Aufregung in Grenchen – am 30. Oktober 1911 – eine gute Woche vor dem eigentlichen Beginn der Bauarbeiten am ehrgeizigen Projekt – organisierte die Gemeinde Grenchen zum Auftakt des Jahrhundertwerkes einen feierlichen Fackelzug mit Ansprachen und Musik. An diesem nahmen alle Schülerinnen und Schüler sowie die Ortsvereine teil. Mit diesem feierlichen Anlass unterstrich die Behörde die Bedeutung, die dem Tunnel durch den Grenchenberg zukam. Mit Recht erwartete man, dass die Verbindung in den Jura die Wirtschaft in Moutier und Grenchen positiv beeinflussen werde.

Beidseits ansteigend

Die ausführende Baugesellschaft war die «Société Franco-Suisse de construction, ligne Moutier – Longeau, Prud’homme, Rothpletz & Cie., Berne». Die Länge des Tunnels beträgt 8565 m. Weil die Tunnelröhre im Bergesinneren von beiden Seiten ansteigt, nennt man diesen Tunnel-Typ «Scheiteltunnel». Die Steigung aus der Richtung von Grenchen beträgt 13 Promille; von Münster aus wird dagegen eine Steigung von bloss 2,5 Promille gemessen. Noch ein interessantes Detail – der Tunnel ist schnurgerade bis auf die letzten 55 m an seinem nördlichen Ende, also vor dem Ausgang in Moutier.

Doch nun nähern wir uns den Tunnelarbeitern: Die ersten 1302 Meter des Stollens auf Grenchner Seite wurden von Hand durchbohrt. Eine grandiose Leistung der Mineure. In der Schrift «Tripoli» hielt Alfred Fasnacht fest, dass sich auf der Baustelle Moutier insgesamt 556, auf der Baustelle Grenchen weitere 552 Arbeitsunfälle ereigneten. Es waren dies alles recht schwere Unfälle, denn in der Statistik wurden nur solche erwähnt, die einen Arbeitsausfall von mindestens sechs Tagen zur Folge hatten.

12 Arbeiter kamen um

Während der Bauzeit verloren zwölf Tunnelarbeiter ihr Leben, acht davon auf der südlichen Baustelle Grenchen. – Auf der Südseite des zukünftigen Tunnels wurden die Arbeiten an 280 Tagen eingestellt: Wegen Streik während 72 Tagen, wegen Mobilisation der Armee (1914 – während des Baus – brach der Erste Weltkrieg aus), weitere 53 Tage, wegen Druckerscheinungen während fünf Tage und wegen des Wassereintritts sogar während 114 Tagen. Im Schlussbericht wurde berechnet, dass während 10,9 Prozent der gesamten Bauzeit die Arbeit aus einem der erwähnten Gründe ruhen musste. Trotzdem wurden die zeitlichen Vorgaben eingehalten.

Am 27. Oktober 1914 wurde bei Tunnel-Kilometer 4,223 die letzte Steinmauer in der Tunnelmitte durchstossen. Sofort machten sich die Ingenieure und Techniker daran, die tatsächliche Abweichung der beiden Stollen auszumessen. Das Ergebnis war ausgezeichnet: Nur gerade um 90 mm waren die beiden Gänge von den Plänen abgewichen. –Ein in jeder Beziehung grossartiges Ergebnis, das für die gute Arbeit der Beteiligten spricht.

Interessieren dürften auch weitere technische Daten, die in der erwähnten Schrift «Tipoli» des Kultur-Historischen Museums Grenchen zu finden sind. Man rechnet, dass im Verlauf der Arbeiten 350›000 Kubikmeter Material ausgebrochen wurden. Dabei wurden 359›000 kg Sprengstoff eingesetzt.

Die Ausstellung «100 Jahre Grenchenbergtunnel» beginnt im Kultur-Historischen Museum Grenchen mit der Vernissage am Donnerstag, 17. September 2015. Die Ausstellung zum gleichen Thema im Museum von Moutier beginnt am 1. Oktober 2015l

In einer Serie beleuchten wir den Werdegang des Grenchenbergtunnels, der vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1915 eröffnet wurde. Er ist der längste Juradurchstich in der Schweiz. Bisher erschienen Beiträge am 20. + 27. Juli und am 5. August.