Marc Willemin ist jetzt pensioniert. Als Mitarbeiter des Kantons konnte er im April mit 63 frühzeitig in Rente gehen. Der ehemalige SVP-Gemeinderat und jetzt Ersatzmitglied will aber nicht Däumchen drehen, sondern hat eine Firma gegründet, die Willemin Verkehrsdienste.

Als wir ihn im «Baracoa» antreffen, erzählt er, was es damit auf sich hat. «Ich möchte in jenen Bereichen, in denen ich Berufserfahrung habe, weiter tätig sein», erläutert Willemin, der 30 Jahre bei der Motorfahrzeugkontrolle Solothurn gearbeitet hat. In dieser Eigenschaft kann er alles fahren, was Räder hat: Autos, Töff, Lastwagen (auch mit Anhänger) und Busse. Willemin war sodann federführend in der Schifffahrt im Kanton Solothurn und war für technische Schiffsabnahmen und Bootsführerprüfungen zuständig.

Arbeit mit Behinderten

Nebst den Fahrzeugprüfungen aller Kategorien war auch der Fahrzeugumbau für Behinderte seine Aufgabe. Er betreute die behinderten Fahrzeuglenker, die durch Unfall, Krankheit oder von Geburt an ein Gebrechen hatten bis zur Ausstellung des Führerausweises. Dazu gehörten auch Fahrzeugumbauten und Umschulungen.

Wenn man an Willemin fragt, wie viele Fahrprüfungen er schon abgenommen hat, lacht er. «Ich weiss es nicht genau, sicher einige tausend.» Er selber fährt, seit er 18 ist, Auto. Gelernt hat er es in der Lehre und bei Emil Allemann in Rüttenen. Und jetzt wechselt er auf die andere Seite. Er unterstützt Fahrschulen in schwierigen Fällen und macht Ablösungen bei Ferien und Krankheit. Einsätze als Carchauffeur oder Lastwagenfahrer könne er sich ebenfalls vorstellen sowie Fahrzeugüberführungen, Reisen etc. «Anfragen habe ich schon diverse, ich muss jetzt aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr ausbuche, damit ich die Kundschaft bei Anfragen nicht zu viel vertrösten muss. Schliesslich bin ich ein Einmannbetrieb.»

Bereit für «Spezialfälle»

Da er grosse Erfahrung im Strassenverkehr habe, möchte er sich am liebsten weiter um spezielle Aufgaben und Situationen kümmern. Denn als ehemaliger Verkehrsexperte weiss er natürlich genau, worauf es ankommt. «Vielleicht kann ich auch noch Weiterbildungskurse geben, für sicheres oder ökonomisches Fahren.» Das Spektrum sei weit, der Bedarf auch.

Willemin ist aufgrund seines Hintergrunds auch der Experte in Verkehrsfragen im bürgerlichen Lager. «Ich bin nicht gegen 30er- oder Begegnungszonen», betont er. «Sie sollten aber dort aufgestellt werden, wo es Sinn macht und nicht zur Falle für Verkehrsteilnehmer werden.» Überhaupt gebe es heute tendenziell zu viele Verkehrssignalisationen, was die Konzentration auf den Verkehr einschränke. «Oft werden Verkehrsplanungen von Leuten am Schreibtisch gemacht. Wenn man aber acht Stunden am Tag mit verschiedenen Verkehrsteilnehmern und verschiedenen Fahrzeugen immer wieder im selben Gebiet unterwegs ist, und alle haben am gleichen Ort Probleme, dann sollte man doch dort die Situation überdenken.»

Missverhältnis bei Strafen

Willemin glaubt auch, dass das System Raser oder notorische Verkehrssünder zu milde anpacke, Autofahrer, die sich sonst korrekt verhalten, bei einem seltenen, vielleicht «nur» unachtsamen Vergehen, zu hart bestrafe. «Das Verhältnis stimmt für mich manchmal nicht.»