Ob im Hôtel de Ville immer fleissig gearbeitet wird, darüber lässt sich trefflich streiten. Ganz sicher ist, dass im Park des Stadthauses seit Kurzem fleissige Wesen stets emsig am Werk sind: die Grenchner Stadtbienen.

Behutsam öffnet Daniel Allemann die Hinterseite des kleinen Bienenhauses – mehr ein Möbeli – das seit einigen Wochen auf der Südseite des Stadthauses steht. Der «Stadt-Imker» will seinem Chef zeigen, wie viel Honig die Bienen schon gesammelt haben. «Über 20 kg kann so ein Volk pro Jahr an Honig einbringen», erklärt er und zeigt Stadtpräsident Boris Banga eine halb gefüllte Wabe.

«Und das sind Brutwaben, hier wachsen aus den Eiern der Königin neue Bienen heran.» Für ein Kilo Honig müssen die Bienen 3 kg Nektar sammeln. Dazu sind 100 000 Ausflüge nötig zu 150 Millionen Blüten. Dabei legt das Volk 100 000 Flugkilometer zurück oder das Zweieinhalbfache des Erdumfangs. Und das alles innerhalb eines Radius von etwa drei Kilometer in und um Grenchen.

«Bangas neue Mitarbeiterinnen»

Die Besucher, in schweisstreibende Schutzanzüge gegen Bienenstiche eingekleidet, schauen dem Imker über die Schulter. «Die Bienen geben Vollgas, denn sie haben dieses Jahr einen beträchtlichen Rückstand aufzuholen, wegen des kalten und nassen Frühlings», erklärt Allemann weiter. Der Hobby-Imker betreut die neuen «Mitarbeiterinnen der Stadt», wie Banga sie scherzhaft nennt. Immerhin prangt auf ihrer hölzernen Behausung das Wappen der Stadt.

Daniel Allemann ist selber neu bei der Stadt. Seit 1. Mai ist er als Mitarbeiter Innere Dienste (oder Weibel) in der Stadtkanzlei tätig. Dort macht er Kopier- und Postdienste, bestellt Büromaterial, wartet die Apparate und erledigt Hauswartarbeiten. Und auch das Bienenhaus gehört zu seinem Portfolio. Denn Allemann stellt auch sein neues persönliches Hobby in die Dienste der Stadt.

Täglicher Augenschein

«Mit den Bienen holen wir mehr Biodiversität zurück ins Stadtzentrum», meint Banga. Denn die Bienen leisten für die Grünflächen wichtige Bestäubungsarbeit. Was mit dem Honig geschieht, sei aber noch offen. Daniel Allemann wird bei seiner Arbeit mit den Bienen von Adrian Gerber unterstützt. Der Sohn des Polizeikommandanten ist ebenfalls Neo-Imker und macht beispielsweise die Ferienablösungen. Gelte es doch jeden Tag einmal nach dem Rechten zu schauen.

«Wir sind beide noch am lernen», erklärt Allemann, der in seiner Freizeit auch noch Bier braut oder im Männerchor Grenchen singt. Das Fachwissen für die Imkerei sei in Grenchen und Umgebung aber vorhanden und könne bei verschiedenen Personen abgerufen werden; beispielsweise bei Urs Derendinger (Bettlach, Präsident des lokalen Bienenzüchtervereins) oder beim regionalen Bieneninspektor Peter Weyermann.

Allemann zeigt eine Wabe mit Honig und Brut.

Allemann zeigt eine Wabe mit Honig und Brut.

Der Bienenzüchterverein Grenchen und Umgebung verzeichnet auf seiner Mitgliederliste immerhin 52 Namen (vgl. Artikel oben). Die Bienen, die neu beim Stadthaus «wohnen», sind eingefangene Schwärme. Ein Volk hat rund 20 000 Tiere und ist damit noch eher klein. Können Sie so nahe beim Stadthaus nicht zum Problem werden?

Bienen nicht stören

Banga glaubt nein. Wer sich im Garten bewege, müsse sich eben etwas vorsehen und dürfe die Bienen nicht stören. Im Stadthaus habe man jedenfalls Freude an den Bienen, berichtet auch Stadtkanzlei-Mitarbeiterin Tatijana Schär. «Von Bienenstichen oder anderen Problemen habe ich jedenfalls bis jetzt nichts gehört.» Mit einer speziellen Zange greift Allemann die Wabe und platziert sie wieder im Kasten.

Auf der Vorderseite starten und landen die Bienen, als wäre nichts. Jede Biene weiss, wo sie landen muss, welches «Türli» zu ihren Volk führt. Und falls nicht, wird sie von den andern rasch hinausbugsiert. Die farbigen Markierungen bei den Bienenhäusern seien eigentlich mehr für die Freude der Menschen, heisst es. Die Bienen brauchen sie zur eigenen Orientierung nicht .