Wer das Fachgeschäft Schwab Eisenwaren an der Solothurnstrasse betritt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Sortiment ist riesig, aber auf engem Raum untergebracht. Werkzeuge jeder Art und Grösse, Handwerkermaschinen, Leuchten, Schläuche, Pumpen, Dichtungen, Klebstoffe, Bänder, Arbeitskleidung, (inkl. Suva-Schuhe), Putz- und Schmiermittel, eine ganze Abteilung Farben, um nur einige Dinge aufzuzählen. Und zuhinterst, von einem kleinen Tresen abgetrennt, ein grosses Regallager mit Schrauben und weiteren Kleinteilen.

Klein ist relativ, wenn man den massiven, mehrere Kilo schweren Haken sieht, den Alain Schwab kurz aus dem Regal holt. Ein Stück kostet mehrere hundert Franken. Wer braucht sowas? - «Kranbauer, beispielsweise», kommt die sofortige Antwort. Modellbauer und Uhrmacher finden aber auch Schrauben aber der winzigen Grösse von M1.

30'000 Artikel am Lager

«Der Schrauben-Schwab» unter diesem Namen ist das Geschäft in Grenchen bekannt, hat in der Tat alles, was das Handwerkerherz begehrt. 30 000 Artikel sind am Lager, 300 000 weitere können innerhalb von 24 Stunden beschafft werden. Man arbeite dafür mit rund 700 Lieferanten zusammen. «Wir sind in den letzten Jahren enorm gewachsen, der Platz ist schon allmählich etwas knapp, doch wenn wir immer wieder etwas neu arrangieren, geht es jeweils wieder», erklärt Alain Schwab, der zusammen mit seinem Vater das Geschäft vor 19 Jahren gegründet hat. Damals noch im Rodania-Gebäude an der Riedernstrasse.

Anlass zur Geschäftsgründung war, dass anfangs der 90er-Jahre das Fachgeschäft Bregger beim Kino Palace, eine Filiale des damaligen Solothurner Fachhändlers, geschlossen wurde. Mitte der 70er-Jahre war die Familie Schwab aufgrund der Uhrenkrise von Grenchen weggezogen. Schwabs Vater hatte in der Ebosa gearbeitet. Im Zürcher «Exil» arbeitete Alain Schwab als Bauelektriker, bevor die ganze Familie 1998 beschloss, nach Grenchen zurückzukehren. Zusammen mit den Eltern und der Ehefrau wurde das Geschäft gegründet und seither kontinuierlich aufgebaut.

13 Mitarbeitende

2004 zügelte man von der Rodania an die Solothurnstrasse in die ehemalige Autogarage Sauser. Und wuchs auch dort weiter. 13 Mitarbeiter werden heute beschäftigt, darunter stets 2-3 Lernende. Die Kunden kommen von Lyss über den Bucheggberg bis in die Region Solothurn-Wasseramt. Und wenn es so weitergehe, müsse er tatsächlich in ein paar Jahren einen neuen Standort suchen mit mehr Platz, meint Schwab. Hier, nahe des Stadtzentrums an der Solothurnstrasse, sei es aber grundsätzlich gut. «Denn wenn man oft gesehen wird, bleibt man den Leuten in Erinnerung.»

Mehrere Dinge unterscheiden das Fachgeschäft von einem Baumarkt, wie er heute in fast jeder Stadt anzutreffen ist. «Wir legen Wert auf persönlichen Kundenkontakt», erläutert Alain Schwab. Stets seien fünf bis acht Personen für die Beratung vor Ort. Es gehe nicht darum, den Kunden irgend ein Produkt aufzuschwatzen, sondern jenes, das ihm optimal weiterhilft.

Von Hausfrau bis zur Industrie

«Das kann die Hausfrau sein, die ein gutes Putzmittel sucht, das auch Profis verwenden, die Industrie, der Handwerksbetrieb oder der Modellbauer», umreisst Schwab seine Abnehmer. «Durch den Dialog mit den Anwendern bekommen wir die Feedbacks, die wir für unsere Produkte brauchen, denn wir können ja nicht alles selber ausprobieren.» Dennoch ist es eine Hilfe, dass er und manche seiner Mitarbeiter Praxiserfahrung von der Montage mitbringen.
Im Endeffekt führt dieser Dialog dazu, dass man nicht fünf gleiche Geräte verschiedener Hersteller auf Lager hat, sondern einfach die besten. Damit hat man auf den rund 700 m2 (wovon nur 400 m2 Laden ist) Platz für ein enormes Sortiment: Einfach all jenes, mit dem auch die Profis arbeiten.

In allen Farben

2009 wurde dieses um 2000 Artikel erweitert, durch die Übernahme des Farbenhauses Grenchen. Partner ist Colorama Wiedlisbach und eine computergesteuerte Maschine kann bis 300 000 Farbtöne zusammenmischen.

Vor zwei Jahren wurde schliesslich auch die Grenchner Firma Brudermann übernommen, die an der Centralstrasse Schläuche, Drucklufteinrichtungen und Wassertechnik anbot. «Wir hatten bisher noch keine Zeit, um das Angebot zu integrieren, aber jetzt ist es soweit», erklärt Schwab und deutet auf einen leergeräumten Teil des Ladens, wo demnächst neue Regale aufgestellt werden. Alles andere rückt zusammen – einmal mehr.

Wie lange kann das noch so weitergehen? Schwab rechnet damit, dass jetzt ein gewisser Plafond erreicht ist. Man wolle nicht um jeden Preis wachsen, rein schon aus räumlichen Gründen nicht. Die persönliche Atmosphäre und die Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe soll beibehalten werden. So ist Schwab beispielsweise ein wichtiger Arbeitgeber für die Rodania. Die behinderten Bewohner Konfektionieren für ihn das Kleinteile-Sortiment (150 000 Produkte) in Plastiksäckli à 100 Stück. «Diese Zusammenarbeit ist erfreulich und gibt diesen Menschen eine Tätigkeit, auf die sie zu recht Stolz sind.»

Parkplätze genügen

Weiteres Wachstum ist durchaus auch ohne zusätzliche Räume möglich, beispielsweise im Internet-Shop, der schon vor mehreren Jahren gegründet wurde und inzwischen zu einem weiteren Standbein geworden ist. Schwab ist übrigens auch nicht jemand, der über mangelnde Parkplätze jammert, obwohl diese ums Haus herum knapp sind. «Für uns haben sie bisher genügt und wir können sie auch mit dem Imbiss nebenan teilen, der offen hat, wenn bei uns geschlossen ist.»

Schwabs Philosophie des persönlichen Kundenkontakts hat sich bisher bewährt. «Die Kunden lohnen es mit ihrer Treue. Und wir können damit weiterhin Arbeitsplätze, Lehrstellen und ein attraktives Geschäft für die Stadt erhalten.