Bedeutet ein kleines Tier ein grosses Problem für die Windanlagen auf dem Grenchenberg? Jedenfalls einen grossen Aufwand: Denn bald werden auf dem Berg zwei Messmaste zur Erfassung der Fledermausbewegungen aufgestellt. «Fledermäuse sind bundesrechtlich geschützte Arten», erklärt Rolf Glünkin vom Amt für Umwelt. Deshalb müsse nachgewiesen werden, dass die geplante Windkraftanlage keine negativen Auswirkungen auf die Tiere hat. Die Messungen erfolgen im Rahmen einer so genannten Umweltverträglichkeitsprüfung: In den kommenden Monaten wird der Einfluss der Windenergieanlagen auf die Umwelt genau geprüft. Lärm, Landschaftsbild, Flora und Fauna stehen im Zentrum.

Von sieben bis neun Windrädern ist man auf dem Grenchenberg ursprünglich einmal ausgegangen. «In einem ersten Schritt planen wir, fünf Anlagen zu realisieren», erklärt Per Just, Direktor der SWG. Die SWG führt die Vorplanungen durch. Wer schliesslich als Investor auftreten wird, ist laut Just noch nicht vollständig entschieden. Die SWG werde aber sicherlich die Mehrheit halten.

Windräder töten Fledermäuse

«Ein gewisses Konfliktpotenzial besteht durchaus», sagt der kantonale Fledermausschutz-Beauftragte Elias Bader. Denn Windräder können für Fledermäuse eine Todesfalle sein. «Es ist nicht, wie man es sich vorstellt», sagt Bader: «Die Fledermäuse fliegen nämlich nicht in die Rotorblätter.» Sie sterben durch die massiven Druckunterschiede rund um die Windanlagen: «Durch das schnelle Drehen entsteht an den Rotorblättern eine Druckwelle. Wegen des immensen Druckunterschieds platzen die Blutgefässe in der Lunge der Tiere», erklärt Bader die Todesursache. Mit Ultraschall-Detektoren wird jetzt untersucht, wie viele Fledermäuse auf dem Grenchenberg unterwegs sind. Die Messungen wurden nötig, denn: «Es ist ein Problem, dass wir keine Daten haben», sagt Bader. Bekannt ist aber: Die Jurahöhen sind aufgrund der Höhlen ein bevorzugtes Überwinterungs- und Paarungsgebiet für die Fledermäuse. Anhand der aufgezeichneten Ultraschallrufe kann man laut Elias Bader jetzt sogar nachweisen, welche Fledermausarten sich auf dem Grenchenberg befinden.

Kaum ein Projektkiller

Auf einer Höhe von 80 bis 100 Metern werden die Naben der Windräder liegen, viele Tonnen Gewicht kommen zusammen. Eine Fledermaus dagegen wiegt zwischen einem Stück Zucker und 50 Gramm. Können sie für das Windradprojekt gefährlich werden? Projektkiller seien möglichst schon bei der Richtplananpassung ausgeschlossen worden, sagt Martin Heeb vom Amt für Umwelt. Bisher ist ihm keine Anlage bekannt, die wegen Fledermäusen nicht gebaut werden konnte. Im Umweltverträglichkeitsbericht würden, so Heeb, vor allem Massnahmen formuliert. Sollten die Windräder die Fledermäuse zu sehr beeinträchtigen, könnte laut Rolf Glünkin beispielsweise festgelegt werden, die Windräder bei sehr niedrigen Windgeschwindigkeiten abzuschalten. Denn die Fledermäuse sind bei starkem Wind viel weniger aktiv.

Transport als weiteres Problem

Auch die Verkehrserschliessung wird in die Umweltverträglichkeitsprüfung einbezogen: Problematisch könnte es etwa werden, die riesigen Rotorblätter auf den Grenchenberg zu transportieren. Verbreiterungen der Strasse könnten punktuell notwendig werden, erklärt Heeb.

Momentan muss der Bund den Richtplan des Kantons absegnen. Erst danach – und nach der Umweltverträglichkeitsprüfung – wird der Gestaltungsplan in Grenchen aufgelegt. Weil es sich um visuelle Eingriffe handelt, kann, so Heeb, auch der Kanton Bern Stellung zur Prüfung beziehen.