Vor einem Jahr hat Barbara Banga einen groben und leichtfertigen Fehler begangen, als sie vom Computer ihres Mannes aus beleidigende Internetkommentare veröffentlichte. Die Rechnung kam prompt, und die Frau des Stadtpräsidenten musste selbst einiges über sich ergehen lassen. Vergangenen Sommer kam es dann zum Gezänk mit ihren ehemaligen Vereinskolleginnen der Kinderbilderbuchtage.

Und im Zuge der Untersuchungen gegen ihren Ehemann wurde deutlich, dass offenbar viele Grenchner ihr Problem mit der First Lady haben. Fehlende Sozialkompetenz wurde ihr vorgeworfen, und dass es unmöglich sei, mit einer solchen Frau zusammenzuarbeiten. Banga wurde aus der Reserve gelockt und wehrte sich öffentlich. «Viele Menschen scheinen mich für einen Drachen zu halten», sagte sie einmal unter Tränen. Dabei sei sie doch eigentlich ein ganz freundlicher Drache.

Korrekt, bestimmt und streng

Sicher ist: Barbara Bangas Mitarbeiterinnen in der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt erleben ihre Chefin als sehr bestimmte Person. Das zeigen zwei Besuche und eine spontane Umfrage vor Ort. Von fehlender Sozialkompetenz will hier keine etwas wissen. So sagt zum Beispiel Esther Tschanz, seit zehn Jahren Köchin: «Ich kann den Händel nicht begreifen. Frau Banga ist korrekt und streng – das muss sie als Chefin aber auch sein. Ich arbeite jedenfalls sehr gerne hier.»

Kleinkindererzieherin Doris Siegfried sieht das ähnlich. Sie erlebe die Chefin als sehr zielorientierte Person. «Sie hat klare Vorstellungen, pflegt aber auch einen respektvollen Umgang», sagt Siegfried, die seit fünf Jahren in der Villa Kunterbunt beschäftigt ist. Banga selbst sagt, sie sei sicher nicht perfekt.

«Aber würde mir Sozialkompetenz fehlen, dann wäre ich wohl längst nicht mehr Krippenleiterin. Sozialkompetenz gehört zu meinem Beruf. Hätte ich keine, wäre ich wohl kaum mehr hier.» Sie sage halt offen, wenn sie etwas stört. Das tat sie schon als Kind, wie sie einmal in einem Interview erwähnte: «Meine Mutter erlebte viele unangenehme Situationen mit mir als Kind. Empfand ich etwas als nicht richtig, habe ich mich gewehrt. Ich war sehr direkt.»

Streng und böse ist nicht dasselbe

Kleinkindererzieherin Angela Delucchi arbeitet seit 21 Jahren in der Kindertagesstätte an der Ruffinistrasse. Sie hat eine Erklärung dafür, warum einige Leute etwas gegen ihre Chefin haben. «Dass sie so direkt und ehrlich ist, das können gewisse Leute vielleicht in den falschen Hals bekommen.» Für Lehrfrau Jasmin Kummer ist denn auch klar: «Barbara Banga ist eine strenge Chefin, aber sicherlich keine übermässig strenge. Wir können immer zu ihr gehen, wenn wir ein Problem haben.» Letztlich sei es doch einfach auch so: «Zwischen streng und böse besteht ein grosser Unterschied.»

Es überrascht kaum, dass die Angestellten ihre Chefin in Schutz nehmen. Aber auch ehemalige Arbeitskolleginnen wollen nicht Schlechtes über Barbara Banga sagen, sind allerdings schon etwas skeptischer. Persönlich – so scheint es – kommen nicht alle immer mit ihr zurecht. Fachlich und als Arbeitskollegin wird sie respektiert.

«Es ‹menschelet› eben immer»

Barbara Banga ist auch Präsidentin des Tierschutzvereins Grenchen. Vorstandskollegin Marlies Müller bestätigt die Einschätzungen der Kita-Erzieherinnen. «Es ‹menschelet› eben immer. Barbara Banga hat sicher Fehler gemacht in der Vergangenheit, das hat sie aber auch zugegeben.» So fragte Banga den Tierschutzvorstand letztes Jahr auch, ob sie nach der Internet-Affäre als Präsidentin zurücktreten solle. «Wir vom Vorstand wollten das aber nicht», sagt Müller, «für uns ist sie Gold wert und ganz sicher keine schlechte Chefin.»

Ganz sicher fehle es Barbara Banga in keiner Weise an Sozialkompetenz. Dass es Leute gibt, die mit ihrer Art nicht klarkommen, sei zwar möglich. «Eine gewisse Linie und ein gesundes Durchsetzungsvermögen braucht eine Vorgesetzte aber», stellt Marlies Müller fest. «Sonst verfällt doch schliesslich jede Gruppierung zu einem ‹Laueri-Verein›.»