Radfahrerprüfung
Bereit für den Strassenverkehr – aber nicht alle

Rund 170 Kinder der 4. Klasse absolvierten am Montag die obligatorische Radfahrerprüfung. Die Durchfallquote steigt stetig.

Oliver Menge (Text und Foto)
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Einbiegen in die Hauptstrasse, wenn der Beamte das Zeichen gibt. Derweil macht sich der andere Beamte Notizen.

Einbiegen in die Hauptstrasse, wenn der Beamte das Zeichen gibt. Derweil macht sich der andere Beamte Notizen.

«Ein Reflektor am Pedal fehlt, das gibt zwei Punkte. Und auch der Frontreflektor ist nicht vorhanden, nochmals zwei Punkte.» Stefan Zybach von der Stadtpolizei Grenchen kontrolliert die Fahrräder der Kinder peinlich genau. Bremsen, Licht, Glocke, Reflektoren, Rückstrahler. Fehlt etwas oder funktioniert es nicht, gibt es Strafpunkte. Christoph Rüegger, der zweite Beamte der Stadtpolizei bei der alten Turnhalle, macht sich Notizen. «Die häufigsten Beanstandungen betreffen in der Tat die Frontreflektoren und Rückstrahler.» Auch defekte Lichtanlagen habe er gefunden, so Zybach, der die Dienststelle Sicherheits- und Verkehrsinstruktion bei der Stadtpolizei leitet. «Im Grunde wäre zur Tageszeit und bei diesem schönen Wetter kein Licht nötig. Aber für die Prüfung versteht es sich, dass die Kinder voll ausgerüstete und funktionstüchtige Velos mitbringen müssen.»

Rund 170 Viertklässler der Schulen Grenchens und des Bachtelen wurden gestern Morgen aufgeboten. Angekommen bei der alten Turnhalle, wurden sie mit einer nummerierten Leuchtweste ausgerüstet und machten sich nach der Inspektion ihrer Fahrräder einzeln auf den Parcours – alle selbstverständlich mit Helm. Die Route führte durch das Lingerizquartier, über die Hauptstrasse und den Monbijou-Kreisel wieder zurück ins Quartier und über den Nordbahnhof zur alten Turnhalle. Auf der Strecke beobachteten Beamte der Stadtpolizei das Verhalten der Prüflinge auf der anspruchsvollen Strecke und machten sich Notizen, wenn diese Fehler bei der Zeichengebung, beim Einspuren oder Abbiegen machten.

Vorausgegangen waren Theorielektionen in den Klassen, manche Lehrer haben die Strecke mit ihren Klassen übungshalber schon mehrmals absolviert. Am Mittwoch folgt die Theorieprüfung.

Schwierige Prüfungssituation

«Ich freue mich aufs Velofahren, aber nicht auf die Prüfung», sagt die 11-jährige Giulia. So wie ihr geht es wahrscheinlich vielen Kindern. Und wie sie sind sie nach absolvierter Prüfung froh, die Prüfungsstrecke hinter sich gebracht zu haben. «Ich habe Fehler gemacht, weil mich die Polizisten gestresst haben», sagt der 10-jährige Dan nach seiner Runde. «Plötzlich konnte ich nicht mehr schalten, weil sie mich beobachtet haben.»

«Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal Kinder mit dabei, die letztes Jahr durchgefallen sind und die auch beim zweiten Anlauf wahrscheinlich nicht bestehen», sagt Zybach. Ein Phänomen, das auch in anderen Städten vermehrt zu beobachten ist. «Es fällt auf, dass sich mehr und mehr Kinder unsicher im Strassenverkehr bewegen, weil sie offenbar keine Routine haben. Die Eltern fahren nicht mehr mit ihnen Fahrrad. Das bringt sie dazu, dass sie beispielsweise nicht einmal den Gang runterschalten, wenn es bergauf geht.» Oder dann weise ihr Fahrrad derart viele Mängel auf, dass sie schon vor der Prüfung so viele Strafpunkte erhalten, dass sie gar nicht bestehen können. Rund 10% sind letztes Jahr durchgefallen, dieses Jahr werden es etwa gleich viele sein, oder sogar etwas mehr, schätzt Zybach.

Eine nicht bestandene Fahrradprüfung hat allerdings nicht zur Folge, dass die Kinder das Velo nicht mehr besteigen dürfen. «Die Eltern erhalten aber daraufhin einen Brief, in dem wir sie darauf hinweisen, dass ihr Kind im Strassenverkehr potenziell gefährdet ist. Fällt ein Kind zum zweiten Mal durch, erhält auch die Schulverwaltung ein Schreiben.» Und diejenigen, die bestehen, erhalten als Auszeichnung für die bestandene Prüfung eine Erinnerungsmedaille.