«Ich habe ein gutes Gefühl. Dieses Mal wird es klappen!» Robert Gilomen, Projektleiter beim Turnverein Grenchen (TVG), versucht gar nicht erst seine Euphorie zu verstecken - muss er aber auch nicht.

Im Gegenteil, er und die Turner haben Grund zum Feiern. Schliesslich scheint es beim dritten Anlauf endlich mit der lang ersehnten Stadion-Sanierung zu klappen. Seit 1987 wartet der Traditionsverein nämlich schon auf diesen Moment.

Der erste Versuch, Ende der 80er-Jahre, im Zusammenhang mit dem städtischen Projekt «Mehrzweckhalle», scheiterte an der Urne. Beim zweiten Anlauf musste der TVG, vor noch nicht all zu langer Zeit, dem Prestigeprojekt Velodrome den Vortritt lassen.

Was das neue Projekt von den Beiden vorherigen unterscheidet, ist, dass dieses Mal keine Mehrzweckhalle erstellt werden soll. Neben der Komplettsanierung sollen aber zwei Infrastrukturgebäude sowie einen Kommandocontainer im Zielbereich der Rundbahn gebaut werden.

Der diesjährige Weg der Sanierung

Im letzten Jahr an der Generalversammlung des Turnvereins habe er das Projekt in den wesentlichen Punkten vorgestellt - das Vorhaben sei darauf durch die GV genehmigt worden.

«Man hatte sich dann entschieden, eine Projektorganisation einzuleiten, deren Chef ich bin», erklärt Röbi Gilomen. Er habe rund 20 Mitarbeiter, die sich auf verschiedene Gruppen verteilen.

Alleine in der Finanzgruppe seien es Sechs. Das gute Gefühl von Gilomen kommt also nicht von ungefähr und wurde letzte Woche noch einmal bestärkt. Der Grenchner Gemeinderat hatte sich nämlich zum Projekt informieren lassen und anschliessend zustimmend Kenntnis von der geplanten Sanierung genommen.

«Und dieses Mal war es sogar so, dass die Stadt im Vorfeld signalisierte ‹Hey jetzt seit ihr endlich dran›», erklärt ein zufriedener Gilomen.

Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf rund 2,85 Mio. Franken. Alleine die Sportanlagen (Kugelstossen, Weitsprung Doppelanlage etc.) kosten rund 1,8 Mio. Franken. Weitere 1,05 Mio. Franken rechnen sich für die Hochbauten (Vorbereitungsarbeiten, Gebäudekosten etc.). Geld sparen kann der TVG beim Landkauf, das Stadion gehört nämlich seit Anbeginn den Turnern selbst und ist bis heute schuldenfrei.

Der Preis lässt den Nicht-Leichtathleten trotzdem aufhorchen. Darum macht Gilomen einen Vergleich: «Ein Neubau eines Leichtathletikstadions würde rund 10 Mio. Franken kosten.» Zudem übernehme der TVG rund 500 000 Franken selbst.

Dies soll durch Erweiterung des Werbeangebots, direkte finanzielle Leistungen mithilfe des TVG-Vermögens und rund 1500 Stunden der Volontaris (pensionierte Turner, die sich unentgeltlich einmal in der Woche um den Stadionunterhalt kümmern) geschehen. Der Rest soll vom kantonalen Lotteriefonds, vom Bund, vom Kanton und von der Stadt Grenchen zusammenkommen.

«Es braucht eine Kunststoffbahn»

Eine Sanierung der Anlagen sei dringend nötig, betont Röbi Gilomen. «Bis auf die 400m Aschenbahn sind alle unbrauchbar. Aber was nützt die beste Aschenbahn, wenn niemand darauf trainiert, weil diese bei Wettkämpfen nicht zum Einsatz kommt?», stellt er eine rhetorische Frage.

In der heutigen Zeit sei es nämlich so, dass in der Leichtathletik Kunststoffbahnen unumgänglich seien und der Kanton Solothurn dort so oder so Nachholbedarf habe. Bisher gebe es nur eine in Olten.

Gilomen stellt aber klar: «Wir wollen kein grosses Stadion für grosse Leichtathletik-Meetings sein, es soll weiterhin ein Trainingsstadion bleiben, wo aber regionale Meetings stattfinden können.»

Auch bei der Bewirtschaftung des Stadions will sich der Verein zurückhalten. «Viele Vereine meinen immer man müsse zu jeder Zeit ein Restaurant betreiben, wir wollen aber nicht die Grenchner Betriebe konkurrieren und müssten für den Unterhalt so oder so wohl mehr bezahlen, als wir generieren würden.»

Darum werde der Restaurationsbetrieb nur auf Anlässe ausgerichtet sein. Ähnliches gelte für die Infrastruktur wie die Garderoben und Toiletten. Diese würden nur für die Trainingseinheiten ausgelegt.

Bei Anlässen profitiere man von Synergien mit dem Velodrome. «Nicht zuletzt steht das Stadion natürlich nach wie vor den Schulen kostenlos zur Verfügung», so Gilomen. Der Projektverantwortliche spricht davon, dass man in Grenchen einen regionalen Trainingsstützpunkt aufbauen möchte. «Wir wollen möglichst viele Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Region wieder in das Stadion locken.»

Wie weiter?

Nach der Kenntnisnahme durch den Gemeinderat hofft der Projektleiter nun darauf, dass das Projekt morgen Freitag an der Generalversammlung 2014 durch die Turner abgesegnet wird.

Er zeigt sich positiv, dass sie sogar heuer noch anfangen könnten zu bauen. «Wenn wir denn im finanziellen Bereich gut vorwärts kommen.» Gewisse Vorarbeiten könnten die Volontaris bereits leisten. «Das dauert dann halt auch ein bisschen länger, weil sie auch nicht mehr die Jüngsten sind», sagt ein strahlender Gilomen und lacht.