Was der Gewerbeverband Grenchen (GVG) mit Vizepräsident Markus Arnold und Team im letzten Dreivierteljahr erreicht hat, kann sich sehen lassen (siehe Kontext). Dennoch musste Interimsleiter Arnold an der Jahresversammlung ernste Worte sprechen, und zwar aus gutem Grund. «Mit unserer zentralen Frage, der Besetzung des neuen Präsidiums, sind wir leider gescheitert. Ich stehe mit leeren Händen vor Ihnen», stellte der Vizepräsident fest.

Trotz immensem Aufwand ist es der Task-Force mit Ruedi Spielmann, Blanchette Knuchel und Richard Enzler nicht gelungen, einen Gewerbetreibenden oder eine Gewerbetreibende zu finden, die die Arbeit von Brigitte Gürber übernehmen würde. Die Tatsache, dass dem GVG die Führungslosigkeit droht, stimmte Markus Arnold traurig. Er war sich aber auch bestens bewusst, dass nicht die knapp 70 Mitglieder im Ratssaal des Parktheaters das Problem waren, sondern jene Gewerbler, welchen es an Tatkraft und Einsatzwillen mangelt.

Mitgliederaktivität ist gefragt

Deshalb macht der Gewerbeverband ernst: Im Mai wird eine ausserordentliche Generalversammlung stattfinden, an der der Vorstand den Mitgliedern Varianten zur Fortführung des Vereins aufzeigen wird – die Frage ist, wie der Verband geführt werden soll. «Ich selbst stehe für das Präsidium nicht zur Verfügung», erklärte Arnold am Dienstagabend dem Publikum. Die Präsidiumsarbeit mit dem Job in der Dropa-Drogerie und seiner Familie unter einen Hut zu bringen, erwies sich für ihn als zu belastend.

Im Mai sollen die Mitglieder darüber bestimmen, welchen Weg man einschlagen will und welche Konsequenzen man in Kauf zu nehmen gedenkt. Dies wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen. Zu den Varianten wird derzeit nichts verraten. Vom Verein, der sich gelegentlich zum gemütlichen Meeting trifft, bis zum straff organisierten, aktiven Verband mit besser bezahlten Funktionen, liegt alles drin. Den Verband an sich stelle er nicht infrage, erklärte Arnold. «Dennoch ist sicher, dass das Präsidium künftig ganz anders organisiert sein muss.» Dringend und weiterhin sucht der GVG nach einer Präsidentin oder einem Präsidenten. Der gegenwärtige Vorstand wurde von der Versammlung einstimmig bestätigt, definitiv ist diese Lösung aber nur bis zur GV im Mai. Im vergangenen Jahr verzeichnete der GVG ausserdem drei Eintritte und sechs Austritte.

Mitgliederbeitrag erhöht

In der Jahresrechnung 2011 zeigte Finanzchef Roger Rossier ein negatives Jahresergebnis von fast 6000 Franken auf. Die Mitgliederbeiträge sind leicht auf 55000 Franken gesunken, andererseits hat der GVG sinnvoll, aber viel Geld in Projekte wie die Weihnachtsausstellung oder die Publikation «Lebendiges Gewerbe» investiert. Den roten Zahlen hatte der Finanzchef auch eine erfreuliche Meldung gegenüberzusetzen: So hat sich der Verkauf der GVG-Gutscheine, welche demnächst ein Revival erleben sollen, im Vergleich zum Vorjahr auf rund 53000 Franken beinahe verdoppelt. Dieser Sprung gelang durch neue Abnehmer, wie die neue Wohnbaugenossenschaft, erklärte Roger Rossier.

Schliesslich hatten die Mitglieder auch die Beitragserhöhung von 10 Franken zu genehmigen, welche aus der Erhöhung der Beiträge an den kantonal-solothurnischen Gewerbeverband KGV resultierten. Die eigenen Beiträge werden nicht erhöht, könnten an der GV im Mai aber eventuell nochmals diskutiert werden.