Bestattung
Bestatter Ruedi Messer über den Umgang mit dem Tod

Der 1. November, Allerheiligen, steht vor der Tür und damit die Zeit, sich mehr mit dem Sterben und dem Tod zu beschäftigen. Die Rituale haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Bestatter Ruedi Messer erklärt die Veränderungen.

Fränzi Rütti-Saner
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Bestatter Ruedi Messer berät Hinterbliebene in seinem Ausstellungsraum in Solothurn.

Bestatter Ruedi Messer berät Hinterbliebene in seinem Ausstellungsraum in Solothurn.

Solothurner Zeitung

Stirbt ein Mensch, kommen eine ganze Reihe Dienstleistungsbetriebe in Schwung: Bestatter, Ritualbegleiter, Floristen, Drucker, Gastronomen, Kirchen, schliesslich Treuhänder und manchmal auch noch Therapeuten. Das war früher nicht so, als der Tod integrierter Bestandteil eines Lebens in der Dorfgemeinschaft war. Doch mit der Anonymisierung in der Gesellschaft und vielfach dem Wegfall religiöser Traditionen hat sich dieser Lebensbereich stark verändert.

Vielfach sind die Hinterbliebenen ratlos und es fällt ihnen schwer, neben der eigenen Trauer sich mit Gedanken an Bestattung oder Danksagungstexten auseinandersetzen. Hier springen heute die professionellen Bestatter ein. So zum Beispiel die Firma «Begleitung und Bestattung Ruedi Messer» aus Bellach. Messers Firma betreut Hinterbliebene schon seit vielen Jahren. «Im nächsten Jahr sind es 60 Jahre», erzählt Ruedi Messer. Bereits die dritte Generation arbeitet heute in der Firma mit. Er war einer der Ersten in der Region, die den Tod und das Sterben professionell angingen.

Tod ist Privatsache

Als Bestattungsunternehmer angefangen habe schon sein Vater, der in Bellach Dorfschreiner war und als solcher auch Särge herstellte, erzählt Ruedi Messer. So funktionierte das Bestattungswesen in vielen Dörfern früher. Er selbst hat den väterlichen Betrieb 1972 übernommen. «Ich hatte damals schon viele Ideen, wie man das Bestattungswesen verbessern könnte», sagt er. Schliesslich hat er am Aufbau des schweizerischen Verbandes der Bestatter mitgearbeitet, war auch einige Jahre Präsident des Berufsverbandes und heute Ehrenpräsident.

«Meist wollen die Leute in unserer Gegend noch immer die übliche Beisetzung im Rahmen eines Gottesdienstes», erzählt er von seinen Erfahrungen. Doch zunehmend sei es der Wunsch der Hinterbliebenen, keine eigentliche Trauerfeier, sondern nur eine schlichte Beisetzung auf dem Friedhof durchzuführen. «Einige wollen auch Naturbeisetzungen draussen oder bei sich zu Hause, beispielsweise im Garten. Doch solches muss vorgängig in der jeweiligen Gemeinde abgeklärt werden», betont Messer. «Heute betrachtet man eben - im Gegensatz zu früher - den Tod eines Menschen als seine Privatsache. Manchmal seien aber auch familiäre Zerwürfnisse, finanzielle Gründe oder der Wunsch des Verstorbenen selbst der Grund dafür, dass keine öffentliche Beisetzung durchgeführt wird.

Doch es gebe auch die gegenteilige Bewegung: den Tod zu zelebrieren. «Angehörige wollen beispielsweise aktiv bei der Totenwaschung mit dabei sein oder sich mit eigenen Texten oder Musik bei der Totenfeier einbringen», erläutert Messer. «Unsere Aufgabe als Bestatter ist es nun, das richtige ‹Gspüri›, die richtigen Hinweise zu geben. Sanft nachzufragen, auch mal zu hinterfragen. Auch wenn jemand wünscht, seinen Angehörigen ‹in aller Stille›, vielleicht ohne Einzelgrab zu beerdigen, kann sich das im Nachhinein als unglücklich erweisen. Es gibt dann keinen Ort, zu trauern oder des Toten zu gedenken.»

Bestattung: 2000 Franken

In den letzten 10 Jahren habe der Wunsch, einen Toten zu kremieren und die Urne zu bestatten, stark zugenommen. «Etwa neunzig Prozent aller Beisetzungen sind Kremationen», sagt Messer. Häufig wird auch nicht mehr nach dem Pfarrer verlangt, insbesondere dann, wenn der Verstorbene aus der Kirche ausgetreten ist. «Es kann aber vorkommen, dass die Angehörigen trotzdem einen Pfarrer wünschen. Nach Möglichkeit wird dem natürlich entsprochen», so Messer.

Messer empfiehlt, für den Fall des eigenen Todes eine schriftliche Vorsorge zu treffen. «Festzuhalten, wie die eigene Bestattung durchgeführt werden soll. Das kann ganz ausführlich sein, kann aber auch ganz einfach gehalten sein. Messer sagt, dass heute eine einfache Bestattung rund 2000 Franken kostet. Wer es aufwändiger wolle, müsse bis zu 4000 Franken rechnen. «Darin eingeschlossen sind die Totenartikel, der Sarg, das Überführen des Verstorbenen sowie die Dienstleistungen des Bestatters wie das Einsargen. Nicht mitgerechnet ist der Grabstein. «Heute wollen auch viele Leute lieber in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt werden. Hier sind die Kosten in jeder Gemeinde unterschiedlich.»