Serie Bachtelen

Badekuren in Grenchen waren einst grosse Mode

Das Aquarell des Oltner Künstlers Martin Disteli zeigt das Bachtelenbad um 1823.

Das Aquarell des Oltner Künstlers Martin Disteli zeigt das Bachtelenbad um 1823.

Der zweite Teil der Serie zur Geschichte des Bachtelen dreht sich um die Entstehung des Heilbads. Josef Girard gelang es nicht, die Obrigkeit vom heilenden Wasser zu überzeugen, sein Sohn war erfolgreicher.

1818 wurde der Garnbucher Josef Girard dank des Bachtelenwassers geheilt. Girard war überzeugt, dass das Wasser heilende Kräfte besass. Die Kunde von der Heilung Girards machte rasch die Runde und schon bald standen Leute aus dem Dorfe bei der Quelle Schlange, um sich gesundzutrinken. Die Nachricht vom Heilwasser im Bachtelentälchen verbreitete sich rasend schnell. Spätestens jetzt musste Girard der Gedanke gekommen sein, das Heilwasser zu vermarkten.

Josef Girard – Revolutionär und Geschäftsmann

Girards Pläne waren gut – allerdings hatte Girard persönlich einen grossen Nachteil: Er zählte zu jenen Revolutionären, welche in der ersten Hälfte des Novembers 1814 die Stadt Solothurn besetzten und die Regierung kurzerhand ins Gefängnis warfen. Der Putsch misslang und Girard wurde zu 15 Jahren Einsperrung im Ausland verurteilt. Später wurde die Verbannung aufgehoben und gegen eine saftige Geldstrafe getauscht.

Man versteht sicher sehr gut, dass sich diese Regierung schwertat, als Girard von ihr die Bewilligung zur Führung eines Heilbades erbat. Die Heilwirkung des Wassers sei nicht erwiesen, wurde gesagt, und als die Wirte von Grenchen klar Stellung gegen Girard bezogen, fühlte sich die Regierung in ihrer zögerlichen Haltung bestätigt.

1824 gelang es schliesslich Dr. Josef Girard, dem Sohn des Bleichers Josef Girard, von der Regierung die Erlaubnis zur definitiven Führung des Badebetriebs zu erwirken. Die erste Bachtelenquelle, eben jene, der Vater Girard die Heilung seiner Brustkrankheit verdankte, enthielt im Wasser gelöst kohlensaueren Kalk, kohlensaure Bittererde, salzsaure Bittererde und salzsaure Kalkerde. Dieses Wasser wurde vor allem angepriesen zur Heilung von Magenschmerzen, bei der Bekämpfung von Brustverschleimung und sogar bei beginnender Lungenschwindsucht oder Tuberkulose.

Zweite gesunde Quelle

Im Jahre 1834 wurde im Bachtelentälchen eine zweite Quelle entdeckt, der Schwefelgeruch entstieg. Die Untersuchungen ergaben, dass das Wasser dieser zweiten Quelle kohlensaures Eisen und salzsaure Bittererde enthielt. Empfohlen wurde die Anwendung dieses Wassers bei Schwäche, Bleichsucht und Gliederschmerzen.

Eine besondere Attraktion des Bachtelenbades war das gut eingerichtete und unter ärztlicher Aufsicht stehende russische Dampfbad. Die Tatsache, dass der Sohn des Badwirtes, der Arzt Dr. Josef Girard, den Badegästen stets zu Diensten stand, wenn medizinische Probleme vorlagen, war ein weiteres Plus für das Grenchenbad.

Peter Strohmeyer schilderte in seiner Schrift über den Kanton Solothurn die Umgebung des Bades wie folgt: «Gartenanlagen, Spaziergänge, Springbrunnen und Baumalleen verschönern dieses idyllische Tälchen, das links und rechts von sanft ansteigenden, terrassenförmigen, zum Teil mit Reben gekrönten Hügeln umgeben ist, auf der Mittagsseite aber offen liegt.

Hier im nahen Schattengange und auf den benachbarten, ohne die geringste Anstrengung zu ersteigenden Erhöhungen stellte sich eine prachtvolle Aussicht dar auf das ganze grosse Tal von Murten, Büren, Solothurn, gegen das Emmental und die Silberzacken der Hochalpen. Rüstigere Bergsteiger haben den nördlich sich erhebenden Jura bald erstiegen, wo die herrlichste Rundsicht das Auge ergötzt.»

Das Bachtelenbad war ein gutes Geschäft – aber bald auch mehr.

Kultur-Historisches Museum: Die Vernissage zur Ausstellung 125 Jahre Kinderheim Bachtelen, das 100 Jahre in Grenchen daheim ist, findet statt am Donnerstag, 18. August 2016, um 19 Uhr. Der Anlass ist öffentlich und alle sind eingeladen.

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