Schauplatz Grenchen Kirchstrasse. Zwei Belagseinbaumaschinen einer grossen Baufirma bewegen sich nebeneinander Zentimeter für Zentimeter den Berg hinauf und schieben dabei je einen vierachsigen Lastwagen, voll beladen mit Strassenbelag vor sich her. Ein Kipper teert gerade die Einfahrt zur Viaduktstrasse. Seit 6.30 Uhr in der Früh wird wieder gearbeitet. Wie ein schwarzer Teig fliesst die rund 200 Grad heisse Masse auf die glänzende Fahrbahn, wo die Walzen auf ihren Einsatz warten. Rund 20 Strassenbauer sind am Werk, bedienen die Maschinen und planieren von Hand dort, wo es zusätzlich nötig ist.

«Gewöhnungssache»

Während die Kabinen der Lastwagen, die zwischen dem Belagswerk Walliswil und Grenchen pendeln, klimatisiert sind, läuft den Männern hinter der Maschine der Schweiss nur so runter. Es ist erst halb neun Uhr morgens, aber das T-Shirt haben sie längst ausgezogen. Am Strassenrand steht ein Sixpack mit grossen Mineralwasserflaschen. Die Hitze mache ihm nicht viel aus, versichert ein Strassenbauer. Eine Gewöhnungssache, meint er.
Etwas angenehmer hatte es die Nachtschicht, welche abends um 21 Uhr bei der Kreuzung zur Schützengasse angefangen hat. Am Donnerstagmorgen fuhr dort schon wieder der Bus durch.
Alles ist durchrationalisiert. Auf dem bereits geteerten Trottoir sind mit orangen Markierungen die Distanzen zu Schachtdeckeln markiert. Sie werden abgedeckt, überteert und sind so konstruiert, dass sie danach mit Spezialgerät auf das Niveau der Fahrbahn angehoben werden können. Ausstechen, hochziehen. Fast wie beim «Guezle». Auch mit den Deckeln der Wasserleitungen wird ähnlich verfahren.

Nach der Einmündung zur Schmelzistrasse stehen am Strassenrand zwei Kartonschachteln mit dem Aufdruck eines Ingenieursbüros. Diese sind bestimmt für Belagsproben für die Qualitätssicherung. Denn hier wird ein Flüsterbelag eingebaut.

Dass in Grenchen seit einigen Monaten intensiv an den Strassen gewerkelt wird, hat den Hintergrund, dass die Frist für Bundessubventionen für die Lärmsanierung am Auslaufen ist. Diese kann in der Stadt an den meisten Orten durch Einbau von lärmschluckendem Strassenbelag erreicht werden. Und weil die Strassen in Grenchen ohnehin zu wiederholten Klagen Anlass gaben, sorgt somit letztlich der Bund dafür, dass es mit der Strassensanierung jetzt vorwärts geht.

Seit heute morgen sollte die wichtige Nord-Süd-Achse der Stadt wieder befahrbar sein. Und auch die Feuerwehr kann zurück in ihren Stützpunkt an der Schmelzistrasse. Aufgrund der Strassenarbeiten wurde nämlich die ganze Feuerwehr kurzum auf die Allerheiligenstrasse ausquartiert. In Reih und Glied waren dort die Feuerwehrfahrzeuge seit Mittwoch Abend abgestellt. «Wir könnten sonst gar nicht ausrücken, weil die Strasse vor unserer Ausfahrt geteert wird», begründet Feuerwehrkommandant Thomas Maritz die ungewöhnliche Zügelaktion.

Basis auf Strasse verlegt

Sämtliches Material für den Ernstfalleinsatz wurde auf die 14 Fahrzeuge verladen. Strom fürs Aufladen der Funkgeräte und der anderen Apparaturen konnte über Kabelrollen bei den Anwohnern der Allerheiligenstrasse bezogen werden, über Nacht wurde eine Wache gestellt und der «Securitas» der ETA hielt auch noch ein zusätzliches Auge auf den wertvollen Fahrzeugpark. «Es ist toll, wie man sich hier gegenseitig auf unkomplizierte Weise aushilft», lobt Maritz. «Dass wir allenfalls morgen in 55 Grad heisse Fahrzeuge einsteigen müssen», finde ich weniger lustig», meint er säuerlich grinsend. Eine Klimaanlage gibts nämlich nur in der neuen Drehleiter. Bis am frühen Abend blieb Maritz’ Wunsch erfüllt. Der Tag sei ruhig verlaufen, berichtet er. Am freitagmorgen zieht die Feuerwehr wieder in ihre Homebase zurück.