Er hat mit den Berliner Philharmonikern und weiteren grossen Orchestern zusammengearbeitet – und mit dem Stadtorchester Grenchen: Yehudi Menuhin, einer der Stargeiger des 20. Jahrhunderts, würde am Freitag 100-jährig.

Menuhin hat in seiner Wahlheimat Schweiz nicht nur das Festival Gstaad gegründet, sondern in Grenchen die «Yehudi Menuhin Stiftung für Musikerziehung». Damit bedankte sich der Weltstar im Jahr 1968 für das Ehrenbürgerrecht, welches ihm die Bürgergemeinde Grenchen am 22. Mai 1967 verliehen hatte.

Wohl einziger jüdischer Ehrenbürger

Und das kam so: Grenchen erlebte bekanntlich während der sechziger Jahre eine kulturelle Blüte. Der einflussreiche Freundeskreis von Wilhelm Steinbeck, Dirigent des Stadtorchesters von 1960 bis 1976, holte auch den Weltstar nach Grenchen, der seit 1956 in Gstaad wohnte, dort allerdings nicht eingebürgert wurde.

Da sprang - einmal mehr - Grenchen in die Bresche und brachte mit dem demonstrativen Akt den Stein ins Rollen. Das Schweizer und das kantonale Bürgerrecht erhielt Menuhin im Jahr 1970. Er dürfte auch der einzige jüdische Ehrenbürger Grenchens sein.

Der Kosmopolit Menuhin blieb der Uhrenstadt zeitlebens verbunden. Als das Grenchner Stadtorchester 1995 75-jährig wurde, führte der Maestro am Jubiläumskonzert den Taktstock. Kurz vor seinem Tod 1999 übernahm er das Ehrenpräsidium der Internationalen Musikwoche Grenchen. Der seit den 1958 durchgeführte Musikpreis Grenchen für Schweizer Blasmusik wollte damals seine Aktivitäten aufs internationale Parkett erweitern. Dies gelang allerdings nur zweimal und eine Wiederbelebung dieses Anlasses ist bisher nicht gelungen.

Sohn fällt negativ auf

Ebenso ist es um die Menuhin Stiftung ruhig geworden, die zumindest in Grenchen nicht aktiv ist. Sie sorgte zuletzt 2006 für Schlagzeilen, als der damalige Präsident Gerard Menuhin - einer der beiden Söhne - als Präsident der deutschen Menuhin Stiftung zurücktreten musste wegen rechtsradikaler Gesinnung und Holocaust-Leugnung (!).

In Grenchen durfte er die Stiftung aber weiter leiten, bis 2012 sein Bruder Jeremy übernahm. Vater Menuhin bleibt aber unvergessen: «Er war mehr als ein grosser Musiker. Er verkörperte so etwas wie die Idee einer Vermenschlichung des Menschen durch Musik», schrieb 1999 ein Kulturkorrespondent dieser Zeitung.