Nach drei Jahren Vorbereitungszeit und zwei Monaten Aufbau begann am Samstag die 13. Ausgabe der Schweizerischen Plastikausstellung in Biel. Bis zum 8. September steht Thomas Hirschhorns Vision der «Robert Walser-Sculpture» auf dem Bahnhofplatz gratis und allen offen. Die Grundidee ist, dem Publikum eine Skulptur im öffentlichen Raum zugänglich zu machen. Das Präsenz- und Produktionsprojekt von Thomas Hirschhorn bietet auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern die Möglichkeit, dem Schriftsteller Robert Walser zu begegnen.

Unter dem Motto «Be an outsider! Be a hero! Be Robert Walser!» macht der Schweizer Installationskünstler die Skulptur während 86 Tagen erlebbar, wie die Stiftung Schweizerische Plastikausstellung SPA in einem Communiqué schreibt.

Das Konzept der Begegnung mit Robert Walser basiert auf einer «Non-Programmation». Das bedeutet, dass die «Sculpture» als Ort der Begegnung und des Austauschs täglich von 10 bis 22 Uhr neu erfunden und gestaltet wird. Zum Angebot gehören etwa eine durchgehende Lesung aus Walsers Werken, ein Theaterstück, Sprachunterricht, tägliche Vernissagen, Spaziergänge sowie eine Ausstellung zu Erfolg und Misserfolg der Walser-Brüder und vieles mehr. Hirschhorn macht die «Sculpture» so zu einem Durchgangs- und gleichzeitig zu einem Verweilort.

Thomas Hirschhorn arbeitet für dieses Projekt mit 200 Personen zusammen, vielen Bielern und etlichen Randständigen, die sich regelmässig beim Bieler Bahnhof aufhalten. Das Budget beträgt 1,635 Millionen Franken. Die Suche nach finanzieller Unterstützung laufe weiterhin, ist der Medienmitteilung zu entnehmen.

Um ein Jahr verschoben

Die Schweizerische Plastikausstellung (SPA) hätte eigentlich schon vergangenes Jahr über die Bühne gehen sollen. Doch entschied sich Hirschhorn Anfang 2018, das Projekt um ein Jahr zu verschieben. Grund dafür waren die aufwendige Bewilligungsprozedur und Probleme bei der Finanzierung. Das Konzept Hirschhorns führte schliesslich auch zum Rücktritt des Präsidenten des SPA-Stiftungsrats und der Verwaltungsleiterin. Der Bieler Gemeinderat Cédric Némitz ist nun SPA-Präsident.

Die 2019er-Ausgabe der SPA ist die erste, die einer einzigen Person gewidmet ist. Als Thomas Hirschhorn das Konzept der neuen SPA im Jahr 2016 vor den Medien vorstelle, sprach er von Walser als «einem der inspirierendsten Schweizer Dichter», einem «schweizerischen Helden» und «meinem Idol». Walser versöhne ihn mit der Schweiz, und nur er allein habe Walser begriffen, so Hirschhorn.

Das Projekt hat der international bekannte Künstler, der ursprünglich aus Bern stammt und in Paris lebt, zusammen mit der Berner Kuratorin Kathleen Bühler entwickelt. Biel ist die Geburtsstadt Robert Walsers. Der 1878 geborene Autor von Werken wie «Geschwister Tanner» und «Der Gehülfe» starb 1956 in Herisau. (sda)