Beinahe-Unfall
Aviatik-Experte Peter Brotschi: «Die Sicherheit muss Priorität haben»

Bei Starts und Landungen Richtung Westen könnte am Flughafen Grenchen Schlimmes passieren. Der Fliegerexperte Peter Brotschi wies schon 2013 auf Sicherheitsmängel auf dieser Seite der Piste hin.

Andreas Toggweiler
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Peter Brotschi hebt oft ab und schiesst auch oft Landschaftsbilder.

Peter Brotschi hebt oft ab und schiesst auch oft Landschaftsbilder.

Zur Verfügung gestellt

Das Sicherheitsproblem am westlichen Pistenende ist schon länger bekannt. Warum thematisieren Sie es erst jetzt?

Peter Brotschi: Schon vor Jahren war ich bei Regierungsrat Walter Straumann und habe ihn gebeten, mal eine Variante Richtung Westen zu untersuchen. Das hat er ja dann in verdankenswerter Weise auch gemacht. Ebenso habe ich schon einem Votum am 15. Mai 2013 im Kantonsrat auf das Sicherheitsdefizit hingewiesen. Offenbar verschuf ich mir kein Gehör, Regierung und Verwaltung planten munter weiter nach Osten.

Woher soll der Kanton 70 Mio. für einen Tunnel unter der Piste nehmen?

Dazu eine Gegenfrage: Aus welchen Kassen wurde das Geld für den Gibelin-Tunnel in Solothurn genommen? Ich denke, dass die gleichen Kassen infrage kämen wie bei der Westumfahrung in Solothurn. Grenchen ist ein eidgenössisch konzessionierter Flughafen, da sollte also auch der Bund ein grosses Interesse an einer grösstmöglichen Sicherheit haben. Im Übrigen bezweifle ich die Kosten von 70 Mio. Fr. für die Unterführung.

Auch der Tunnel würde die Piste etwa 100 Meter verlängern. Sie haben sich bisher deutlich gegen eine Pistenverlängerung ausgesprochen. Haben Sie die Meinung geändert?

Nein, ich bin nach wie vor wegen des Schutzes der Landschaft gegen eine Verlängerung auf 1450m, in welche Richtung auch immer. Aber es liegt doch nahe, dass das durch die Tieferlegung der Strasse entstehende Stück Terrain für die Piste ausgenützt wird. Alles andere wäre ein Witz. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Durch eine solche Lösung würde man gar nichts zerstören, kein wertvolles Landwirtschaftsland ginge verloren.

Was bringt der Tunnel dem Flughafen, wenn er die Piste ja doch nicht im gewünschten Ausmass verlängern könnte?

Mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer am Boden und für die fliegenden Besatzungen. Ein Plus an Sicherheit ist immer ein Gewinn, auch wenn man dies nicht in Franken und Rappen aufzählen kann. Zudem könnte die ganze Länge der Piste verwendet werden. Heute ist die Pistenschwelle auf der Piste 07 wegen des Strassenüberfluges etwas nach Osten versetzt und somit künstlich verkürzt.

Braucht es Ihrer Meinung nach Sofortmassnahmen, damit Vorfälle wie derjenige von 2011 nicht mehr passieren können?

Die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle SUST hat aus dem Vorfall die Sicherheitsempfehlungen abgegeben. In St. Gallen Altenrhein passierte am 6. August 2012 auch ein Pistenüberroller durch einen Geschäftsreisejet, bei dem um ein Haar ein Linienbus gerammt worden wäre. Auch bei diesem Unfall hat die SUST Sicherheitsempfehlungen abgegeben. Es liegt nicht an mir, weitere Empfehlungen abzugeben.

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