Grenchen
Beim Umbau des Platzes vor der Eusebiuskirche kamen Skelette zum Vorschein

Die Umgebung der Eusebiuskirche in Grenchen wird bis im Sommer komplett umgestaltet. Beim Umbau stiess man auf alte Gräber.

Andreas Toggweiler
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Umgebungsarbeiten bei der Eusebiuskirche in Grenchen Die Treppe zur Kirche wird ebenfalls erneuert
10 Bilder
Die beiden Architekten: Natal Imahorn und Josef Galli
Blick in Richtung Nordwesten zum Eusebiushof
Westseite und Vorplatz der Kirche
Die bisher unzugängliche Ostseite soll bepflanzt werden
Die Mauer auf der Südseite kommt weg und die Kapelle wird freigelegt
Drei Figuren auf der Ostseite
Die seitliche Mauer auf der Ostseite wird aufgemauert
Umgebungsarbeiten Eusebiuskirche
Momentan wird alles mit Lasern vermessen

Umgebungsarbeiten bei der Eusebiuskirche in Grenchen Die Treppe zur Kirche wird ebenfalls erneuert

Oliver Menge

Im November 2018 haben die Stimmberechtigten der katholischen Kirchgemeinde einem Kredit von 605'000 Franken für die Umgestaltung der Kirchenumgebung zugestimmt. Eine erste Tranche der Gesamtkosten von 750'000 Franken war schon 2014 bewilligt worden, danach wurde aber das Projekt redimensioniert. Was lange währte, wird jetzt Schritt für Schritt Realität.

Am 13. Januar wurde mit den Bauarbeiten an der Umgebung der Kirche begonnen. Die Arbeiten sind zurzeit in vollem Gange und kommen dank der milden Witterung gut voran. Sie werden in drei Etappen ausgeführt, wie an einem Lokaltermin mit Kirchgemeinderatspräsident Alfred Kilchenmann, Architekt Josef Galli und Natal Imahorn von der Firma BBZ Landschaftsarchitekten zu vernehmen war.

Die gefällten Bäume werden ersetzt

Sie begannen mit der Fällung der alten Kastanienbäume im Westen der Kirche – wogegen es bisher keinerlei Proteste gegeben habe. Dies wohl, weil das Projekt die Pflanzung von Ersatzbäumen vorsieht. Diese werden in zwei Dreiergruppen angeordnet, mit Sitzgelegenheiten unter jeder Baumgruppe. «Das Umgestaltungsprojekt wurde eigentlich durch den Umstand ausgelöst, dass die Bäume von innen her morsch waren und ein Ersatz nötig wurde», erklärt Kilchenmann.

Auch das bisher mit einem Gittertor abgesperrte Areal im Osten wurde jetzt ausgeholzt. Die Kirche soll künftig rundum zugänglich sein. Zurzeit wird die Pflästerung ersetzt. Hier soll ein öffentlich er Park entstehen, mit weiteren fünf Kastanienbäumen, die in der Flucht des einzigen verbliebenen Baumes in der Nordostecke neu angepflanzt werden. Auch die Kirchentreppe im Norden wird neu gestaltet. Sie wird bis zur Grundstücksgrenze symmetrisch aufgebaut. Das nördlich angrenzende Areal mit dem Brunnen gehört der Stadt und ist vom Umbau nicht betroffen.

Kantonsarchäologie war vor Ort

Im Westen Richtung Robert-Luterbacherstrasse wird eine Abschlussmauer errichtet. Beim Ausheben der Fundamente kamen Skelette und Skelettteile zum Vorschein. Was keineswegs eine Überraschung ist, befand sich doch früher der Friedhof in direkter Umgebung der Kirche. Die Funde werden zurzeit von der Kantonsarchäologie untersucht (vgl. Kasten). Auch auf der Ostseite habe man vereinzelt Knochen gefunden. «Wir gehen davon aus, dass wir diese menschlichen Überreste danach wieder auf diesem Areal bestatten werden», meint Kilchenmann.

Beim Aushub fand man menschliche Überreste

Beim Aushub zur neuen westlichen Umfassungsmauer der Eusebiuskirche stiessen die Bauarbeiter vergangene Woche auf menschliche Knochen. Die Kantonsarchäologie begleitete in der Folge die weiteren Baggerarbeiten, dokumentierte die einzelnen Gräber und stellte die Knochenfunde sicher. Gefunden wurden acht Gräber, wobei die Skelette nicht vollständig waren. Entdeckt wurden Knöpfe sowie ein Medaillon und Eisenteile. Es kamen auch Ziegelfragmente aus römischer Zeit zum Vorschein. Schon in den 1930er Jahren entdeckte man in diesem Gebiet beim Aushub der Strasse menschliche Knochen.

Die Gräber dürften wahrscheinlich jüngeren Datums sein, da sich der Friedhof des damaligen Dorfes Grenchen bis 1870 bei der Eusebiuskirche befand. Dann wurde die Gräberanlage in den Lindenpark verlegt, wo sich der Grenchner Friedhof bis 1911 befand.

Im «Grenchner Heimatbuch» von Werner Strub ist festgehalten, dass die 16 Grenchner Opfer des Angriffs der französischen Armee vom März 1798 auf der Ostseite der Kirche begraben wurden. Auch dort wurden bei den Bauarbeiten einzelne menschliche Knochen gefunden. Den Opfern zu Ehren wurde ein Kreuz errichtet, das 1805 beim Neubau der heutigen Kirche auf die Westseite verlegt wurde, wo es sich immer noch befindet. (pbg)

Dem stehe aus baulicher Sicht nichts im Weg, bestätigen die Baufachleute. Beispielsweise kommt dafür der neue Park im Kirchhof in Frage, wo auch schon alte Epitaphe stehen. In der nächsten Bauetappe, wird die vor 52 Jahren angebaute Kapelle «freigelegt». Diese wird künftig von Grünflächen und nicht mehr von einer hohen Mauer umgeben sein. Die Treppe Richtung Absyte wird geöffnet und ein neuer Durchgang von Westen her geschaffen.

Beim Aushub wurden Teile von Skeletten gefunden

Beim Aushub wurden Teile von Skeletten gefunden

Peter Brotschi

In einer dritten Etappe werden auch der Eingang zum Eusebiushof (Kirchgemeindehaus) neu gestaltet und ein Teil der Umgebung (Nordosten Richtung Einmündung Schulstrasse) neu gestaltet.

Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein. Es wird auch eine Einweihungsfeier geben, deren Datum aber noch nicht feststeht.