Porträt
Bauen und Fliegen sind Peter Güggis lebenslange Leidenschaft

Peter Güggi baut und fliegt seit fast 50 Jahren. Am Anfang waren es noch kleine Handwurf-Modelle, heute sind es historische Flugzeuge, die vorbildgetreu nachgefertigt werden. Den grössten Teil der 70 Jahre Modellfluggruppe erlebte er selber mit.

Peter Brotschi
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Peter Güggi mit seiner originalgetreu nachgebauten «Tiger Moth». PBG

Peter Güggi mit seiner originalgetreu nachgebauten «Tiger Moth». PBG

Solothurner Zeitung

Die Erlebnisse in der Jugend sollten für ihn prägend für sein ganzes Leben werden. Aufgewachsen an der Flugplatzstrasse 39, in einem der so genannten Kocher-Häuser, kam er durch die Nähe zum Flugplatz schon früh in Verbindung zur Fliegerei. Als Knabe verbrachte er viel Zeit in den Werkstätten und lernte die «Innereien» eines Flugzeugs kennen. Durch seine freiwillige Arbeit erhielt er öfters Gelegenheit für einen Mitflug.

Der weitere Weg führte ihn als Mechanikerlehrling in die Mecaplex. Dort gab es wieder einen Berührungspunkt mit der technischen Seite der Luftfahrt. Zu dieser Zeit baute die Grenchner Firma nämlich diverse Teile für das neue Kampfflugzeug Mirage III der Schweizer Luftwaffe. Dies war der Moment für den Einstieg in die Modellfliegerei. Mit dem Stiftenlohn waren die Möglichkeiten allerdings sehr eingeschränkt. Von einem Kollegen konnte er ab und zu mal ein Flugzeug ausleihen zum Fliegen, aber noch ohne Fernsteuerung. «X-hundertmal habe ich die Modelle geworfen und hatte sehr Freude, wenn mal ein Wurf gelang und das Modell flog.» So konnte er sich die Grundlagen der Aerodynamik aneignen.

Vom Steuern zum Selberbauen

Später absolvierte Güggi eine Zusatzlehre als Elektromechaniker. Während seiner Ausbildung beschäftigte er sich mit dem Modellflug, wobei vorerst das reine Fliegen im Vordergrund stand. Als er sich eine Fernsteuerung beschaffen konnte, wurde der Segelflug zu seiner Leidenschaft. Die Wandfluh war zu dieser Zeit das Mekka. «Da könnte ich ein Buch schreiben, so viel ist passiert» schmunzelt der passionierte Pfeifenraucher. Oftmals gab es einen «Absaufer», wie es in der Segelflugsprache heisst, und das Modell konnte irgendwo auf dem Bettlachberg gesucht werden.

Dann kam der Motorflug hinzu, der parallel zum Segelflug betrieben wurde. Dazu brauchte es eine Piste. So kam er zur Modellfluggruppe Grenchen, die damals auf dem Flughafen noch nahe der Farner-Gebäude ihren Platz hatte. Das Bauen von Flugzeugen rückte mit der Zeit vermehrt in den Vordergrund. Immer mit dem Ziel, das Modell auch in die Luft zu kriegen. Der Schwerpunkt seiner Handfertigkeit liegt bei Flugzeugen, die es als grosse auch gibt, vor allem aus dem historischen Bereich. Das Prunkstück seiner Sammlung ist eine «De Havilland DH-82 Tiger Moth»; ein Doppeldecker, auf dem im Zweiten Weltkrieg die Piloten der britischen Royal Air Force ihre Sporen abverdienten. Im Bau ist im Moment eine «Dewoitine D-19» und eine «Curtiss P-6E Hawk». Lieblingsmaterial ist Holz, obwohl im Modellflugzeugbau heute viel mit Kunststoff gebaut wird.

Vieles hat sich verändert

Totalverluste musste er auch schon erleben, als die Steuerung ausfiel. Am bekannten Flugtag der Modellfluggruppe machte er jahrelang die Frequenzkontrolle bei den Gastpiloten. «In der Modellfliegerei gab es gleich mehrere Quantensprünge in diesen Jahrzehnten», resümiert Peter Güggi. Bemerkenswert sei vor allem der Fortschritt bei den Elektromotoren: «Vor rund 18 Jahren begann ich, meine Modellsegler mit Elektro-Hilfsmotoren auszurüsten. Bei den noch schweren Akkus und schwachen Elektromotoren kam aber keine grosse Freude auf. Heute steigen die Elektromodelle senkrecht in den Himmel und beschleunigen bis über 300 Stundenkilometer. Peter Güggi weiss: Es gibt enorme Entfaltungsmöglichkeiten im Modellflug. Erst vor drei Jahren begann er noch mit dem Steuern von Helikoptern. «Man kann ein ganzes Leben im Modellflug verbringen, ohne ein Ende zu sehen.» Und will er mal selber nicht bauen oder fliegen, steht Güggi mit seinem ruhigen Charakter Pfeife schmauchend auf dem Modellflugplatz, schaut dem Betrieb zu und gibt den Nachwuchspiloten Tipps. Langweilig wird es ihm auch nach der Pensionierung nicht werden, die nicht mehr in aller Ferne ist.

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