Jowissa

Bettlacher Uhren «fliegen» in alle Welt

Das Führungsduo der Bettlacher Uhrenfabrik Jowissa: Leander Wyss und sein Sohn Simon Wyss. hansjörg sahli

Das Führungsduo der Bettlacher Uhrenfabrik Jowissa: Leander Wyss und sein Sohn Simon Wyss. hansjörg sahli

Die traditionsreiche Uhrenherstellerin Jowissa ist gut ins neue Geschäftsjahr gestartet. Der Absatz stieg in den ersten drei Monaten «signifikant». Der Platz wird knapp, und Jowissa plant deshalb einen Neubau.

Der Konkurrenzkampf im Uhrengeschäft ist hart, insbesondere im Einsteigersegment mit Verkaufspreisen zwischen 100 und 400 Franken. Da braucht es einen langen Schnauf, um erfolgreich gegen nationale und internationale Mitbewerber bestehen zu können. Und den hat die Familie Wyss in Bettlach. Seit 61 Jahren stellt die in der Branche als klein geltende Jowissa AG Uhren her (siehe Kasten). «Wir sind gut unterwegs», erklärt Simon Wyss, designierter Geschäftsführer in dritter Generation. Über die vergangenen drei Jahre habe man den Absatz jährlich zweistellig steigern können und wird so demnächst das erste Mal 100000 Uhren im Jahr umsetzen. Und der Start in das laufende Jahr ist geglückt. «In den ersten drei Monaten konnten wir das Wachstum noch erhöhen», sagt Simon Wyss, ohne allerdings Umsatzzahlen zu nennen.

Jowissa ist kein gewöhnlicher Uhrenhersteller. «Wir arbeiten mit Termineuren in der näheren Region zusammen», erläutert der 29-jährige Unternehmer. Der Termineur ist in der Regel ein unabhängiger Kleinstunternehmer, der Uhren für einen Betrieb zusammensetzt, der ihm die einzelnen Komponenten liefert. Den Fremdfertigungsanteil beziffert er auf rund 70 Prozent. Dieser Anteil werde sinken, weil man künftig die Montage der Uhren vermehrt selbst «inhouse» machen werde. Dies erklärt den relativ tiefen Personalbestand. Jowissa beschäftigt 13 Angestellte. Durch die Produktionsintegration werde diese Zahl aber tendenziell steigen. In diesem Zusammenhang ist auch der geplante Neubau in Bettlach zu sehen (wir berichteten). Die Nutzfläche werde sich inklusive Lagerraum von heute 400 auf rund 1000 Quadratmeter mehr als verdoppeln. Jowissa hofft, das neue Gebäude bereits Ende 2013 beziehen zu können.

China steht top

Den Exportanteil beziffert Wyss auf rund 40 Prozent. Wichtige Märkte sind Russland, die USA, Japan und Deutschland. Top auf der Interessenliste sei China, ergänzt Leander Wyss (Vater von Simon), der den Uhrenbetrieb Anfang der 80er-Jahre übernahm und heute noch führt. Dort, in der Nähe von Beijing, hat Jowissa bereits zwei Image-Präsenz-Stellen in Einkaufszentren eröffnet. «Diesen Markt bearbeiten wir gezielt auch in der Schweiz. Die vielen chinesischen Touristen sind ein wichtiges Kundensegment», sagt der 63-jährige Patron. Dazu eröffnete Jowissa in Luzern einen eigenen Laden, eine weitere Präsenz ist nun in Interlaken geplant. Insgesamt verkaufen die Bettlacher ihre Uhren an über 200 Verkaufspunkten in der Schweiz.

Um als kleiner Betrieb im Markt bestehen zu können, macht der Firmenchef folgende Faktoren geltend: «Wir haben die Kosten im Griff und verfügen über eine flexible Produktion und damit über eine hohe Lieferbereitschaft.» Produktmässig sei es gelungen, eine eigene Identität aufzubauen. Die Marke Jowissa besitze einen sehr hohen Wiederkennungswert, sagt Leander Wyss, der persönlich für das Design der Uhren besorgt ist. Als Beispiele nennt er das facettierte Glas, welches die Uhr bis an den Rand abdeckt, oder den Einsatz verschiedenster Farben. «Wir stellen individuelle und gleichzeitig erschwingliche Uhren her.»

Höhere Kosten befürchtet

Insgesamt arbeitet Jowissa mit rund 30 Grundmodellen, die aber in 350 Varianten hergestellt werden. Um zu wissen, welche Ausführungen an der Verkaufsfront gefragt sind, hat Betriebswirtschafter Simon Wyss ein spezielles Software-Programm in Auftrag gegeben. Basierend auf unzähligen Marktdaten (Verkauf, Farbe, Armband, Zifferblatt oder Verkaufsorte) ist jederzeit ersichtlich, welche Ausführungen am Markt ankommen und welche nicht. «Das ermöglicht uns auf einfache Art und Weise, die Produktion marktgerecht zu steuern.»

Weniger als andere kleinere Uhrenhersteller ist Jowissa von der Absicht der Swatch, die Lieferungen von Uhrwerken an Dritte drastisch einzuschränken, betroffen. «Der Anteil an Uhren mit mechanischen Uhrwerken liegt unter 10 Prozent. Über 90 Prozent sind Quarzuhren.» Dagegen sitzen die Bettlacher im selben Boot beim Thema «Swiss made». Man sei Mitglied der IG Swiss Made, die dafür kämpft, dass Uhren das Swiss-made-Label tragen dürfen, wenn 50 Prozent der Herstellkosten in der Schweiz anfallen. Bundesrat und Nationalrat wollen die Grenze auf 60 Prozent erhöhen. Nach Auffassung der IG führt eine 60-Prozent-Grenze zu höheren Kosten für Firmen und Konsumenten, jedoch nicht zwingend zu einem qualitativen Mehrwert der Produkte. Die Würfel sind aber noch nicht gefallen. Simon Wyss: «So oder so. Unser Ziel bleibt es, das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln.»

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