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Bei Notfällen müssen die Sanitäter auf alles vorbereitet sein

Heute öffnen wird die Türen des Ambulanzfahrzeugs des Rettungsdienstes Grenchen. Im diesem Fahrzeug findet man viel Technik – aber ohne Menschen klappt es nicht.

Oliver Menge
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Die Tür zum 18.Dezember.

Die Tür zum 18.Dezember.

Oliver Menge

Wenn sich die Türen des Rettungswagens öffnen, verheisst das in den meisten Fällen nichts Gutes. Denn der Rettungsdienst wird über die Nummer 144, die Nummer der Alarm- und Einsatzzentrale, nur dann aufgeboten, wenn ein medizinischer Notfall vorliegt.

Knapp 1500-mal ist der Rettungsdienst Grenchen im letzten Jahr ausgerückt, dieses Jahr werde es sogar noch etwas mehr sein, sagt Reinhard Grichting, der Leiter des Rettungsdienstes. Kein Einsatz gleicht dabei dem anderen, und doch geht es im Grunde immer um das eine: «Wir werden zu Unfällen oder medizinischen Notfällen gerufen, machen bei Verletzten oder Kranken die medizinische Erstversorgung, führen lebensrettende Sofortmassnahmen durch und gewährleisten wenn nötig den schnellstmöglichen Transport in ein Spital», erklärt Grichting.

Weil die Art der Notfälle sehr unterschiedlich sei, müsse man materiell und technisch auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, so Grichting. Die drei Ambulanzen des Rettungsdienstes Grenchen – zwei grosse Rettungswagen von Mercedes und ein VW-Transporter – sind identisch ausgerüstet.

Der Transporter sei praktisch für Einsätze, wo man mit den grossen Fahrzeugen nicht hinkomme, wie zum Beispiel zum Brüggli oberhalb Selzachs. Laut Grichting seien die Fahrzeuge punkto Einrichtung auf dem modernsten und besten Stand, den man sich nur wünschen könne.

Das Ambulanzfahrzeug von Rettung Grenchen.
12 Bilder
Von aussen erreichbar: das Bergungsmaterial
Reinhard Grichting mit dem Kinderkoffer
Im Kinderkoffer sind die wichtigsten Instrumente in Kindergrösse vorhanden
Die Rettungsbahre auf Rollen trägt 200 Kilo
Der Medikamentenschrank mit den wichtigsten Medikamenten für den Notfall
Viel Material zur Wundversorgung und Desinfektion
Instrumente für die Intubation
Spezielle Zange zum Durchschneiden von Fingerringen
EKG-Einheiten
Die Raupe um Patienten über Treppen zu transportieren
Das Beatmungsgerät, manuell oder automatisch

Das Ambulanzfahrzeug von Rettung Grenchen.

Oliver Menge

18 Personen arbeiten beim Rettungsdienst Grenchen und gewährleisten die Einsatzbereitschaft während 365 Tagen rund um die Uhr. 15 der Mitarbeiter sind ausgebildete Rettungssanitäter, zwei befinden sich in Ausbildung und eine Person ist verantwortlich für die Administration. Immer zwei Rettungssanitäter haben Pikett und übernachten auch in der Einsatzzentrale an der Lebernstrasse.

Bei einem Notfall können die Sanitäter so innert Minuten am Einsatzort sein – der Rettungsdienst Grenchen sei übrigens der Schnellste des Kantons, wie aus einer Aufstellung der Alarmzentrale hervorgehe, sagt Grichting.

Solothurn ist nicht immer 1. Wahl

Das medizinische Equipment des Rettungswagens (siehe Kasten) erlaube eine umfassende Diagnostik und helfe bei der Entscheidung, wohin man mit dem Patient fahre, so Grichting: «Es ist nicht so, dass wir die Patienten einfach ins nächste Spital bringen. An erster Stelle steht der Wunsch des Patienten, wohin er gebracht werden möchte. Kann er diesen Wunsch nicht äussern, ist die Art des Notfalls entscheidend.»

Viel Hightech im Innern des Fahrzeugs

Die Rettungsbahre ist so etwas, wie das Herzstück der Ambulanz. Sie entspricht dem höchsten Standard, ist bis zu einer Nutzlast von 200 Kilogramm ausgelegt und fährt auf Rollen. Die Rettungssanitäter müssen den Patienten nicht ins Fahrzeug hieven. Im Rettungswagen befindet sich weiter ein EKG-Gerät mit einer 4er- oder 12er-Ableitung, um ein Elektrokardiogramm erstellen zu können, eine Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern. Ein Defibrillator sowie ein Herzschrittmacher gehören ebenfalls zum Inventar. Man sieht Geräte zur Kohlenstoffdioxidmessung, Messung der Sauerstoffsättigung und des Blutdrucks, ein Beatmungsgerät, das sowohl manuelle als auch automatische Beatmung erlaubt sowie eine sogenannte Raupe, mit welcher der Treppentransport von Patienten möglich ist.

Eine Absauge-Einheit verhindert das Ersticken der Patienten an Erbrochenen. In diversen Schränken und Schubladen findet sich alles für die Wundversorgung und Desinfektion und eine Reihe von Medikamenten, die per Injektion verabreicht werden können: Schmerzmittel, Herzmedikamente, Narkosemedikamente, Gegenmittel bei allergischem Schock oder einer Drogen-Überdosis, Schlafmitteln etc. In speziellen, beheizten Schränken findet man vorgewärmte Kochsalzlösung für Infusionen, Decken, und Tücher. Eine ganze Reihe besonderer Instrumente, wie beispielsweise Intubationsinstrumente, Diagnoseinstrumente oder eine Ringschneidezange zum Durchtrennen von Fingerringen, sind in den dafür vorgesehenen Schubladen verstaut. Darunter auch eine spezielle Injektionseinheit, mit der Infusionen direkt ins Knochenmark gelegt werden können. «Das ist manchmal bei stark unterkühlten Patienten notwendig, wo eine normale Infusion nicht möglich ist», erklärt Grichting. Weitere Schränke beinhalten eine ganze Reihe an bergungstechnischem Material wie Schienen, Schaufelbahren, Halskragen und weitere spezielle Stabilisierungsutensilien.

«Etwas vom Wichtigsten aber ist unser spezieller Kinderkoffer», erklärt Grichting: Viele der Instrumente für Erwachsene seien zu gross für Kinder. Im Koffer findet man die für Kindergrösse angepassten Instrumente, Rückhaltesysteme für die Rettungsbahre, Injektionseinheiten und vieles mehr. Kostenpunkt eines komplett ausgerüsteten Rettungsfahrzeugs: rund 280 000 Franken. (om)

Der Rettungsdienst Grenchen arbeitet zwar eng mit dem Bürgerspital Solothurn zusammen, aber bei gewissen Arten von Verletzungen sei es sinnvoller, den Patienten direkt in eine Klinik zu bringen, die auf die Art der Verletzung spezialisiert sei. Beispielsweise würden Patienten mit schweren Verbrennungen nach Zürich oder Lausanne gebracht. Schwere Schädel oder Hirntraumata würden nach Bern in die Insel gefahren, bei Herzinfarkten sei Solothurn, das Beausite in Bern oder die Insel erste Wahl.»

Erfreuliches und Unerfreuliches

Auf die Frage, ob es eigentlich auch erfreuliche Einsätze gebe, sagt Grichting: «Selbstverständlich! Beispielsweise, wenn wir zu Geburten gerufen werden.» Zwar fänden die dann bei den Leuten zu Hause und nicht in der Ambulanz statt, wie man das aus Spielfilmen kenne, ergänzt er schmunzelnd.

Aber es gebe auch Einsätze, bei denen der Rettungsdienst wegen irgendwelcher Bagatellen angefordert werde: «Wir mussten schon ausrücken, weil sich jemand in den Finger geschnitten hat. Nicht etwa schlimm, es hat kaum geblutet. Oder auch wegen Wärmepflastern, die etwas warm wurden.» Da wisse man manchmal nicht, ob man sich ärgern oder nur schmunzeln solle. «Aber im Grunde geht es um Schmerzen, und diese Empfindung ist halt individuell stark unterschiedlich.»

Ab nächstem Jahr kostendeckend?

Der Rettungsdienst Grenchen ist seit langem und immer wieder ein Thema, wenn es um die Kosten geht. Es gab und gibt Bestrebungen innerhalb der Verwaltung und der politischen Behörde, den Rettungsdienst Grenchen loszuwerden, auszugliedern oder mit Solothurn zusammenzuschliessen. Vor wenigen Tagen wurde an der Gemeindeversammlung beispielsweise ein entsprechender Vorstoss eingereicht.

Das sei bisher zum Glück bisher verhindert worden, sagt Grichting, denn die Nachteile für die Stadt und Region Grenchen wären gross, die Versorgung nicht mehr so gut wie bisher. Das Defizit, welches als Hauptargument immer herhalten müsse, werde von Jahr zu Jahr kleiner und erklärtes Ziel für die Zukunft sei ohnehin, kostendeckend zu arbeiten. Zusammen mit Solothurn stehe man diesbezüglich in Verhandlungen mit den Vertretern der Krankenkassenverbände. «Die Zeichen stehen gut, dass wir schon nächstes Jahr kein Defizit mehr machen», sagt Grichting.

Wie Polizeikommandant Robert Gerber an der Gemeindeversammlung letzten Dienstag erklärte, könnte der Regierungsrat im Fall eines Scheiterns der Verhandlungen, den Solothurner Tarif – schweizweit mit 700 Franken der zweittiefste – auf ein Niveau anheben, das dem schweizerischen Mittel entspräche. Das alleine würde zu kostendeckenden Fahrten und Einsätzen führen.