«An manchen Tagen wurden wir förmlich überrannt: Gegen 300 Jugendliche kamen, um sich zu informieren.» Roland Studer, Ausbilder der Polymechaniker und Mikromechaniker bei der ETA, leistete viel Arbeit im Hintergrund.

Die Arbeit an der Front hingegen leisteten die Lernenden der ETA selber. Die Lehrlingswerkstätte im ETA-Werk 2 war für den Anlass speziell eingerichtet und umgestaltet worden. Rund 50 bis 70 Lernende der verschiedenen Berufe gaben ihr Wissen aus erster Hand an die Jugendlichen weiter, die teils in Klassen, teils mit ihren Eltern kamen, um sich an der IBLive 2014 über die Möglichkeiten ihrer beruflichen Zukunft zu informieren.

Vom Strassentransportfachmann, Logistiker, Mikromechaniker, Polymechaniker, Kunststofftechnologe, Informatiker, Elektroniker, Konstrukteur, kaufmännischer Angestellter bis hin zum Uhrmacher gaben die Lernenden Auskunft über die schulischen Voraussetzungen, die Chancen und die Besonderheiten ihrer Berufe.

Das Interesse war gross bei den Jugendlichen. «Bis jetzt habe ich nur gute Erfahrungen gemacht», sagt beispielsweise Marco Affolter, im 2. Lehrjahr Kaufmann bei der ETA. «Viele Jugendliche oder Schüler stellen interessante Fragen.

Man kann ihnen auch ein wenig die Angst nehmen, indem man von den eigenen Erfahrungen berichtet.» Er sei zum Beispiel eher schlecht gewesen in Französisch. Französisch sei eine Voraussetzung und Pflichtfach, wenn man bei der ETA die Ausbildung machen wolle und er habe sehr schnell grosse Fortschritte gemacht, erklärt er einer Schülerin einer Klasse aus Derendingen, die diesbezüglich Bedenken äussert.

«Das ist wirklich kein Problem und da kommst du schnell rein», meint er. Es sei schwierig heutzutage für die jungen Leute, sich für einen Beruf zu entscheiden. Und gerade deshalb finde er diese Berufsmesse eine gute Sache.

An einem anderen Stand stellt Yannick Schneeberger den Beruf des Kunststofftechnologen vor. Er selber ist schon ausgelernt und hilft aus, weil die Lernenden, die normalerweise hier präsent sind, Unterricht haben.

«Das Interesse für diesen Beruf ist eher weniger gross», meint er. «Kunststofftechnologe ist den Wenigsten ein Begriff.» Am Stand können die Jugendlichen ihre Fingerfertigkeit testen: Drei Teile müssen zusammengefügt werden.

Ein paar Mädchen einer Klasse der Sek E aus Derendingen mühen sich ab. «Wie hast du das jetzt geschafft?». Noemi mit einem Lachen: «Ich hab nur die Anleitung befolgt.»

In einem Nebenraum stellen Konstrukteure ihre Fähigkeiten zur Schau. Die Attraktion im Raum ist ein grosses 3-D-Tablet, auf dem ein Uhrwerk plastisch dargestellt ist. Ausgerüstet mit einer 3-D-Brille und einem Pointer kann man die Einzelteile des Uhrwerks virtuell anpacken und aus dem Uhrwerk ziehen. Bei einem Bolzenspiel kann jeder Jugendliche feststellen, ob er für den Beruf über genügend räumliche Vorstellungskraft verfügt.

Geschlecht bestimmt Interesse

Bei den verschiedenen Berufen wird rasch klar, dass es geschlechterspezifische Unterschiede punkto Interesse der Besucher gibt: Elektroniker, Informatiker ist eher etwas für Knaben, Mädchen sind eher an Berufen wie Uhrmacher interessiert. Auch bei den Berufen, die in Richtung Mechaniker gehen, fühlen sich Jungs eher angesprochen als Mädchen.

Bei den Uhrmachern im Obergeschoss schliesslich geht man richtig zur Sache. Wer will, kann sich an einem echten Uhrwerk - allerdings nur für Ausbildungszwecke - versuchen. «Wille und Geduld sind wichtige Voraussetzungen, um Uhrmacher zu werden», sagt Martina Vogt, die das 1. Lehrjahr bei der ETA absolviert und hier den Interessierten Red und Antwort steht.

Und eine ruhige Hand und gute Augen. Nicht allen sind diese Fähigkeiten eigen: eine Schülerin «zerstört» ein Uhrwerk, indem sie mehrmals mit dem feinen Schraubenzieher bis ins Innere der Uhr abrutscht und die Pinzette als Brecheisen benutzt, um ein Zahnrad zu lösen, das nicht gleich nachgibt - das Entsetzen ist einem der Lernenden der ETA förmlich im Gesicht geschrieben. «Keine Bange, von denen haben wir noch ein paar», beruhigt ihn ein Lehrmeister.

Dass hier Jugendliche den jungen Leuten Auskunft geben, sei das A und O von IBLive, sagt Roland Studer. «Das funktioniert doch viel besser, als wenn wir Alten referieren, die Hemmschwelle ist bedeutend niedriger.»

Rund 1500 Interessierte werden bis heute Abend die Berufsmesse der etwas anderen Art in den vier Betrieben ETA SA in Grenchen, DePuy Synthes Produktions GmbH in Bettlach, Stryker AG in Selzach und W. Blösch AG in Grenchen besucht haben. Dieser Erfolg zeigt: Informationen aus erster Hand und «Berufe zum Anfassen» sind gefragter denn je.