«Laut Hundertjährigem Kalender wird das Wetter ausgezeichnet», sagt Heinz Westreicher, der Präsident des Grenchner Gewerbeverbands GVG. Und Theo Heiri-Schatt doppelt nach: «Der Wetterdienst, den ich konsultierte, sagt dasselbe.» Westreicher und Heiri, der Präsident des Organisationskomitees für das Grenchner Fest 2016, sind sehr zuversichtlich, dass die zehnte Auflage des Anlasses, dem man mit dem Motto «Back to the Fifties» und der gleichzeitig stattfindenden Gewerbeausstellung des GVG neuen Schwung geben will, nicht nur diesbezüglich ein Erfolg wird.

2012 wurde das in ein Badifest umfunktionierte Grenchner Fest komplett verregnet, es fiel buchstäblich ins Wasser – sowohl was die Besucherzahlen als auch die Finanzen anbelangt. Mangels Anmeldungen musste im gleichen Jahr die Grenchner Winterausstellung des Gewerbeverbands GVG, die GREWA, abgesagt werden. Ein Schicksalsjahr für beide Anlässe, sollte man meinen, denn es sah ganz danach aus, als ob niemand mehr den Mut aufbringt, einen Neustart zu versuchen.

Doch die Idee eines Fünfzigerjahre-Festes geisterte durch manche Grenchner Köpfe (wir berichteten), und so kam eines zum anderen: Ein OK wurde zusammengestellt, das laut dessen Präsident eine ausgezeichnete und engagierte Arbeit geleistet hat und immer noch leistet: «Wir haben ein sehr aktives OK mit einem guten Kernteam, das auf einer grossen Vertrauensbasis zusammenarbeitet.» Wichtige Grenchner Persönlichkeiten seien eingebunden und arbeiteten mit, so zum Beispiel Peter Traub, auf dessen grosse Erfahrung im Gastrobereich man bauen könne. Oder Kurt Gilomen, der die Kontakte zu den Bands herstellte, die an den drei Tagen auftreten.

Synergien nutzen

Auch sonst konnten die Initianten von Synergien profitieren, wie zum Beispiel dem neuen Café des Kultur-Historischen Museums im Stil der 50er, das unabhängig vom Grenchner Fest geplant war, jetzt aber just in dieser Woche eröffnet wird. Auch die Gemeinnützige Gesellschaft, die mit ihrer Brocante an die Marktstrasse umgezogen ist, will ihren Tag der offenen Tür,resp. die offizielle Eröffnung, im Rahmen des Grenchner Festes abhalten.

«Back to the Fifties» – ein Motto, das weit über die Region hinausstrahle. Grenchen wurde in den Fünfzigerjahren zur Stadt, erlebte einen nie zuvor da gewesenen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auf die Gesellschaft und die Architektur niederschlug. «Für Grenchner wird das ein Grenchner Fest, für Auswärtige ein 50er-Jahre-Fest», so Heiri.

Er glaube nicht, dass beispielsweise ein Solothurner nach Grenchen an ein Grenchner Fest komme, an ein Fifties-Fest aber schon. «Als sich herumsprach, dass wir so ein Fest veranstalten, erhielten wir Anfragen von Auswärtigen, die nun zum Teil auch mitmachen, wie den Freunden alter Motorräder, dem Vespa-Club Gerlafingen und dem VW-Käfer-Club aus dem Seeland.»

Grosses Engagement

Viele Grenchner Vereine sind mit dabei, das Echo sei wirklich positiv, so die beiden Strippenzieher. Etwas unverständlich fehlen alle Grenchner Fussballklubs – der FC Leuzigen ist in die Bresche gesprungen und wird das zweitgrösste Festzelt auf dem Platz betreiben. Besonders erwähnenswert das Engagement des Restaurants Parktheater und der rodania, Stiftung für Schwerbehinderte: In ihren Werkstätten entstanden viele der Dekorationen, ganz im Stil der 50er, wie beispielsweise Mobiles aus alten Vinylplatten.

Auch die Support-Buttons mit Grenchner 50er-Jahre-Sujets, die am Fest selber von den Pfadi für einen Fünfliber verkauft werden, wurden in der rodania hergestellt. «Einen Button zu tragen, ist Ehrensache», so Theo Heiri schmunzelnd. Einen Teil des Erlöses können die Pfadi sogar behalten.

Aber auch die Grenchner Beizen rund um den Marktplatz seien voller Elan mit dabei. Westreicher lobt auch die absolut unkomplizierte und gute Zusammenarbeit mit den diversen städtischen Behörden. Die Stadt unterstützt das Grenchner Fest mit einem kleineren finanziellen Betrag und einem grösseren Betrag in Form von Naturalleistungen. Stadtpolizei, SWG und Werkhof werden für ihre Leistungen keine Rechnung stellen.

Mit einem relativ bescheidenen Budget von rund 70 000 Franken könne man es sich aber trotzdem nicht leisten, das Motto bis ins Letzte durchzuziehen. «Im Ausland gäbe es natürlich auf diese Zeit spezialisierte Händler und Schausteller, auf die wir vielleicht bei einer nächsten Ausgabe zurückkommen werden.» Wie es am nächsten Wochenende dann tatsächlich aussehe, da liesse man sich überraschen, so Heiri. «Das Kribbeln vor dem Fest ist gross.»

Bei Gewerbe und Vereinen sei «Back to the Fifties» eine mehrfach geäusserte Bitte gewesen und er sei zuversichtlich, dass das auch umgesetzt werde. Denn sie könnten auch vom Grenchner Fest profitieren, so Westreicher: «Sie mieten den Standplatz und liefern nur einen kleinen Prozentsatz ihres Umsatzes ab, der Rest ist ihr Gewinn. Bei der Gestaltung ihres Standes oder Zelts und wie sie auftreten sind sie völlig frei.» Nur der Getränkelieferant sei nicht frei wählbar, da Feldschlösschen auch die ganzen Kühlschränke und Zapfanlagen liefere.

Ins Grenchner Fest integriert ist übrigens auch die SWG-Chinderolympiade, die am Samstag auf dem SoBa-Parkplatz über die Bühne geht. Das Grenchner Fest wird dadurch tatsächlich zum Anlass für Gross und Klein.

Vor dem Fest ist vor dem Fest

Heiri und Westreicher denken natürlich schon jetzt über eine Fortsetzung nach. «Das Motto Fünfzigerjahre ist geeignet, auch für die Zukunft eingeplant zu werden. Eventuell kann man dann auch Firmen ansprechen, wie eine Migros, die ja noch immer Verkaufswagen aus der Vergangenheit rumstehen hat.» Auch Firmen wie Kambly, Pepita und andere, die in der Zeit aufkamen, könnte man eventuell gewinnen und so das Grenchner Fest alle drei Jahre zu einer festen Tradition werden lassen.

Detailliertes Programm: www.grenchnerfest.ch