Kunsthaus Grenchen
Bernerin zeigt Ausschnitt ihrer Kunstsammlung im Kunsthaus

Werke aus der Sammlung der Bernerin Marlies Kornfeld sind zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich. Kornfeld stellt im Kunsthaus Grenchen 114 Bilder und Skulpturen aus.

Fränzi Rütti-Saner
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Marlies Kornfeld (l.) und Eva Inversini präsentieren mit «Dancing towards the Essence» Kornfelds Sammlung im Kunsthaus Grenchen.

Marlies Kornfeld (l.) und Eva Inversini präsentieren mit «Dancing towards the Essence» Kornfelds Sammlung im Kunsthaus Grenchen.

Fränzi Rütti-Saner

Eva Inversini, die Kuratorin des Kunsthauses Grenchen, hat sich seit ihrem Antritt in Grenchen auf die Fahne geschrieben, im Kunsthaus hin und wieder Werke zu zeigen, die einer breiteren Öffentlichkeit in der Regel verborgen bleiben. Waren es 2009 Bestände aus der Bundeskunstsammlung, sind es seit gestern Samstag Werke aus der Sammlung der Bernerin Marlies Kornfeld.

Marlies Kornfeld arbeitete viele Jahre in der Berner Galeristenszene. Doch sei sie schon als Kind in ihrem Elternhaus oft mit Kunst in Berührung gekommen, erzählt die 72-Jährige beim Rundgang. «Drei von uns acht Kindern sammeln Kunst», berichtet sie.

Jedoch sei sie selbst relativ spät zum Sammeln gekommen. Auch sagt sie dezidiert, «sammeln» sei nicht das richtige Wort für ihren Umgang mit Kunst. «Ich kaufe spontan, was mir gefällt und was mich beeindruckt. Wenn es mir nichts mehr sagt, habe ich auch keine Hemmungen, etwas wieder zu verkaufen.»

Kennt Räume genau

Die Ausstellung im Kunsthaus Grenchen haben Marlies Kornfeld und Eva Inversini zusammen konzipiert. «Es war erstaunlich, wie schnell und zielgerichtet uns diese Zusammenarbeit von der Hand ging», erzählen beide Frauen. «Ein grosses Glück war natürlich, dass Eva Inversini die Räume in Grenchen so genau kennt und weiss, was es verträgt», lobt Kornfeld. Inversini sagt dazu: «Wir wollten in der Ausstellung einige Hängungen ähnlich der Wohnsituation von Marlies Kornfeld übernehmen.» So fühlt sich denn Marlies Kornfeld beim Rundgang durch die Ausstellung fast wie zu Hause.

Insgesamt umfasst die Sammlung von Marlies Kornfeld rund 450 Werke. In Grenchen sind davon 114 Bilder und Skulpturen von 62 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Wiederum 26 davon sind Schweizer Künstler. Kornfeld sammelt vorwiegend zeitgenössische Kunst, doch es ist auch eine Monotypie von Edgar Degas neben einer Arbeit von Pablo Picasso zu finden – darüber hängt, wie in der privaten Wohnung – Markus Raetz. Auch ihr allererstes Bild, eine Arbeit von Sam Francis aus dem Jahr 1965, ist zu sehen. Besonders stolz ist die Sammlerin über ihre jüngste Erwerbung, die ebenfalls in Grenchen zu sehen ist. Das grosse Wolkenbild des Künstlerduos ComCom aus dem vergangenen Jahr.

Es fällt auf, dass in der Sammlung von Marlies Kornfeld sehr oft Porträts zu finden sind. Für sie selbst fast eine Überraschung. «Ich wusste gar nicht, dass der Anteil an Porträts so gross ist», sagt sie lachend. Und es fällt auf, das es unter «ihren» Künstlern einige Lieblinge unter den Schweizern gibt: zum Beispiel Albrecht Schnider, Markus Raetz, Kotscha Reist.

Bis 22. Juli. Zur Ausstellung erscheint im Juli das Buch «Dancing towards the Essence» bei Stämpfli, Bern. Fr. 39.–.