Grenchen. Kunstsammlung
Bernhard Liechti: «Kunst ist auch in meinem Leben wichtig»

Wird die Öffentlichkeit je einmal die legendäre Kunstsammlung des verstorbenen Grenchner Wirtes, Galeristen und Mäzenen Hans Liechti zu Gesicht bekommen? – «Vielleicht einen Teil davon», sagt sein Sohn Bernhard Liechti.

Andreas Toggweiler
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Bernhard Liechti im Bildermagazin im Keller seines Elternhauses in Grenchen. Hier lagern unzählige Preziosen. Bilder: Andreas Toggweiler

Bernhard Liechti im Bildermagazin im Keller seines Elternhauses in Grenchen. Hier lagern unzählige Preziosen. Bilder: Andreas Toggweiler

Vor drei Jahren ist Hans Liechti gestorben. Der Wirt, Kunstsammler und Förderer von Friedrich Dürrenmatt (als Maler) war lange verkannt, bis die Kunstsachverständigen realisierten, welche Schätze Liechti in seinem bewegten Leben gesammelt hatte – und welchen Sachverstand er insbesondere für die Maler der europäischen Avantgarde an den Tag gelegt hatte.

Bei seinem Tod Anfang Oktober 2009 lagerten mehrere 100 Bilder sowie Seri- und Lithografien in seinem Archiv. Seither rätseln Kunstfreunde, was mit der riesigen Sammlung geschieht. Schon früh hatten die Erben verlauten lassen, dass es keine Stiftung und auch keine grösseren Schenkungen geben wird. Die Erbengemeinschaft wollte die Bilder im Familienbesitz behalten. Schon beim Tod seiner Ehefrau Käthy im Jahr 1998 hatte Hans Liechti die Bilder seinen Kindern Béatrice und Bernhard überschrieben. Doch faktisch hielt der Patron bis zuletzt die Zügel in den eigenen Händen.

Ein Erbstreit mit einem ausserehelichen Sohn Liechtis konnte inzwischen beigelegt werden. «Wir haben meinen Halbbruder ausbezahlt», bestätigt Bernhard Liechti. Der 57-jährige Gastronom lebt im Kanton Zürich und führte mit seiner Ehefrau das renommierte Zunfthaus zu Meisen im Herzen Zürichs.

Das barocke Stadtpalais an der Limmat wäre eine prädestinierte Plattform gewesen, um Werke aus Hans Liechtis Sammlung zu zeigen. Leider kam es nicht so weit. «Der Heimatschutz erlaubte absolut keine Veränderungen am Zunfthaus», begründet Bernhard Liechti. Und so blieben die Bilder weiterhin in den Magazinen.

Ausleihungen habe es bisher nur vereinzelt gegeben, erklärt Liechti weiter. Interesse äusserten hingegen das Auktionshaus Christie’s sowie Star-Architekt Mario Botta (für die Dürrenmatt-Zeichnungen). Für Bernhard Liechti bleibt aber klar, dass das Gros der Sammlung in Familienbesitz bleibt. «Wir werden höchstens einzelne Bilder verkaufen.» Kontakte werden geknüpft zum Kanton Tessin bezüglich einer allfälligen Übernahme mehrerer Bilder des Landschaftsmalers Paul Fotsch (1891–1964) und mit dem Kanton Waadt bezüglich der Werke von Léon Perrin (1886–1978).

Die Kunst bedeutet Bernhard Liechti selber viel. «Ich bin inmitten der Bilder aufgewachsen, mein Vater hat mir den Zugang verschafft auch zu schwer erschliessbaren Werken.» Liechti selber nennt die Maler der neuen flämischen Schule der 1950er- und 60er-Jahre, Jef Verheyen und Englebert van Anderlecht, als seine Lieblingskünstler.

«Vor allem die Schweizer Kunst der 1960er-Jahre wird noch immer sehr verkannt», ist Liechti überzeugt. Genau diese Künstler hat sein Vater intensiv gesammelt und unterstützt.

Doch wie soll sich das ändern, wenn der Fundus mehr oder weniger unter Verschluss bleibt? «Fachleute wissen, dass sie uns fragen können, wenn sie diese Künstler zeigen möchten. Wir würden auch Hand bieten», meint Liechti. Ein Grossteil der Bilder befindet sich immer noch im (privaten) Archiv.

Doch wer weiss: Vielleicht findet einst die legendäre Galerie Bernard, benannt nach Bernhard Liechti und zuletzt in Hans Liechtis Wohnhaus in Grenchen angesiedelt, zu neuem Leben. Denn dort sieht es noch fast genauso aus wie bei Hans Liechtis Tod vor drei Jahren: Möbel aus den 50er-Jahren, Bilder, wohin das Auge reicht. Das Wohnzimmer wird dominiert von einem Flück. Daneben ein Frühwerk von Hans Gertsch. Hier hat Hans Liechti seine Gäste empfangen, für sie gekocht und bei einer feinen Flasche Bordeaux über Kunst, Gott und die Welt sinniert.

Bernhard Liechti musste vor vier Jahren nach einer schweren Operation beruflich kürzertreten. Wegen wiederkehrender gesundheitlicher Probleme hat seine Frau vor zwei Jahren die Führung des Gastronomiebetriebes gänzlich übernommen. «Ich werde mich jetzt vermehrt in Grenchen um die Kunst-Sammlung kümmern», kündigt Liechti an. Seine eigene künstlerische Ader hat Bernhard Liechti während der Rekonvaleszenz entdeckt: Holzskulpturen, im wesentlichen von der Natur geformt.

Und Beatrice Liechti, seine Schwester? Sie wohnt in Le Landeron, aber besucht und pflegt regelmässig die Wohnung, hängt sogar ab und zu ein neues Bild auf, in der einstigen Galerie Bernard. «Dass wir hier vielleicht wieder einmal Bilder aus der Sammlung zeigen, möchten ich und meine Schwester nicht ausschliessen», sagt Bernhard Liechti.

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