Auto ist nicht gleich Auto. Das weiss jeder Grenchner. Doch jedes Auto, das einem selbst gehört, ist besser als ein fremdes Auto. (Dass einem der geleaste BMW gefühlsmässig gehört, sei an dieser Stelle einmal vorausgesetzt.) Wie sonst lässt sich erklären, dass Mobility hier noch in den Kinderschuhen steckt? An sieben Standorten kann man in Olten die roten Mietautos beziehen, an fünf in Solothurn. In Grenchen betreibt Mobility zwei Standplätze mit drei Fahrzeugen. Bis vor einem Jahr stand hier sogar nur ein einziges Mobility-Auto zur Verfügung.

Wie sehr es stand und wie oft es fuhr, will man bei Mobility nicht sagen. Die Tatsache, dass der Parkplatz am Südbahnhof (ursprünglich bei der Migros) letzten Dezember durch einen Standplatz am Nordbahnhof ergänzt wurde, lässt zwei Interpretationen zu: Der weltweite Trend zum Teilen rollt in Grenchen allmählich an. Oder: Mobility setzt auf das Prinzip «Hoffnung» und will mit dem Ausbau neue Kunden anlocken. Diesen Mai legte die Organisation jedenfalls mit einem zweiten Auto am Südbahnhof gleich nochmals nach.

Weniger Parkplatzfläche nötig

Bei den drei Fahrzeugen soll es vorerst bleiben, wie Firmensprecher Patrick Eigenmann auf Anfrage mitteilt: «Wir planen nicht weit im Voraus, sondern rollend. Wenn wir merken, dass die Nachfrage an einem Ort steigt, reagieren wir mit Angebotserweiterungen. Sollte ein Standort über Jahre defizitär sein, ziehen wir eine Schliessung in Betracht. In Grenchen ist derzeit weder das eine noch das andere ein Thema, im Moment sind wir zufrieden.»

Noch nicht ganz so zufrieden ist Stadtschreiberin Luzia Meister, die sich in der Stadt für Mobilitätsfragen engagiert. Sie sieht für Mobility in Grenchen noch einiges an Potenzial. Denn sie ist überzeugt, dass der weltweite Trend zur Wirtschaft des Teilens, neudeutsch Share-Economy, der Stadt nur Vorteile bringen kann. «Aus Sicht der Stadt spart Mobility Parkplatzfläche und damit wertvollen Siedlungsraum. Mobility-Autos stehen nicht wie die meisten anderen Autos 22 bis 23 Stunden pro Tag ungenutzt irgendwo herum, sondern fahren von A nach B und transportieren Leute und Güter.»

Stadt will Mobility unterstützen

Bisher ist Grenchen von typisch städtischen Nachteilen der Mobilität, von Staus und Parkplatznot, verschont geblieben. Höchstens der zähflüssige Reissverschluss am Flughafenkreisel zu den Schichtwechseln bietet da Anschauungsunterricht. Damit der Verkehrskollaps dereinst ausbleiben wird, weil mehr rote Autos durch Grenchen rollen, bietet Luzia Meister Unterstützung vonseiten der Stadt an: «Bei der Werbung kann Mobility auf uns zählen.» Die Stadtschreiberin ist selbst Mobility-Nutzerin. «Die Mitgliedschaft bei Mobility muss nicht heissen, dass man weniger Auto fährt als mit einem eigenen», sagt sie, wenn auch nicht auf ihren persönlichen Lebensentwurf bezogen; Luzia Meister ist allseits als Velofahrerin bekannt.

Lokal denken und sauber rechnen

Sie ist sicher: «Über einen längeren Zeitraum gesehen, trägt Mobility dazu bei, dass ihre Mitglieder sich lokaler verhalten und die Vorteile der unterschiedlichen Verkehrsmittel gezielt nutzen – und dass sie die Kosten der einzelnen Verkehrsmittel kennen.» Als Beispiel nennt die Stadtschreiberin das Einkaufen im Ausland: «Viele Leute haben da nur das Benzin auf der Rechnung. Sie vergessen beispielsweise die Autoversicherung und die Amortisation – von der Zeitverschwendung gar nicht zu reden.»

Dass Grenchen beim Mobility-Angebot anderen Städten vergleichbarer Grösse hinterherhinkt, daran ist nicht nur das Flair der Bevölkerung für stark motorisierte Autos schuld. Weitere Faktoren sind die bescheidene Ausstrahlung als Einkaufsmetropole und die zentral gelegenen zwei Bahnhöfe.

Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann erklärt die Stärke des Mobility-Angebots folgendermassen: «Carsharing ist optimal, wenn man es mit dem öV kombinieren kann: Für längere Strecken nehmen unsere Kunden oft dem Zug, für die Strecke bis zum Zielort mit Mobility. Zudem kommt Mobility für alltägliche Dinge wie Einkäufe oder Transporte zum Einsatz.»