Es ist fast wie beim Zahnarzt», sagt Ingenieur Andreas Lüthi von Stuber Holzbau in Schüpfen. «Herausschlagen ist einfach, das Einpassen muss millimetergenau sein.» 40 Zentimeter dick und gegen 500 Kilogramm schwer ist der Eichenbalken im Bürener Brückenportal.

Beim Einbau bestand nur ein Millimeter Differenz auf sieben Meter Länge. «Herausgeschlagen» wurde der Balken im Sommer: Ein Baufahrzeug, das den Kran nicht eingezogen hatte, fuhr mit voller Wucht in den nördlichen Brückenkopf und durchschlug den massiven Balken.

Zwölf Jahre lang gut gelagert

Während fünf Nächten war deshalb die Brücke gesperrt. Seit gestern morgen früh ist das Brückenportal repariert, die Aussenverkleidung ist wieder angebracht, die nächtliche Sperrung aufgehoben. Mit einem Stapler wurde der Eichenbalken am Montagabend in die Höhe gehoben und von Hand eingepasst. «Wie bei einer Operation haben wir sämtliche Spezialwerkzeuge auf dem Boden ausgelegt», erklärt Lüthi. Bis der Schaden repariert werden konnte, brauchte es eine gewisse Vorlaufzeit. Zuerst musste der richtige Balken in Koppigen gefunden werden. «Eichenbalken kann man nicht einfach aus dem Wald holen», sagt Lüthi. Zwölf Jahre lang war der Balken gelagert worden. Die letzten zwölf Wochen war er im Trocknungsofen.

Millimetergenau

Eine besonders sorgfältige Behandlung erhielt das Berner Wappen, das den Brückenkopf ziert. Zu seinem Schutz wurde es während der Bauarbeiten abgehängt und gereinigt. «Es war kohlenschwarz vom Russ», sagt Gerhard Sporbeck. Der Inhaber der gleichnamigen Bürener Holzbaufirma war schon beim Neubau der Brücke vor 20 Jahren dabei. In den letzten Nächten hat seine Firma die Aussenverkleidung demontiert und die beschädigten Bauteile ausgebaut.

Bei der Firma Stuber in Schüpfen sind sie millimetergenau nachgefertigt worden. «Die Vorbereitungsarbeiten sind elementar», sagt Andreas Lüthi. Verwendet wurden neben dem Eichenbalken für das Brückenportal und die Querkreuze Fichten-Brettschichtholz, das bei der Firma Stuber in Schüpfen hergestellt wurde. «Wir arbeiten nur mit einheimischem Holz, weil viele unserer Auftraggeber von der öffentlichen Hand auch Waldbesitzer sind», sagt Lüthi. Brücken gehören zwar auch zum Angebot, hauptsächlich stellt die Firma Tragschichtkonstruktionen von Sporthallen bis zu landwirtschaftlichen Gebäuden her.

Vogelschutz nutzt Gelegenheit

Die Gelegenheit der verkehrsfreien Brücke nutzten auch der Ornithologische Verein und das «Forum Büren.» Drei Männer stiegen auf Leitern, um die zehn Nistkästen im Brückengebälk zu kontrollieren. Nach 20 Jahren wurden diese erstmals geöffnet. Das Resultat der Kontrolle ist ernüchternd: Nur Spinnweben fanden sich in den Kästen, die erhofften Fledermäuse oder Mauersegler waren nicht dort. «Es hatte nur einzelne Federn, ein richtiges Nest oder eine Brut haben wir nicht gefunden», sagt Fritz Schoch.
Der Ernüchterung steht die Freude über die Mehlschwalben entgegen. Aussen an der Brücke sind alle Nistkästen besetzt, es gibt sogar eigene Nester von Schwalben.