Manche Kreise in der Stadt hatten Ende Mai hörbar erleichtert aufgeatmet, als die Frist ablief, in der die Bauherrschaft, die Albanisch Islamische Glaubensgemeinschaft (AIG), den fehlenden Finanzierungsnachweis erbringen sollte und damit die erteilte Bewilligung für den Bau einer Moschee an der Maienstrasse ungültig wurde (wir berichteten).

Dieser Finanzierungsnachweis war die einzige Auflage der Stadt Grenchen, welche die AIG nicht erfüllen konnte. Die Initianten hatten zwar wiederholt versichert, dass sie den grössten Teil der Summe zur Finanzierung des 1,5- bis 2-Millionen-Projekts beisammen hätten – sie konnten sogar einen Kontoauszug mit rund 50% der erforderlichen Mittel vorlegen. Die Stadt aber verlangte die Bürgschaft einer Schweizer Bank, welche garantierte, dass das Geld für die gesamte Bauzeit zur Verfügung steht. Und diese Bedingung konnte die AIG nicht erfüllen.

Neuer Anlauf für Baugesuch

Nun machen die Initianten einen neuen Anlauf: Wie das Lokalradio «Canal 3» berichtete, ist auf der Baudirektion ein neues Gesuch eingereicht worden, das laut Auskunft von Jürg Vifian, dem stellvertretenden Stadtbaumeister, im Wesentlichen dem ersten Baugesuch entspricht. «Es geht um die Erneuerung der Baubewilligung, die am 24. Mai abgelaufen ist», erklärt Vifian auf Anfrage.

Im vorliegenden Baugesuch seien auf den ersten Blick keine wesentlichen Änderungen vorgenommen worden, es entspreche dem Baugesuch, das beim letzten Verfahren schliesslich bewilligt worden sei. Allerdings gebe erst die eingehende baurechtliche Prüfung darüber Aufschluss. Die Verfasser seien dieselben, wiederum zeichnet Gzim Rifati, der Architekt der AIG, verantwortlich.

Laut Adrian Cslovjecsek, dem Leiter des Bauinspektorats und zuständigen Sachbearbeiter, wird nun ein neues Baubewilligungsverfahren eröffnet: «Nach der Sommerpause wird das Projekt voraussichtlich am 8. August öffentlich aufgelegt, nachdem wir es nächste Woche der baurechtlichen Prüfung unterzogen haben. Danach besteht eine 14-tägige Einsprachefrist.»

Beim neuen Baugesuch werde man gleich vorgehen wie beim Ersten, so Cslovjecsek.

70 % der Mittel sind vorhanden

Aber wie steht es denn jetzt um die Finanzierung? Gzim Rifati gibt auf Anfrage bekannt, dass die AIG nun bereits gegen 70% der nötigen Mittel beisammen habe. Aber eine Bankgarantie sei nach wie vor nicht vorhanden. «Erst wenn die Einsprachefrist abgelaufen ist, die Einsprachen behandelt sind und wir die Baubewilligung haben, werden wir mit den Banken sprechen», so der Architekt der Glaubensgemeinschaft.

Und Isa Ismaili, Mitglied im Vorstand der AIG, der zusammen mit seinem Vater SVP-Gemeinderat Ivo von Büren damals das Land abgekauft hatte, meinte gegenüber Canal 3, man habe über die Finanzierung im Vorstand noch nicht gross diskutiert. Erst wolle man die Einsprachefrist abwarten.

Falls die Baubewilligung erneut erteilt wird – und davon ist zurzeit auszugehen – werden laut Cslovjecsek wahrscheinlich wiederum dieselben Auflagen erteilt. Will heissen: Es darf erst gebaut werden, wenn eine Finanzierungszusicherung über die ganze Bauzeit einer Schweizer Bank vorliegt. Man will so verhindern, dass möglicherweise eine Bauruine entsteht, weil der Bauherrschaft unterwegs das Geld ausgeht.

Reaktionen sind noch verhalten

Die Reaktionen auf das erneute Baugesuch fallen verhalten aus. Richard Aschberger, Präsident der SVP, zeigt sich überrascht, dass die AIG nochmals einen Versuch wagt. Man werde das weitere Vorgehen parteiintern besprechen, er sei aber etwas pessimistisch: «Wir haben schon beim letzten Mal alles versucht, um den Bau zu verhindern und alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Ohne Erfolg.»

Stadtpräsident Boris Banga meint: «Alle, die sich an die Vorschriften unseres demokratischen Rechtsstaates und unseres Zusammenlebens halten, geniessen auch die Religionsfreiheit.» Das Bauland sei, wie auch gerichtlich festgehalten, legal erworben und die Baubewilligung von der Beschwerdeinstanz bereits einmal erteilt worden. «Allerdings gäbe es meines Erachtens für Sakralbauten würdigere Orte.»