Asylunterkunft
Besitzerin des Spitals bleibt nicht viel mehr «als in den sauren Apfel zu beissen»

In der geschützten Operationsstelle (GOPS) des früheren Spitals in Grenchen werden schon Anfang nächster Woche die ersten von bis zu 100 Asylsuchenden einziehen. Ist Widerstand noch möglich? Und wie viele Asylsuchende kommen noch in den Kanton?

Lucien Fluri
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Blick in die Asylunterkunft unterhalb des Sunneparks.

Blick in die Asylunterkunft unterhalb des Sunneparks.

Oliver Menge

Der Kanton will in Grenchen vor allem alleinstehende Männer einquartieren. Sie werden von Mitarbeitern einer spezialisierten Firma betreut. Der Kanton verspricht eine «Aufsicht rund um die Uhr». Es wird zudem eine Begleitgruppe geben, in der Vertreter des Kantons, der Gemeinde, der heutigen Spitalbesitzerin Sunnepark AG und der Polizei sitzen werden.

Mehr als 100 Personen würden in der Anlage nicht untergebracht, verspricht David Kummer vom zuständigen kantonalen Amt für soziale Sicherheit – auch wenn diese Platz für etwa 250 bieten würde. Der Betrieb soll gemäss derzeitigen Plänen des Kantons auf ein Jahr befristet sein.

Dem Vorhaben des Kantons konnte in diesem Fall niemand Steine in den Weg legen: «Solothurn» hat ein Nutzungsrecht an der geschützten Operationsstelle, das nun in Anspruch genommen wird. Mit der neuen Besitzerin des Spitals, der Sunnepark AG, konnte man sich offenbar einigen. Sie erhält eine Abgeltung, wie David Kummer erklärt.

Der Eingang zur unterirdischen Anlage beim ehemaligen Spital Sunnepark in Grenchen.
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In der geschützten Operationsstelle unterhalb des Alten Spitals wird ein Durchgangsheim für maximal 100 Personen eingerichtet.
So sieht das zukünftige Durchgangsheim aus
Vier Waschmaschinen stehen zur Verfügung.
In der Küche stehen 5 Herde.
Zurzeit gibt es nur 4 Duschen.
Im Aufenthaltsraum werden die Asylsuchenden Tischfussball spielen können.
So sieht der Esssaal aus.
Hier stehen abschliessbare Kühlschrankfächer.
Das ist das Büro der ORS. Die ORS Service AG betreut die ankommenden Asylsuchenden

Der Eingang zur unterirdischen Anlage beim ehemaligen Spital Sunnepark in Grenchen.

Oliver Menge

Viel mehr «als in den sauren Apfel zu beissen», bleibe ihm nicht, sagt Peter Trachsel, Geschäftsführer der Sunnepark AG. Sie betreibt heute im früheren Spital ein Gesundheitszentrum sowie ein Pflegezentrum für rund 70 betagte Personen. Trachsel selbst ist Mitglied der Begleitgruppe und will vor einer Stellungnahme erst abwarten, wie der Betrieb anläuft. Zwar gebe es von Mitarbeitenden und betreuten Personen Fragen, es gebe aber keinen Ansturm an seiner Türe. Grundsätzlich, so Trachsel, herrsche auch Verständnis dafür, dass der Kanton nun einmal Unterkünfte finden müsse.

Folgen für alle Gemeinden

«Wir hinken immer einen Schritt hinterher, bis die nötigen Unterbringungsstrukturen vorhanden sind», sagt David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit. Für 2015 rechnete der Kanton eigentlich mit rund 900 Asylsuchenden, die ihm der Bund zuteilt. Bis im Oktober verlief diese Entwicklung im erwarteten Rahmen. Doch dann stiegen die Zahlen rasch an. Und so kamen im ganzen Jahr über 1300 Asylsuchende in den Kanton. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Personen, die – zumindest vorübergehend – hier bleiben können, gestiegen: Die Quote beträgt um die 60 Prozent.

Nicht mehr Flüchtlinge aus Eritrea stehen an der Spitze der Asylsuchenden. Im November waren knapp 50 Prozent der Asylbewerber aus Afghanistan; sie reisen von Norden her über Deutschland ein. 19,1 Prozent der Asylsuchenden kommen aus Syrien und 9,1 Prozent aus dem Irak.

Die Zunahme der Asylgesuche wird im kommenden Jahr auch für die Gemeinden Folgen haben: Wenn die Asylsuchenden aus den kantonalen Durchgangszentren wie der neuen Unterkunft in Grenchen kommen, werden sie auf die Gemeinden verteilt. Letztere hatten 2015 ein Aufnahmesoll von 600 Personen zu bewältigen. 2016 werden es wohl doppelt so viele sein, nämlich 1200 Asylsuchende. «Das wird eine Herausforderung», sagt David Kummer.