Es muss irgendwann im Sommer 1984 gewesen sein, als sich einige Jazzbegeisterte im lauschigen Garten des Restaurants Ticino in Smalltalk übten. Mit dabei war auch der unvergessene Willy Jendly, Banjo-Spieler bei den legendären, allerdings in alle Winde zerstreuten «River Rats».

Dieser wusste vom bevorstehenden Besuch ihres Schlagzeugers aus Brasilien zu berichten. Hier könnte die Geschichte als Anekdote zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Die Beteiligten liessen es nämlich nicht beim Stammtisch-Geplauder bewenden, sondern versuchten, die übrigen Bandmitglieder nach Grenchen zu locken.

Und siehe da: Am 25. November spielten die Musiker zur Matinee im «Titsch» auf. «In einer Blechdose haben wir Geld gesammelt, um die Band wenigstens ein wenig entlohnen zu können», erinnert sich Therese Frei. Und sie fügt bei: «Die Premiere war ein Erfolg, also wieso sollten wir nicht weitere Matineen folgen lassen?»

Die jungen, unkonventionellen Konzertveranstalter konnten dabei auf die Solidarität der Bands zählen. «Auch renommierte Gruppen kamen zu uns und musizierten für ein Trinkgeld», erinnert sich der langjährige Kassier Willy Zürcher.

Gönner wurden gefunden und so «nadisna» entwickelte sich das Ganze zu einer regelmässigen Angelegenheit. «Irgendwann haben wir uns entschieden, vier Matineen pro Jahr durchzuführen», weiss Pierre Amez-Droz zu berichten. Wobei die morgendlichen Veranstaltungen oft genug bis in die Nacht dauerten, da etliche Musiker die Gelegenheit beim Schopf packten und bei den anberaumten Jamsessions kräftig mittaten.

Krisenresistente Kultur

Wohl nur insgeheim hätten es sich die Gründer träumen lassen, dass 30 Jahre später ihre Spontannummer noch immer im Grenchner Kulturreigen munter mittanzt. Doch der alte Jazz und ihre Macher haben sich als krisenresistent erwiesen, nicht zuletzt deshalb, weil auch die Stadt Grenchen auf das Angebot aufmerksam wurde und die Veranstaltungen seither grosszügig unterstützt.

So gingen bisher an die 150 Konzerte mit illustren Gästen wie Harlem Ramblers, Swiss Dixie Stompers, Ambass Town Jazzband, Bowler Hats, Glugg Glugg Five, Buddha Scheidegger, Harry Satchmo Güntlisberger, Oskar Klein oder natürlich Alex Zahler über die Bühne. Unvergessen sind auch die Auftritte einer schwedischen Familienband, von steppenden und jazzenden Holländern oder swingenden Russen.

Seit einigen Jahren finden die Matineen in der «Schönegg» statt. Dazu sind auch die Brunchs an der Sonderschule anlässlich des Sonbre-Festes eine schöne Tradition geworden. Und mag die Geschichte des Pro Jazz auch eine etwas wechselvolle gewesen sein (besonders was die Lokalitäten betrifft), eines bleibt so unverrückbar wie die Bourbon Street in New Orleans: Die Pro-Jazz-Matineen sind gratis und es wird kein Konsumations-Zuschlag erhoben.

Drei musikalische Leckerbissen

Zum Jubiläum hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Gegen ein bescheidenes Entgelt von 15 Franken können in der Aula des Schulhauses IV an einer Soiree diesen Samstag gleich drei musikalische Leckerbissen genossen werden. Die Band der therapeutischen Wohngemeinschaft Jabahe nimmt die Besucher auf eine musikalische Weltreise mit und die Bigband UIB Jazz Orchestra aus der Region Biel-Seeland und Jura spielt Kompositionen der einflussreichsten Musiker des Genres (Count Basie, Duke Ellington, Glenn Miller). Schliesslich unterhalten die Harry Satchmo All Stars mit swingendem Dixieland und einer Hommage an den unvergleichlichen Louis Armstrong. Selbstverständlich wird auch für das leibliche Wohl gesorgt sein.

Samstag, 14. Juni, 19 Uhr. Aula, Schulhaus IV, Grenchen. 30 Jahre Pro Jazz mit: Jabahe-Band, UIB Jazz Orchestra und Harry Satchmo All Stars.