Grenchen
Beim BGU gibt es Verbesserungspotenzial

Eine Testfahrt auf dem Busbetrieb Grenchen und Umgebung zeigte einige Mängel auf. Trotz Kritik kam dem Pseudo-Testfahrer auch Lob über die Lippen.

Marlene Sedlacek
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Neuer BGU-Gasbus auf Jungfernfahrt. Punkto Nachhaltigkeit ist der BGU top, beim Service entdeckte der Tester noch Mängel. at

Neuer BGU-Gasbus auf Jungfernfahrt. Punkto Nachhaltigkeit ist der BGU top, beim Service entdeckte der Tester noch Mängel. at

Der Busbetrieb Grenchen und Umgebung würde nicht besonders gut abschneiden, käme heute ein Testkunde vorbei. öV-Berater Christoph Rickli von der ETC-Gauff Mobility Solutions, berichtete an der Generalversammlung der BGU über seine Eindrücke, die er als Pseudo-Testfahrer vom Grenchner Busbetrieb erhalten hatte.

Als Erstes fielen ihm am Bahnhof Süd ein verschmutzter Abfalleimer und ein Billettautomat, der ausser Betrieb war, auf. Bei der Fahrt nach Selzach fragte er sich, welche Kirche auf der Anzeigetafel wohl gemeint sei.

Beim Aufenthalt am Bahnhof Selzach stellte er fest, dass sich die gedeckten Wartegelegenheiten nicht in Sichtweite der Haltestelle befanden. «Eine Person, die nicht gut zu Fuss ist, müsste riskieren, dass der Bus abfährt, bevor sie die Haltestelle erreicht», bemängelte er.

Er montierte kurzerhand die Kapuze und wartete im Regen. Dabei bemerkte sein unbarmherziges Auge Vogeldreck auf der Haltestellentafel. Einen Kaffee bekam er im Beizli, das «Coffee to go» anpries, auch nicht, weil es zu war.

Er hatte aber auch lobende Worte für die BGU übrig. Die Haltestelle am Postplatz gefiel ihm sehr gut. «Alles tipp- topp», urteilte er. Ein Chauffeur senkte den Bus für eine gehbehinderte Person vorschriftsgemäss ab. Er pries den Defibrillator, der dort aufgehängt ist und die Praline, die er in einer nahen Confiserie versuchen durfte.

Kritische Testkunden

Die ETC-Gauff Mobility Solutions erhebt mit einem Qualitätsmessungssystem im Auftrag des Bundesamts für Verkehr Daten von öffentlichen Verkehrsbetrieben. Dabei prüft sie einerseits die Echtzeitwerte: Ist ein Bus zur rechten Zeit an einer Haltestelle? Sind die Zeitangaben auf den Anzeigetafeln korrekt? Werden Verspätungen und Ausfälle richtig angezeigt? Andererseits sind 70 Testpersonen täglich in der ganzen Schweiz unterwegs, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu beurteilen. Sie legen Augenmerk auf die Sauberkeit in den Fahrzeugen und an den Haltestellen, auf Spuren von Vandalismus, auf Kompetenz und Korrektheit des Fahrpersonals. Die Fahrgastinformationen im Normal- und im Störungsfall werden genau unter die Lupe genommen und auf Verständlichkeit und Nützlichkeit überprüft. Ab 1. Juli werden erstmals in Grenchen Testkunden eingesetzt.

Qualitätsstandard heben

Das Bundesamt für Verkehr erhebt die Daten nicht, um ein Bonus-Malus-System einzuführen. Ziel ist, Schwachstellen zu erkennen und herauszufinden, wo am sinnvollsten Geld einzusetzen ist, um den Qualitätsstandard zu heben. Dies im Hinblick auf die Touristen, die in die Schweiz kommen, aber auch für die Einheimischen, damit der Anreiz zur Nutzung der öffentlichen Mittel grösser wird.

Libero steigert Ertrag

Die Jahresrechnung der BGU schloss mit einem kleinen Plus von 4'398 Franken ab. «Den Aufwand hatten wir im Griff», erläuterte Verwaltungsratspräsident Peter Vogt. Er fiel gegenüber dem Vorjahr um 67'220 Franken tiefer aus. Auf der Ertragsseite gab es eine Reduktion von 91'952 Franken.

Vogt schreibt dies den verminderten Abgeltungen durch Bund und Kanton und geringeren Erträgen aus Auftragsfahrten zu. Er pries die Fusion der Tarifverbünde Libero und Abo zigzag. «Diese hat den Ertrag aus dem Linienverkehr markant gesteigert», freute er sich. Eine Dividendenauszahlung gibt es nicht. Der Bilanzgewinn von 30'768 Franken wird auf die neue Rechnung vorgetragen.