Grenchen

Bald steht das Velodrome Suisse den Talenten des Radsports offen

Das Velodrome Suisse ist die grosse Hoffnung des Schweizer Radsports, in die viel Enthusiasmus und Geld gesteckt wird.

Das Velodrome Suisse ist die grosse Hoffnung des Schweizer Radsports, in die viel Enthusiasmus und Geld gesteckt wird.

In zwei Monaten wird die Multifunktionshalle Velodrome Suisse in Grenchen eröffnet. Sie soll vor allem helfen, den Nachwuchs zu fördern. Die Schweizer Presse steckt voller Erwartungen an die neue Radbahn.

Während das Velodrome Suisse in Grenchen lokal auch einige Kritik zu schlucken hatte, schielt die restliche Schweiz neutraler und mit hohen Erwartungen auf die Stadt am Jurasüdfuss. Für den Schweizer Radsport wird das Velodrome zum Hoffnungsträger, oder – wie Mäzen Andy Rihs beim Spatenstich vor einem Jahr sagte – «zur Schmiede für künftige Goldmedaillengewinner». Bereits am Sixday-Prolog Rennen vom 14. August werden die ersten Profis auf der 250-Meter-Bahn aus sibirischer Fichte und finnischen Fichtenholz ihre Runden drehen.

Mit dem Einbau der Bahn hat die Velodrome Suisse AG vergangenen Donnerstag begonnen. Kommenden Donnerstag schon wird das Velodrome als Etappenziel der Tour de Romandie gefeiert. Am 21. Juni ist die offizielle Eröffnung. Am Sonntag, 23. Juni, wird für die ganze Bevölkerung ein Tag der offenen Türe veranstaltet.

Was die Presse darüber sagt

Die Spannung spiegelt sich in den Medien wieder. Im Juni wird mit einem Grossaufmarsch von Zeitungen, Fachpresse, Fernsehen und Radio gerechnet, wie schon zum Spatenstich vor einem Jahr oder an der Kick-off-Veranstaltung Ende 2011. Damals titelte die «NZZ» mit «Bretter, die die Meister machen» und schrieb von hohen Erwartungen und neuen Impulsen. Ein halbes Jahr später rätselte «Le Matin Dimanche», ob durch das künftige Grenchner Velodrome die bestehende 200-Meter-Bahn in Aigle in den Schatten gestellt wird. Vorfreude und Skepsis waren vorhanden. Das Grenchner Tagblatt und die Solothurner Zeitung verfolgten diese Ups and Downs wie kein zweites Medium.

Der erste Freudenaufschrei verklang. Dennoch lässt das neue Velodrome Suisse der Schweiz und dem nahen Ausland keine Ruhe. Das erklärte Ziel der Velodrome-Betreiber ist die Förderung von Radsport und Nachwuchs. Die gedeckte Radrennbahn nach internationalen Normen und damit das Bahnfahren gelten in der Branche als ideale Vorbereitungen für sämtliche Disziplinen auf dem Zweirad. Die einhergehende Neuausrichtung des Dachverbands Swiss cycling wurde breit thematisiert, auch, da der Verband seinen Hauptsitz von Ittigen nach Grenchen in die Multifunktionshalle verlegt. Für die erfolgreiche Verbandszukunft fungiere «das von Andy Rihs initiierte Velodrome in Grenchen als Katalysator», prognostizierte etwa der «Zürcher Oberländer» im März dieses Jahres. Dank der neuen Infrastruktur könne das Förderkonzept für den Leistungssport effizienter umgesetzt werden. «Es ist der Beginn einer neuen Ära», liess sich Markus Pfisterer, Geschäftsführer des Verbands, damals zitieren.

Nachwuchs wäre vorhanden

Gestellt wird vor allem auch die Frage, wer oder was denn nach Radsportvorzeigeprofi Fabian Cancellara kommt. Dieser gewann 2013 die Flandern-Rundfahrt zum zweiten und Paris–Roubaix zum dritten Mal. Einig ist man, dass das Velodrome zwar Hoffnung, aber allein noch keine Weltmeister macht. Der «SonntagsBlick» schrieb am 14. April, dass «Swiss cycling» dank des «Sprungbretts für den Nachwuchs» frohlocke, nur das aber noch keine neuen Cancellaras bringe.

Denn wie die «Basler Zeitung» letzten Dienstag richtigerweise feststellte, wird der 32-jährige zweifache Vater Cancellara das Radfahren nicht mehr allzu lange zu seinem Lebensinhalt machen. Hoffnungsträger gibt es zwar, doch viele sind auch schon über 30, und die Jüngeren brauchen bessere Bedingungen, um Ausbildung und Training unter einen Hut bringen zu können. Den Schritt in ein Strassenprofiteam schafft im Schnitt ein Schweizer pro Jahr. Dank des Velodrome Suisse sollen Ausbildung, Beruf und Sport bald noch besser vereinbar sein. Das «Leistungs- und Kompetenzzentrum» sei «einer der ersten Schritte, um die Nachwuchsförderung zu optimieren». Es werde aber seine Zeit brauchen, bis diese Umstrukturierungen greifen. Und das ist wahr. Denn so gross das Potenzial der Nachwuchsschmiede auch ist, erst muss sich zeigen, ob man dieses Potenzial auch wirklich zu nutzen versteht.

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