Bald ist es 100 Jahre her, dass Pfarrer Otto Widmer das leere, baufällige Bachtelen kaufte, das seit seiner Errichtung diversen Zwecken diente, wie als Badekurort, Knabeninternat und Institut für junge Mädchen. Widmer gründete 1891 den Verein Sankt-Josephs-Anstalt, unter dessen Namen zunächst auch das Kinderheim Bachtelen in Grenchen geführt wurde. Der Pfarrer nahm Kinder auf, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammten, denn die Industrialisierung mit dem ausbeuterischen Schichtbetrieb hatte häufig Alkoholismus der Eltern und die Verwahrlosung vieler Kinder zur Folge. Ehe Widmer das Bachtelen in Grenchen 1916 billig erwerben konnte, nutzte er Häuser in diversen Gemeinden, wie Dornach und Gretzenbach als Heim.

Das sonderpädagogische Zentrum Bachtelen ist in der ganzen Region ein Begriff und nicht wegzudenken. Dafür, dass das Zentrum weiterhin erfolgreich bleibt und existieren kann, ist der Verein Kinderheim Bachtelen mit Präsident Andreas Kummer an der Spitze zuständig, denn der Verein gibt dem Zentrum seine Infrastruktur; er ist für den Unterhalt, die Finanzierung, die personelle Besetzung und die Strategie zuständig.

Gegenwärtig hat der Verein 81 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus zwölf Mitgliedern, wobei zusätzlich ein leitender Ausschuss mit fünf Personen die Geschicke des Vereins leitet. Im Verein finden sich Personen aus Politik, Wirtschaft und Kirche sowie Psychologen, Pädagogen, Finanz- und Kommunikationsexperten. Bei jedem Anliegen kann der Verein somit auf Spezialisten zählen.

Jubiläum steht an

Im nächsten Jahr feiert das Bachtelen Doppeljubiläum, wofür spezielle Anlässe organisiert werden. Das Highlight bildet die Festspielwoche, in der die Besucher Geschichte und Alltag im Bachtelen hautnah miterleben können.

Es ist noch nicht lange her, dass die Trägerschaft mit dem unter Spardruck stehenden Kanton schwierige Diskussionen führte. Seine Beiträge sind die Existenzgrundlage und bilden neben den Spenden von Privatpersonen und Elternbeiträge die einzigen Einnahmequellen. Der Kanton gibt dem Bachtelen jährlich fünfzehn Millionen Franken. Viel Geld, das jedoch gemäss Kummer auch nötig ist: «Das Bachtelen verfügt über ein ausgezeichnetes und wichtiges Know-how. Es dauerte Jahrzehnte, dieses aufzubauen, und darf nicht kurzfristigen Sparübungen geopfert werden.»

Die Schulform des Bachtelen habe sich bewährt, wie kürzlich auch eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz bestätigte. Ein Schüler des Bachtelen mache den gleichen Abschluss wie ein Schüler der Regelschule. 80 Prozent der Kinder haben mit fünfundzwanzig Jahren einen Lehrabschluss, ein deutlich höherer Prozentsatz als an der Regelschule. Jede Klasse besteht aus maximal sieben Kindern, sodass diese besser betreut werden können. «Die Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Alles, was man für sie gibt, erhält man zehnfach zurück», ist Kummer überzeugt.

Ein drastischer Abbau konnte abgewendet werden, da sich Kanton und Verein einig werden konnten. Bis 2018 ist der Kantonsbeitrag gesichert, dafür hilft der Verein dem Kanton in Dornach, regionale Kleinklassen aufzubauen. Auch an der Nutzung der Bergschule Brunnersberg hat das Bachtelen Interesse bekundet (wir berichteten).

Sich stetig weiterentwickeln

Wenn man die Geschichte des Bachtelen betrachtet, ist zu sehen, dass es sich in vielen Bereichen stetig entwickelt hat. In den Zwanzigerjahren etwa eröffnete es seine Schule, rund fünfzig Jahre später wurde diese zur Sonderschule umfunktioniert. Eine grosse Entwicklung fand in den letzten zwölf Jahren statt, als unter anderem die Tagessonderschule aufgebaut wurde und es mit dem Heilpädagogischen Dienst Solothurn fusionierte.

Heute geht die Tendenz klar zur Tagesschule und zu Tagesstrukturen hin. Nur noch 25 Prozent aller Kinder, die die Sonderschule besuchen, wohnen im Internat. «Das Bachtelen ist wertvoller denn je, weil es immer rasch auf die Bedürfnisse der Gesellschaft reagiert und sich dementsprechend weiterentwickelt hat», führt Kummer aus. «Hätte es das nicht getan, wäre es kaum so erfolgreich.» Auch jetzt befindet sich das sonderpädagogische Zentrum im Wandel.

Obschon bis 2018 alles geregelt ist, schauen die Beteiligten darüber hinaus in die Zukunft, um diese rechtzeitig zu sichern. «Wir nutzen nach Jahren der Hektik und des Umbaus die Zeit, um in Ruhe auch über neue Schul- und Lehrformen nachzudenken», meint Kummer.