Man stelle sich vor: In einem Gartenbad einer Kleinstadt, das massgeblich dazu beitrug, dass dieser Stadt ein wichtiger Architekturpreis verliehen wurde, stehen beim Plantschbecken seit Kurzem drei hässliche Holzbänke, zwei davon mit Metallfüssen, ein drittes mit Betonsockel.

Doch nicht genug - wir blenden drei Jahre zurück: Die Stadt als Eigentümerin der Badi hatte damals einen Pächter für das Badirestaurant gefunden, der seine eigentlichen Brötchen in einem anderen Betrieb bäckt.

Dieser Pächter erhielt strenge Auflagen bezüglich der Werbung, die er in der Badi anbringen darf - nämlich sozusagen keine - denn schliesslich ist die Anlage ja schon fast denkmalgeschützt.

Besagtes drittes Bänkli aber wurde bereits am zweiten Tag nach der Eröffnung in dieser Saison von einer Firma mit der Werbung eines Konkurrenten beklebt, der unweit der Badi ein Restaurant betreibt. Doch immer noch nicht genug: Auch zwei weitere Bänkli im Badiareal wurden mit derselben Werbung beklebt, die dazu auffordert, «den Treffpunkt vor und nach der Badi» zu besuchen.

Ortskundige wissen bereits, es handelt sich um die Grenchner Badi, dessen Restaurant vom Back-Caffee betrieben wird und um die Werbung für das Restaurant im Velodrome, betrieben von den Gebrüdern Traub, keine 200 Meter vom Badieingang entfernt.

Und bei den Bänkli handelt es sich vermutlich um dieselben, die bis Mitte März auf dem Spielplatz beim Flughafen Grenchen standen, von wo sie aber von John Traub, Geschäftsführer des Restaurants Airport, entfernt wurden, was einen regelrechten Shitstorm auslöste und vielerorts für rote Köpfe sorgte.

Jürg Jaeggi, Inhaber des Back-Caffees, will sich zuerst überhaupt nicht äussern. «Ich wollte die Geschichte nicht an die grosse Glocke hängen, denn sonst heisst es wieder ‹der Jaeggi ...›.

Aber meine Familie hat sich aufgeregt, meine Mitarbeiter haben sich aufgeregt, sogar Kunden haben sich aufgeregt. Ich hab mich vielleicht fünf oder zehn Minuten aufgeregt, dann war die Sache erledigt für mich», meint er mit einem Lachen.

Wegen so etwas aktiv zu werden, komme für ihn nicht infrage. Klar habe er sich gewisse Dinge überlegt, die man gegen die unerwünschte Werbung unternehmen könnte, aber er denke, das bringe nichts ausser Ärger. «Jetzt müssen wir uns halt noch mehr Mühe geben, noch bessere Qualität liefern und noch freundlicher und schneller sein, damit die Leute zu uns kommen und nicht ins Velodrome-Restaurant abwandern», sagt Jaeggi.

Klarheit in die schon fast skandalöse Angelegenheit bringt die Nachfrage bei Jürg Vifian, stellvertretender Stadtbaumeister und Verantwortlicher für die Grenchner Badeanstalt: Den Auftrag für die Werbung auf den Bänkli erteilten die Gebrüder Traub, respektive die Gastro Velodrome GmbH.

Die Bänkli seien tatsächlich dieselben, die auf dem Spielplatz standen. Man habe seitens der Stadt die Bewilligung zum Aufstellen der etwas speziellen Werbeträger in der Badi erteilt, weil schliesslich handle es sich um bezahlte Werbung.

Wie viel die Stadt mit den drei Werbebänkli verdient, will Vifian nicht sagen. Er macht aber klar, dass das Gartenbad im Schnitt pro Jahr eine halbe Million Defizit schreibt und man froh sei über jegliche Einnahmequelle.

Angesprochen auf die doch ziemlich hässlichen Sitzgelegenheiten, meint Vifian: «Wir haben drei Sorten von Bänken in der Badi. Das ist auch ausgesprochener Ausdruck dafür, dass wir sorgsam mit unseren Mitteln umgehen.» Gewisse Konzessionen müsse man halt eingehen.

Gar nicht dieser Meinung ist Stadtpräsident François Scheidegger, der bei einem Augenschein vor ein paar Tagen laut Jaeggi nur noch den Kopf schüttelte. «Schrecklich, so etwas kann man einfach nicht machen», meint er auf Anfrage.

Er habe umgehend die Entfernung der Bänkli mit der Velodromewerbung veranlasst. «Die Stadt ist Eigentümerin der Badi und der Pächter dort unser Partner. Da können wir doch nicht die Werbung eines unmittelbaren Konkurrenten direkt vor dessen Restaurant erlauben. Das ist doch unlautere Werbung.

Allerdings besteht laut Vifian zwischen dem Auftraggeber für die Werbung, der Gastro Velodrome GmbH und der Stadt ein Vertrag, man kann die Bänkli nicht einfach abtransportieren lassen. Dazu Scheidegger: «Man muss mit den Traubs eine Lösung finden, das ist klar. Aber die Bänke müssen weg. So geht das nicht.»
Sicher tauchen die ominösen Bänkli bald irgendwo anders wieder auf. Wir sind schon jezt gespannt, wo.