Es wird zur nicht enden wollenden Leidensgeschichte: Am 26. Oktober 2012 hat das Regionalgericht Bern-Mittelland über den in Insolvenz geratenen Generalunternehmer baumag ag (Liebefeld) eine 6-monatige Nachlassstundung bewilligt und einen Sachwalter eingesetzt. Bis zum 27. November konnten Gläubiger Forderungen eingeben. Allein auf dem Platz Grenchen, wo die baumag für das Unternehmen 60plus die Senioren- und Familienresidenz «Zuhause am Girardplatz» realisiert (GU-Vertrag von 22 Mio. Franken), bestanden offene Forderungen vonseiten der Handwerker von rund 3 Millionen Franken. Geld, dass die Bauherrin 60plus der baumag bereits überwiesen hatte (wir berichteten).

Das Nachlassstundungsverfahren sollte eigentlich noch bis zum 26. April dauern. Wie der Sachwalter Andreas Feuz vom Advokatur- und Notariatsbüro von Graffenried aber bestätigt, wird er in diesen Tagen beim Gericht schriftlich eine Verlängerung beantragen. Unfreiwillig. «Das Verfahren ist ausgesprochen komplex. Um die Forderungen bereinigen zu können, reicht die Zeit bis Ende Monat nicht.» Das Verfahren soll daher gleich um ein weiteres halbes Jahr erstreckt werden.

Schadensminderung in Grenchen

Was heisst das nun für die 60plus AG in Grenchen? Dort haben die pfandrechtsfähigen Handwerker inzwischen immerhin einen Teil ihres Geldes zurückerhalten. Die 60plus AG hat - anstelle der handlungsunfähig gewordenen baumag ag - mit diesem Teil der Gläubiger Zahlungspläne ausgehandelt. «Rund zwei Millionen sind schon gezahlt», bestätigte Verwaltungsratspräsident Frank Schneider gestern auf Anfrage. Um die beauftragten Handwerker und auch die Wohnungskäufer zu schonen, hatte die 60plus die Schuld der baumag weitgehend übernommen. Damit ginge eine allfällige Nachlassdividende später an die 60plus. Dass das Nachlassverfahren nun verlängert wird, nimmt Frank Schneider mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Er denke, dass nach Abschluss des Nachlassverfahrens höchstens ein Bruchteil des verlorenen Geldes zurückerstattet werden kann, «vielleicht fünf bis zehn Prozent».

Eine «Riesensauerei»

Die gute Nachricht ist: Bis auf eine Attikawohnung und vier Kleinwohnungen sind inzwischen alle Kauf- und Mieteinheiten der insgesamt 62 Wohnungen am Girardplatz bewohnt. In Kürze sollen die letzten Wohnungen auf dem Grundbuchamt überschrieben werden, sagt Frank Schneider. Noch offen ist, ob die 60plus AG Klage wegen Veruntreuung einreichen wird. Dabei geht es um 3,2 Mio. Franken veruntreutes Geld, das bei der Bank oder der baumag ag zweckentfremdet worden sei. «Das können wir keinesfalls so akzeptieren, sagt Schneider, «deshalb erwägen wir nach wie vor, wenn nötig, eine Klage einzureichen.» Entsprechende Gespräche finden demnächst statt. Das Ganze sei eine «Riesensauerei».

Genickbruch für die baumag ag

Bei der baumag ag ist das Personal inzwischen ausgeflogen. Die Tage des einstigen Senkrechtstarters der Baubranche sind gezählt. Sachwalter Andreas Feuz verweist darauf, dass das Verfahren aller Voraussicht nach in einer Liquidation der baumag und damit der Geschäftsaufgabe enden wird.

Schon im vergangenen Herbst meldete der Generalunternehmer selbst, dass er seine Geschäftstätigkeit nicht im bisherigen Rahmen weiterführen könne. Klar ist auch: Alle Gläubiger (Grenchen war nur eine von vielen Baustellen der baumag) werden sich mit einer Teilbegleichung der Schulden zufriedengeben müssen. Sobald die Gesamtforderung bereinigt sei, sagt Andreas Feuz, kommt es zur Gläubigerversammlung, bei der ein gesetzlich vorgeschriebener Teil dem Nachlassvertrag zustimmen muss. Danach würde ein Liquidator eingesetzt. Der Erlös wird letztlich nach der Vermögensauflösung nach einer im Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs festgelegten Privilegierungsrangfolge verteilt. Ob alle Baustellen der baumag ag fertiggestellt werden können, hänge wohl ebenfalls vom Ausgang des Nachlassverfahrens ab.