Bauboom

Bauboom in Arch angekommen: «Wir sind und bleiben trotzdem ein Dorf»

Die Silhouette des Dorfes Arch ist geprägt von mehreren Baukränen.

Die Silhouette des Dorfes Arch ist geprägt von mehreren Baukränen.

In der Seeländer Gemeinde Arch ist nach jahrelangem Dornröschenschlaf der Bauboom ausgebrochen.

Der Bauboom ist in Arch angekommen. Nach Jahren ohne nennenswerten Wohnbau gibt es im Dorf neun Baustellen. Drei davon, alle im Unterdorf, stehen für grosse Überbauungen mit gesamthaft 72 Wohnungen. Die Einwohnergemeinde freut sich über die rege Bautätigkeit und hofft auf den Zuzug von Familien mit Kindern, zumal es in allen Schulstufen freie Kapazität für Wachstum hat.

Wer mit der Autobahn im Rücken Richtung Arch schaut, erkennt das Dorf kaum wieder: Baukran reiht sich an Baukran, werktags bringen schwere Lastwagen unermüdlich Material und laden dieses vor allem im Unterdorf ab.

Im zweiten Anlauf

Die Konzentration der Kräne ist weitgehend Zufall. Denn zwei der grossen Bauprojekte werden erst im zweiten Anlauf realisiert. Das sagt Marina Gafner, Leiterin Bau. Zusammen mit Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann gibt sie Auskunft zur Bautätigkeit in Arch. «Westlich der Aarestrasse waren zuerst Reiheneinfamilienhäuser geplant, ein Projekt, das vor fünf Jahren auch bewilligt wurde. Dann hat sich die Bauherrschaft anders entschieden, zugunsten der Mehrfamilienhäuser», erklärt Marina Gafner. Östlich der Aarestrasse habe in einem Fall die Bauherrin gewechselt, was eine mehrjährige Verlängerung der Baubewilligung, wenn auch keine Neuauflage des Projekts bedingt habe.

Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann und Bauverwalterin Marina Gafner.

Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann und Bauverwalterin Marina Gafner.

Seit dem letzten Herbst sind die Anlaufschwierigkeiten passé. Die Blöcke wachsen jede Woche weiter aus dem Boden. Geben grosse Industrieprojekte mit der Ansiedlung von Arbeitsplätzen, wie die CSL Behring in Lengnau, Aufwind in Arch? «Das ist möglich, aber nicht sicher», meint Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann. «Vom Austausch der Gemeindepräsidien in der Umgebung weiss ich, dass überall wie wild gebaut wird. Arch war einfach ein bisschen im Verzug. Nun holen wir kräftig auf.»

Zehn Blöcke, 72 Wohnungen

Sechs Einfamilienhäuser sind im Bau, zwei von Einheimischen und vier von Neuzuzügern. Sie sind im ganzen Dorf verteilt. Die Überbauungen hingegen, in denen Mehrfamilienhäuser entstehen, flankieren den nördlichen Dorfeingang. Im Detail sind das die folgenden Projekte: drei Blöcke mit je acht Wohnungen, hälftig 3- und 4-ZimmerWohnungen, westlich der Aarestrasse. Bauherrschaft ist die Ammann Globalbau in Hilterfingen.

Östlich der Aarestrasse, gegenüber dem Archer Beck, baut die Gerlafinger Axon Trading zwei Blöcke mit insgesamt 16 Wohnungen, von der 2,5- bis zur 4,5-Zimmer-Wohnung. Direkt daneben, zwischen Spismattweg und Bürenstrasse, hat die Moving Liegenschaften in Lyss fünf Mehrfamilienhäuser mit gesamthaft 32 Wohnungen unterschiedlicher Grösse projektiert, von denen zwei bereits im Bau sind.

Abwanderung der Jungen aufhalten

«Wir wünschen uns den Zuzug von Familien mit Kindern», sagt Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann. «Erstens haben wir die ganze Betreuungs- und Schulstruktur von der Kita über die Tagesschulmodule der verschiedenen Stufen bis hin zur Oberstufe. Zweitens ist in allen Stufen noch Platz, ohne dass wir neuen Schulraum bauen müssen.

Die Schaffung von Wohnraum, zum Mieten wie auch Kaufen, wie Eggimann in Erfahrung gebracht hat, lässt sie zudem hoffen, dass junge Archer künftig vermehrt im Dorf bleiben. «Bisher sind viele gezwungen wegzugehen. Mit unserem Schwerpunkt bei den Einfamilienhäusern gab es für sie nämlich nicht genügend erschwingliche Wohnungen.»

Baulandreserven und viel Grün

Eggimann ist überzeugt, dass das Dorf mit der guten Infrastruktur, dem intakten Gemeindeleben mit 14 Vereinen und der erstklassigen Verkehrsanbindung allen Altersstufen eine Menge zu bieten hat. Sowohl für Einfamilien- wie auch für Mehrfamilienhäuser gebe es noch Baulandreserven. Dass Arch viel Grünflächen hat, sei auch den 13 Bauernbetrieben im Dorf zu verdanken. «Wir sind noch lange nicht so weit, dass wir Altbauten abreissen müssen, um Platz für Neues zu schaffen», freut sich Eggimann.

Zugleich betont sie: «Wir sind und bleiben ein Dorf. Viele unserer aktuell 1543 Einwohner und Einwohnerinnen (zu Jahresbeginn waren es 1568) kennen sich untereinander. Den Zuzügern soll es bei uns wohl sein, und wir möchten sie integrieren.» Im Zusammenhang mit der Häufung von Bauvorhaben profitiert das Dorf von einem weiteren glücklichen Zufall. Die Gemeindepräsidentin erklärt: «Das Willkommensapéro für Zuzüger wird derzeit neu aufgegleist. Es soll auf eine breitere Basis gestellt werden. Wir möchten dazu die Vereine an Bord holen.»

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