«Ich bin schon seit sehr langer Zeit beim Grenchner Weihnachtsmarkt mit dabei», erzählt Noemi Ingold, «Ich spiele das Cello in der Band, welches die Kinder bei ihrer Aufführung begleitet. Da ich gerne mit Kindern arbeite und auch den Markt sehr gerne mag, habe ich beschlossen, der Stadt Grenchen etwas zurück zu geben.»

Die Maturandin beschloss, als ihre Maturaarbeit ein Kindermusical für den diesjährigen Weihnachtsmarkt zu schreiben. «Eine Kollegin von mir hat schon einmal ein Musical geschrieben, von ihr habe ich viele Tipps bekommen.» Unterstützt wurde die 18-jährige Bettlacherin auch vom Musiklehrer Rouwen Kronenberg. Eine eigene Geschichte hat sie nicht geschrieben. «Ich stöberte in meinen alten Kinderbüchern und fand schliesslich die Geschichte vom Hirtenlied von Max Bolliger. Es ist eine Geschichte, die ich als Kind selbst sehr gerne gemocht habe.»

Mehr als materielle Reichtümer auf der Welt

Die Geschichte handelt von einem Hirtenjungen, der gerne Flöte spielt. Sein Grossvater erzählt ihm immer wieder davon, dass bald ein grosser König geboren werde. Der Junge stellt sich einen König im Purpurmantel mit einer Krone vor und beschliesst, Flöte zu üben, um dem König eines Tages ein Lied vorspielen zu können und vielleicht damit etwas Geld zu verdienen. Doch der König kommt nicht und der Grossvater wird immer mehr zum Gespött im Dorf. Eines Tages verkündet ein Engel die Geburt des neuen Königs.

Sofort macht sich der Junge auf, den neuen Herrscher zu suchen, um ihm auf der Flöte vorzuspielen. Doch als er dann vor der Krippe steht und darin nur ein kleines, schreiendes Baby sieht, ist er sehr enttäuscht und will wieder abreisen. Doch einer seiner Freunde ermutigt ihn, für das Baby ein Lied zu spielen. Und tatsächlich, der Junge spielt ein Lied und das Baby hört auf zu schreien. Der Hirtenjunge bemerkt, dass es mehr auf der Welt gibt, als materielle Reichtümer. Und doch verdient er sogar noch etwas Geld: Die drei Weisen aus dem Morgenland zahlen ihm Geld für die Rückreise.

Story umgeschrieben

Noemi Ingold hat die Story ein wenig umgeschrieben. «Das ist logisch, schliesslich spielen im Musical mehr Kinder mit, als die Geschichte Darsteller hat, also erfand ich noch ein paar Engel mehr und den Freund des Hirtenjungen, der ihn ermutigt, dem König vorzuspielen.» Auf die Frage hin, was zuerst da war, die Liedertexte oder die Melodien, antwortet sie: «Das hat immer wieder variiert. Mal war eine Melodie da, zu der ein Text entstand, mal war der Text vorher da und ich überlegte mir erst danach die dazu passende Melodie.» Während dieses Prozesses hat sie vieles über Harmonielehre gelernt.

Höhen und Tiefen

Allerdings gab es während des Schaffensprozesses immer wieder Höhen und Tiefen zu bewältigen. «Viele wollten mir anfangs dreinreden, wollten Tipps geben oder meine Motivation war plötzlich weg. Doch ich habe mir vorgenommen, dass ich das zu Ende bringe.»

Schliesslich präsentierte sie im Sommer dieses Jahres eine Rohfassung des Musicals mit Demoversionen der Lieder, aufgenommen über ein Computerprogramm, dem OK des Weihnachtsmarktes. «Den Organisatoren gefiel meine Idee, allerdings sagten sie mir, dass sie sich noch nicht zu hundert Prozent entscheiden könnten, es seien noch andere Geschichten im Rennen.» Der erlösende Anruf kam danach am Geburtstag von Noemis Bruder: «Ich war gerade dabei, die Torte zu machen, als sie anriefen. Ich war völlig aus dem Häuschen, als ich die Zusage bekam», freut sich die Maturandin, «natürlich schmeckte der Kuchen danach gleich doppelt so lecker».

Danach wurden die Rollen an die Kinder verteilt und die Band begann zu proben. Es sei ein sehr intensives Gefühl, die eigenen Songs von echten Instrumenten gespielt zu hören, erzählt Noemi Ingold, «Ich bin immer wieder berührt, mit welchem Enthusiasmus die Kinder und die Musiker ans Werk gehen.» Wenn ihr Musical am Grenchner Weihnachtsmarkt gezeigt werde, so sagt sie, sei das sicher noch einmal ein komplett anderes Gefühl, als bei den Proben. «Ich freue mich sehr auf die Aufführungen am Grenchner Weihnachtsmarkt».