Grenchen
Befragung zeigt: Die Schlachthausstrasse soll ihren Namen behalten

Eine grosse Mehrheit der Anwohner der Schlachthausstrasse in Grenchen will keine Änderung des Namens.

Oliver Menge
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Die Mehrheit der Anwohner der Schlachthausstrasse in Grenchen wollen diesen Namen behalten.

Die Mehrheit der Anwohner der Schlachthausstrasse in Grenchen wollen diesen Namen behalten.

Oliver Menge

Die Stadtverwaltung hatte die Anwohnerinnen und Anwohner der Schlachthausstrasse zu einer möglichen Namensänderung befragt. Dies im Zuge eines Anliegens, das schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder auftaucht. Wirtschaftsrat und Kulturkommission hatten sich für eine Umbenennung der Strasse ausgesprochen. Als Name schlug die Kulturkommission «Léon-Breitling-Strasse» vor. Léon Breitling (1860–1914) war ein Schweizer Uhrmacher und Geschäftsmann, der 1884 die Uhrenfabrik Breitling SA in Saint-Imier gründete, die heute ihren Hauptsitz an der Schlachthausstrasse in Grenchen hat.

Firmen wären für den Wechsel

171 registrierte, volljährige Anwohnerinnen und Anwohner erhielten einen Umfragebogen der Stadt. Dazu 12 im Handelsregister eingetragene Firmen. Insgesamt zählte man also 183 Befragte. 134 Bögen von Privaten und 10 von Firmen wurden zurückgesandt, das entspricht einer Rücklaufquote von gegen 80%. Die Resultate sind überraschend deutlich: Knapp zwei Drittel der Befragten haben sich gegen eine Namensänderung ausgesprochen.

Lediglich 26 Private sprachen sich für den Wechsel aus. Man hatte auch die Frage nach der Begründung gestellt. An erster Stelle wurde «... froh um Realisierung, super», genannt. 108 Private lehnten eine Namensänderung ab, weil 1.: «... zu teuer, soll so bleiben, wie es ist» und 2.: «... Breitling ist der falsche Name.»

Sieben der befragten Firmen stimmten einer Namensänderung zu, drei lehnten sie ab. Insgesamt stimmten also 33 Befragte einem Namenswechsel zu, und 111 lehnten sie ab. Oder anders ausgedrückt: 18% aller Befragten sind für einen Namenswechsel, 60,6% dagegen.

Ein Bürger hatte sogar eine Petition mit 100 Unterschriften eingereicht, die verlangt, den Namen zu behalten. Diese Unterschriften wurden in der Berechnung ebenfalls berücksichtigt.

Stadtpräsident François Scheidegger sagt dazu: «Zuständig ist im Grunde der Gemeinderat, und da haben wir momentan ganz andere Prioritäten.» Er werde das «Geschäft» der Kulturkommission übergeben und in den Gemeinderat bringen, der letztendlich entscheide. Er persönlich könne sich aber nicht vorstellen, dass man dort die eindeutigen Resultate der Befragung einfach ignorieren könne. «Die Anwohner müssten sich als nicht ernst genommen vorkommen.» Die Notwendigkeit eines Namenswechsels werde offenbar bestritten, nach dem Motto «es isch immer e so gsi». Eine Änderung des Strassennamens sei ausserdem mit Aufwand verbunden – Telefonbucheintrag zum Beispiel, und mit möglichen Kosten, die so ein Wechsel mit sich bringe. «Ich bin aber erstaunt darüber, mit welcher Emotionalität darüber diskutiert wird.

Das Anliegen stamme übrigens nicht von der Firma Breitling, auch wenn diese einen Namenswechsel begrüssen würde, so Scheidegger. Vielmehr gehe es um etwas ganz Simples: «Für die vielen Französisch sprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist der Name schlicht schwierig auszusprechen.» Eine «rue de l’abattoire» ohne «ch» wäre vielleicht einfacher, aber nicht in Grenchen. Eine «Schlachthausstrasse» gibt es übrigens sonst nirgendwo in der Deutschschweiz. Gutmöglich also jetzt, dass Grenchen dieses «Alleinstellungsmerkmal» behält.