufe

Der Neubau soll also südlich des jetzigen Sitzes realisiert werden, man wird Produktion, Lager und Administration dorthin verlegen. Neu wird dem Uhrenhersteller eine Arbeitsfläche von rund 800 Quadratmetern zur Verfügung stehen, dazu ein Lagerbereich derselben Grösse im Untergeschoss. Zwei noch bestehende Aussenlager werden aufgehoben und im Neubau integriert. Wyss: «Das Lager wird automatisiert: Statt dass der Mitarbeitende zum Lager geht, um Bestandteile zu holen, ruft er sie von seinem Arbeitsplatz auf und die entsprechenden Regale kommen über ein vertikales Liftsystem direkt zu ihm. Der Neubau bringt also eine Modernisierung mit sich, die auch die Art zu arbeiten, stark verändern wird».

Im Innenausbau ist das neue Jowissa-Geschoss ohne feste Raumabtrennung gestaltet. «Wir wollen uns die nötige Flexibilität bei der Raumaufteilung bewahren und die Produktion für Besucher transparent inszenieren », erklärt Wyss. In Bettlach arbeiten momentan 14 Personen.

Zwei der insgesamt fünf Stöcke befinden sich unter Boden, der mittlere Stock ist im Süden ebenerdig, auf der Nordseite unter Tage. Der Eingang zu VOI wird sich im Süden im Erdgeschoss befinden, der Eingang zu Jowissa im Norden, ebenfalls ebenerdig. «Wir erreichen so eine klare Trennung», sagt Wyss.

Neue Mietwohnungen

Im Obergeschoss über der Jowissa entstehen attraktive Attikawohnungen in verschiedenen Grössen. «Wir werden keine Wohnungen im Hochpreis-Segment anbieten, sondern Mietwohnungen zu normalen Preisen», so Wyss. Im ersten Untergeschoss wird unter dem Aussenparkplatz der VOI eine Einstellhalle mit 14 Plätzen gebaut.

Der alte Sitz der Firma soll sanft renoviert und vermietet werden. Der Spatenstich wird im März nächstes Jahr erfolgen, bereits Ende Jahr will die Migros eröffnen. Jowissa selber wird erst im Frühjahr 2015 umziehen. Im Zug des Neubaus will die Einwohnergemeinde Bettlach vor dem Neubau ein Trottoir realisieren, das bisher fehlte. Das entsprechende Budget wurde an der Gemeindeversammlung genehmigt.

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