In ihren Heimatländern sind sie durch politische Mauern getrennt, auf dem Obergrenchenberg bauen sie gemeinsam an einer. Eine Mauer, die sich entlang der Grenzen zwischen dem deutschsprachigen Mittelland und dem französischsprachigen Berner Jura zieht.

Eine Mauer für die Region, die zum Teil in Trümmern liegt und darum von Jugendlichen aus der Schweiz, Israel, Palästina und Irland innerhalb eines zehntägigen Jugendaustausches renoviert wird.

«Interkulturelle Arbeit leisten»

Organisiert wird das Projekt «Mauern bilden Brücken» vom Lommiswiler Verein Naturkultur (siehe Box). Vier Teilnehmer aus jedem Land und zusätzlich jeweils ein Gruppenleiter sind seit dem 16. August auf dem Obergrenchenberg mit der Renovation der Trockenmauer an der Wandfluh beschäftigt.

Warum machen Sie beim Projekt «Building Walls - Beaking Walls» mit?

Warum machen Sie beim Projekt «Building Walls - Beaking Walls» mit?

Oliver Schneitter, Schweizer Gruppenleiter und Präsident des Organisationsvereins: «Wir wollen einerseits kulturelle und interkulturelle Arbeit betreiben, auf der anderen Seite aber auch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umwelt fördern und so der Region etwas geben.»

Organisator kennt den Konflikt

Die Wahl der teilnehmenden Länder ist zurückzuführen auf Schneitters gute Kontakte in Israel. Er selber lebte zwei Jahre in Jerusalem (Israel). Dadurch kennt er die Spannungen zwischen dem jüdischen Staat und Palästina.

«Das ganze Thema rund um die Konflikte kann man sehr gut mit dem traditionellen Trockenmauern verbinden. Die Jugendlichen kommen aus Ländern, wo Mauern eine ganz andere Bedeutung haben als hier, und so ist der Lern- und Erfahrungseffekt sehr gross.»

Irland sei hinzu gekommen, weil in dem Land, durch die sogenannten «Peace Walls» in Nordirland, welche die Viertel zwischen Protestanten und Katholiken voneinander trennen, Mauern ebenfalls ein grosses Thema seien. «Leider fanden wir keinen geeigneten Partner in Nordirland, aber das Thema bewegt natürlich ganz Irland.»

Parallelen bei den Konflikten

Neben dem täglichen Trockenmauern stehen bei den Freiwilligen verschiedene Aktivitäten auf dem Programm. Beim Abendessen gabs an den ersten vier Abenden jeweils einen Länderabend mit entsprechendem Essen und Theaterspiel, bei dem die Kultur des jeweiligen Landes vermittelt wurde.

Jörg Lötscher erklärt, wie eine Trockenmauer gebaut wird

Jörg Lötscher erklärt, wie eine Trockenmauer gebaut wird

Am Mittwoch stand dann ein Frei-Tag an. Die einen seien wandern gegangen und die anderen ins Bieler Strandbad. «Diesen Tag brauchte es, das haben auch wir gemerkt», erklärt Schneitter.

Als spannend bezeichnet er die Diskussionsrunden. Dort würden die Parallelen der Konflikte zwischen Israel und Palästina und zwischen Irland und Nordirland ersichtlich. «Diese sind extrem stark, das ist vielen gar nicht bewusst.»

Oliver Schneitter, Präsident des Vereins Naturkultur und Projektleiter von «Building Walls – Breaking Walls»

Oliver Schneitter, Präsident des Vereins Naturkultur und Projektleiter von «Building Walls – Breaking Walls»

Prägendes Thema bei den Diskussionsrunden bleibe aber der Konflikt zwischen Israel und Palästina. «Die jeweiligen Personen aus den Ländern diskutieren über Kulturen, Grenzen, Religion und Politik und manchmal auch gegeneinander, aber nie auf einer persönlichen Ebene», so Schneitter.

Spürbare Gruppen-Dynamik

Bei einem Besuch auf der Baustelle wird schnell klar, dass es den Freiwilligen auf dem Grenchenberg gefällt und sie den Jugendaustausch geniessen. Zwar packen die einen mehr mit an als andere, die Team-Dynamik ist aber spürbar. Längst hat man sich aneinander gewöhnt und die Grüppchen, die sich unterhalten, sind alters-, nationen- und religionsdurchmischt.

Hier, auf 1350 Meter über Meer, scheinen die Konflikte in ihren Ländern für eine Woche in weite Ferne zu rücken.