Sportstadt Grenchen

Beim Radball ist vor allem Geschicklichkeit gefragt

Früher mischte Grenchen in Sachen Radball vorne mit. Heute backen die Radballer kleinere Brötchen, aber sie sind ambitioniert.

Einige Sportaffine werden sich noch an die Zeiten erinnern, als in der «Alten Turnhalle» anlässlich des traditionellen Turniers des ATB (Arbeiter Touring Bund) Grenchen die Weltelite um den Sieg spielte. Namen wie Oberhänsli/Meile oder die Brüder Pospisil (damalige Tschechoslowakei) waren in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts jedem Sportfan ein Begriff.

Auch die Grenchner stellten mit Maurer/Wirth oder Meister/Trösch Teams in den obersten Schweizer Spielklassen, was aber noch vor dem sportlichen Zusammenschluss des ATB mit dem SRB (Schweizerischer Radfahrer-Bund) zustande kam. Die ATB-Meisterschaft wurde etwa eine Klasse schwächer als diejenige des SRB eingestuft.

Sportlich backt man in der Zwischenzeit kleinere Brötchen, der Verein ist aber weiterhin gesund und aktiv. Auch das Turnier gibt es noch, allerdings wird nicht mehr auf höchstem Niveau gespielt.

Einer der ältesten Vereine in der Stadt

Der 1919 gegründete Verein ist einer der älteren in unserer Stadt. Er zählt rund 70 Mitglieder, wovon im Moment 10 den Sport aktiv betreiben. «Besonders bei den Junioren sind wir mit drei Teams gut aufgestellt, sie wollen wir an den Spitzensport heranführen», erklärt Präsident Roland Reist.

Er selber tritt auch noch im Wettkampf in die Pedale, fungiert er doch als Ersatzmann in der einzigen aktiven Mannschaft (3. Liga) mit Andrea Gabbellini und Kevin Gander. «Da Kevin in seinem Beruf hie und da unabkömmlich ist, komme ich doch ziemlich regelmässig zum Einsatz» gibt der 50-Jährige zu Protokoll. Seine erfolgreichste Zeit habe er aber zur Jahrhundertwende gehabt, als er mit seinem Bruder Thomas ein Duo in der 1. Liga bildete.

Der Inhaber eines Fachgeschäftes in Grenchen hat nicht nur dieses von seinem Vater übernommen, er ist auch durch ihn zum Radball gekommen: «Er war aktiver Radballer. Als 14-Jähriger habe ich an einem Plauschturnier teilgenommen und bin seither dabeigeblieben.»

Die Sportler des ATB haben eine nicht ganz leichte Zeit hinter sich. Die Ankündigung des Umbaus «ihrer Heimat» Alte Turnhalle zur neuen Stadtbibliothek hat einige Irritationen über die Zukunft des ATB hervorgerufen. «Diese sind nun behoben. Wir sind glücklich in der Nordbahnhof-Halle, wo wir über alles verfügen, um zu trainieren, Wettkämpfe zu bestreiten und natürlich unser traditionelles Turnier im November durchzuführen.»

Im Training mit dem Radball-Club Grenchen: Präsident Roland Reist erklärt das Spiel

Im Training mit dem Radball-Club Grenchen

Mit dem Vorderrad aufs Tor spielen

Radball wird mit einem 600 Gramm schweren Ball in Mannschaften auf Tore gespielt. Jeder Spieler sitzt auf einem speziellen Velo, befördert wird der Ball in der Regel mit dem Vorderrad. Eine Zweier-Radball-Partie dauert zweimal sieben Minuten. Wer sich im eigenen Strafraum aufhält, was pro Team stets nur einem Spieler erlaubt ist, darf den Ball mit den Händen fangen. Ansonsten darf nur spielen, wer die Hände am Lenker und die Füsse auf den Pedalen hat.

Die Räder sind mit charakteristischen Kuhhorn-Lenkern ausgestattet und verfügen über einen Starrlauf. Kostenpunkt gut 3000 Franken. Dies soll aber potenzielle Neueinsteiger nicht abschrecken. Die Räder werden vom Verein gestellt. «Die Wartung obliegt dann aber dem einzelnen Spieler. Sie sind verantwortlich auch für die Reparaturen», fügt der Präsident bei. Häufigste Defekte ergeben sich an den Speichen, da diese durch das Bespielen des stattlichen Balles aus Rosshaar (Kostenpunkt 100 Franken) doch einer beträchtlichen Belastung ausgesetzt sind.

100-Jahr-Feier im internen Rahmen

Der ATB wurde vor 100 Jahre gegründet, als sich die damalige Arbeiterschicht auch dafür einsetzte, dass ihre «Klientel» Zugang zu sportlichen Aktivitäten hatte. Das Jubiläum wird man vor allem intern feiern. Möglicherweise wird das bereits angesprochene Turnier vom 2. November etwas grösser ausfallen als sonst.

Trainingstag ist jeweils der Dienstag ab 18.45 Uhr in der Nordbahnhofhalle (unten). Wer diese spektakuläre Sportart für sich erkunden will, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen. Gefragt ist dabei vor allem Geschicklichkeit. «Es braucht dazu auch ein gewisses Durchhaltevermögen. Man sollte nicht gleich aufgeben, wenn nicht alles gleich so klappt, wie man sich das vorgenommen hat», ergänzt Roland Reist.

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